Ulm Abwechslung fürs Altenheim

BEATE STORZ 07.08.2012
Ein Tag hat 24 Stunden. Die können lang oder kurz sein. Im Altenheim sind sie oft verdammt lang. Gabriele Matt bemüht sich, dass die Senioren im Alten- und Pflegeheim Wiblingen Abwechslung haben.

"Wenn mich die Leute anlächeln, zufrieden und glücklich sind, dann hat es sich gelohnt." Gabriele Matt will keine Dankbarkeit. Ihr reicht Zufriedenheit. Und zwar die Zufriedenheit ihrer alten Freunde. Sie ist die Vorsitzende des Fördervereins Alten- und Pflegeheim Wiblingen. Ausflüge, Feste und Vorträge - das lockert das eintönige Leben im Seniorenheim erfrischend auf. Gabriele Matt organisiert das komplette Jahresprogramm zusammen mit ihrem Team. Die 70 Mitglieder des Vereins arbeiten alle ehrenamtlich.

So gibt es wöchentliche Ausfahrten mit Rollstühlen und Rollatoren in den Wiblinger Klostergarten oder in die Umgebung. Auch auf den Friedhof. "Klar, alte Menschen sind gerne dort. Sie besuchen ihre Freunde und Verwandten", erzählt die 58-Jährige. Doch die Heimbewohner sind auch weltlichen Lustbarkeiten und Genüssen aufgeschlossen.

Gabriele Matt organisiert regelmäßig Wunschkonzerte, Tanztees oder Backaktionen zusammen mit Kindergartenkindern. Bei Busausflügen mit Rollstuhlfahrern ist der Organisationsaufwand ziemlich groß. Da muss man vieles bedenken. So benötigt Matt nicht nur Begleitpersonen, sondern auch einen behindertengerechten Omnibus und ein Ausflugsziel, das Rollstuhlfahrern gerecht wird. Sie handelt ganz pragmatisch: "Ich fahre die Ausflüge vorher selber ab, damit wir keine unliebsame Überraschung erleben."

Zweimal im Jahr veranstaltet der Verein ein Weißwurstessen und ein Fest am Ententeich. Auch hier ist ihr Organisationstalent erforderlich, damit es für die Heimbewohner wirklich gemütlich ist. Mitgliederpflege ist ihr ebenso wichtig, deshalb gibt es auch Feste und Ausflüge für die Ehrenamtlichen - quasi als Dankeschön für all die Mühen.

Gabriele Matt erledigt in Heimarbeit den Schriftverkehr einer Arztpraxis. Sie freut sich, wenn sie raus kommt und mit ihren Senioren etwas unternehmen kann. Bis zu zehn Stunden pro Woche wendet sie auf. Doch sie sieht das nicht als Opfer, sondern eher als Hobby. "Ich wollte unbedingt etwas für die alten Leute machen, weil ich das Gefühl hatte, dass für sie zu wenig getan wird."

Als Gabriele Matt ein Kind war, lebte ihre Großmutter mit im Haus. Drei Generationen unter einem Dach, das war für sie selbstverständlich. Heute ist das nicht mehr so. "Ich sehe das als eine Art Generationenvertrag - wenn auch nicht innerhalb der eigenen Familie."

Vor acht Jahren fing Gabriele Matt beim Förderverein als Rollstuhlschieberin an. Seit Herbst vergangen Jahres leitet sie nun den Förderverein. Ihre Familie unterstützt das Ehrenamt, ihr Mann erledigt die Dinge, die zu Hause liegen bleiben.

Für Gabriele Matt ist dies nicht das erste Ehrenamt. Sie war schon im Vorstand von zwei Sportvereinen und in der Kirche engagiert. "Ich erfahre viel Anerkennung und wachse in meine Aufgaben hinein." Über mehr ehrenamtliche Helfer, vor allem junge Leute, würde sie sich sehr freuen. Für jeden gibt es etwas zu tun, ob er nun einen Diavortrag halten oder als Discjockey beim Tanztee agieren will.