Ein Bericht der SÜDWEST PRESSE über den schlechten Zustand der Adenauerbrücke, die Ulm mit Neu-Ulm verbindet, hat im November die Bevölkerung und auch Kommunalpolitiker in beiden Städten ziemlich aufgeschreckt. Wegen der fortschreitenden Bauschäden ist ein schneller Neubau der Brücke angesagt, möglicherweise mit einer Erweiterung auf acht Fahrspuren. Am Mittwoch nun schilderte der Leiter des Staatlichen Bauamts in Krumbach, Wilhelm Weirather, die Situation im Technischen Ausschuss des Neu-Ulmer Stadtrat und vor vielen Zuhörern aus dem Neu-Ulmer Villenviertel so: "Es geht ans Eingemachte, denn es ist wirklich Gefahr im Verzug."

Bei Untersuchungen im Jahr 2012 hat sich herausgestellt, das die Schäden an der 1954/1955 gebauten und 1970/1971 erweiterten Brücke inzwischen derart massiv sind, dass sie dringend ersetzt werden muss. Die Note, die die Fachleute der Brücke gaben, lag bei 3,4 - und das gilt als "kritischer Zustand". Bei einer Note von 3,5 wird schon von einem "ungenügenden Zustand" gesprochen. Die Mängel sind so gravierend, dass die Brücke derzeit laufend überwacht wird. Verschlimmern sich die Mängel, müsse sie zwingend entlastet werden. Was bedeutet, das es dann zu Durchfahrbeschränkungen, vielleicht sogar zu einer Reduzierung der Fahrbahnen kommen kann. Schlimmstenfalls, so Weirather, müsse die Brücke sogar komplett gesperrt werden.

Eine Erweiterung der Brücke auf acht Spuren sei auch deshalb angedacht worden, weil es nur dann einen umfassenden Lärmschutz geben werde. Die gesetzlichen Vorgaben würden das bei einem einfachen Austausch des Bauwerks nicht vorsehen. Alles Weitere, auch der vom Straßenbauamt im November angedachte sechsspurige Ausbau der Bundesstraße 10 auf Neu-Ulmer Gemarkung, werden die weiteren Untersuchungen ergeben.

Gerade dieser Ausbau wird von den Anwohnern im Villenviertel, aber auch von Kommunalpolitikern und dem OB kritisch gesehen. Dafür sei kein Platz vorhanden, hieß es am Mittwoch. Und zu Enteignungen dürfe es nicht kommen, wurde gefordert. Den Stadträten ist aber ein besserer Lärmschutz auf der Brücke und auf der B 10 wichtig.

Das Staatliche Bauamt musste sich am Mittwoch von einigen Stadträten Vorhaltungen gefallen lassen, dass sie erst aus der SÜDWEST PRESSE vom schlechten Zustand der Brücke und den damit einhergehenden Überlegungen erfahren hätten. Behördenleiter Weirather blieb indes bei seiner Meinung: "Der Bericht hat zwar Wellen geschlagen, aber es muss erlaubt sein, über etwas nachzudenken." Die Tragfähigkeit lasse sich derzeit auch schon rechnerisch nicht mehr nachweisen. Deshalb werde sie ständig überwacht.

Eines kam am Mittwoch auch zum Ausdruck: Eine vierte Donaubrücke zwischen Offenhausen und Pfuhl wird es mit diesem Stadtrat nicht geben. Außerdem würde das die Adenauerbrücke nicht entlasten, hieß es.

Was alles im Argen liegt