Leitartikel Verena Schühly über kommunale Altenhilfeplanung Ackern auf einem riesigen Feld

Marc Hörger
Marc Hörger © Foto: Marc Hörger
Ulm / Verena Schühly 11.08.2018

Im Alter so lange und so selbstbestimmt wie möglich zuhause leben. Um diese Vorstellung der meisten Menschen zu realisieren, sind noch viele Anstrengungen nötig. Wer anfängt, das Feld zu beackern, merkt schnell: Es ist riesig und zahlreiche Akteure reden mit. Von den hochkomplizierten Finanzierungsfragen ganz zu schweigen. Die Auswirkungen der demographischen Entwicklung zwingen dazu, Veränderungen anzugehen.

Die Stadt Ulm ist gerade dabei, die Weichen in Richtung Zukunft einer älter werdenden Gesellschaft zu stellen. Und damit Strukturen zu entwickeln, die dann 15 bis 20 Jahren tragfähig sein werden.

In den einzelnen Sozialräumen und den kleineren Quartieren wird inzwischen genau geschaut: Welche Angebote gibt es? Und welche fehlen? Dabei ist der Blick weit, er trifft stationäre Einrichtungen wie ambulante Dienste und ehrenamtliche Unterstützungsmöglichkeiten. Der kleinräumige Fokus bietet die Chance, Menschen in ihrem Umfeld zu unterstützen und zu versorgen.

Auch in den Ortsteilen gibt es erste Pläne dazu: In Gögglingen/Donaustetten wie auch in Lehr sind Überlegungen zu zentralen Neubauten im Gange, die barrierefreie Seniorenwohnungen und kleine Altenhilfe-Einrichtungen vorsehen, beispielsweise für die Tagespflege. In Jungingen wird über Formen für betreutes Wohnen und eine ambulante Pflege-WG nachgedacht.  Die Gemeinden auf dem Hochsträß sind ebenfalls in den Prozess des Überlegens getreten.

Darüber hinaus braucht es den weiteren Blick, beispielsweise in der Wohnungsbaupolitik, um den Weg für Wohnformen wie Senioren- oder Demenz-WGs zu bereiten. Auch wenn aktuell die Nachfrage noch nicht so groß ist. Wie das Einplanen von Kindertagesstätten bei großen Bauprojekten zum Standard gehört, sollte das künftig für Einrichtungen der Altenhilfe gelten.

Die Stadt Ulm ist gut beraten, in diese Richtung Ideen und Konzepte zu entwickeln. Zum jetzigen Zeitpunkt ist festzuhalten, dass der Start gelungen ist. Aber vor ihr liegt ein langer Weg, für den sie ordentlich Kondition braucht. Es wird Sackgassen geben und verwirrende Abzweigungen, an denen sie anhalten und sich fragen muss: Was ist die richtige Richtung? So wie das Augenmerk viele Jahre auf Bildung und Kinderbetreuung lag, geht es künftig um die Lebensqualität im Alter. Die muss eine Kommune bieten, die attraktiv sein will.

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