Nach dem Auszug von Textilfilialist K+L Ruppert in der Hirschstraße in Ulm hat der Umbau für das provisorische Domizil des Haushaltswarengeschäfts Abt zügig begonnen. Investor Erwin Müller will nach dem Erwerb von Abt 2017 das in die Jahre gekommene Stammhaus am Münsterplatz sanieren oder neu bauen. Dazu kann er Abt vorübergehend im früheren Laumayer-Haus in der Hirschstraße unterbringen, das er 1987 gekauft und nach einem Neubau an K+L vermietet hatte. Der Textildiscounter eröffnete 1994 und hat den Standort in der Fußgängerzone im Zuge einer Insolvenz also nach 25 Jahren aufgegeben.

Für Müller schafft dies Spielraum. Denn in dem Gebäude in der Hirschstraße 8, das auch einen Anschluss an die Pfauengasse hat, stehen 4200 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung.

Die Handwerker haben ihren Stützpunkt weitläufig in der Pfauengasse aufgeschlagen und mit dem Umbau im Gebäude begonnen. Auf großen Transparenten kündigt Abt für Sommer die Eröffnung des neuen Standorts an – unweit vom Altbau am Münsterplatz. Die Erwartungen gehen dahin, dass Abt dort eher Anfang als Ende Sommer startet. Die Flächen beider Häuser dürften vergleichbar sein – zumal Abt am Münsterplatz mit seinen verschiedenen Zwischengeschossen ausgesprochen weitläufig ist.

Erwin Müller hatte sich mit dem Neubau von Laumayer, ebenfalls ein Haushaltswarengeschäft, damals einige Zeit gelassen. Denn mit den umliegenden Geschäften – darunter auch Falschebner – war ein großer Wurf angedacht: mit einer Einkaufspassage zwischen Hirschstraße und Walfischgasse, auch für kleinere Läden.

Kurz zuvor hatte Müller auch den Gloria-Kinokomplex schräg gegenüber in der Hirschstraße 19 erworben. Daher war sogar die Frage aufgekommen, ob er die Ulmer Einkaufsmeile sukzessive aufkaufen will.

Die Geschichte wiederholt sich an dieser Stelle. Auch damals schaffte Müller 1991 mit dem Neubau der Filiale am alten Gloria-Standort Flächen für die zunächst provisorische Unterbringung des Laumayer-Haushaltssortiments, das eigentlich wieder zurück sollte. Es ist dort weiter bei Drogerie Müller in der ersten Etage untergebracht. Das Drogerie-Sortiment sollte nach den ersten Plänen ergänzend im unteren Teil von Laumayer platziert werden. Dennoch kam mit der Vollvermietung an K+L alles anders. Im Laumayer-Haus lief dann vor dem Abriss Anfang 1992 nochmal ein Weihnachtsmarkt und Verkauf von Silvesterraketen.

Müller, der am Rande der Innenstadt auch den Komplex Parkhaus Rosengasse mit dem Comfor-Hotel erstellt hat, bedauerte damals, dass die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung um eine bessere Lösung für Laumayer gescheitert waren. Die Grundstückseigentümer im Umfeld seien vom Rathaus anscheinend „nicht so behandelt worden, wie man sich das vorstellen könnte“ und unter Druck gesetzt worden. Er könne ihre Reaktionen nachträglich verstehen.

Der damalige Baubürgermeister Alexander Wetzig hatte betont, das neue Gebäude müsse auf Grundlage des geltenden Bebauungsplans erstellt werden, dürfe eine definierte Zahl von Etagen nicht übersteigen und solle zum Stadtbild passen. Wetzig stand jedoch der angedachten Passage durchaus positiv gegenüber.

Vermutlich auch weil sich dort die Kammerlichtspiele befanden, kursierten damals sogar Überlegungen, im Umfeld der Passage unter Hinzunahme der Gloria-Kapazitäten ein neues Kinozentrum zu etablieren.

Münsterplatz: Wie lange dauert der Leerstand?

Beobachter rechnen nun damit, dass der erfahrene Investor und Milliardär Müller selbstbewusst in die Verhandlungen mit der Stadt geht, um beim neuen Projekt am Münsterplatz diesmal seine Vorstellungen durchzusetzen: eventuell mit einem Neubau und einer Tiefgarage – letztere hat die Kommune freilich schon abgelehnt. Die Frage, die in Handelskreisen aufgeworfen wird: Wie lange kann es sich die Stadt leisten, das Haus am Münsterplatz als Leerstand hinzunehmen? Auf diese Weise würde auch das Licht an einem Leuchtturm des Handels für längere Zeit ausgehen – was nachteilig für die Frequenz in der City wäre, die ohnehin unter den Baustellen leidet.

Fest steht jedenfalls schonmal, dass Erwin Müller sich um das Abt-Haus herum arrondiert und zuletzt unter Nutzung eines historischen Vorkaufsrechts das direkt an Abt anschließende Gebäude in der Platzgasse gekauft hat, in dem zuletzt Büro Hutter untergebracht war – obwohl es schon an eine andere Adresse vergeben war. Heute eröffnet dort Juwelier Roth die Filiale „Roth-Stift“.

Dies bedeutet auch, dass Müller Teile von Abt zumindest auf Sicht vermietet, so dass er insgesamt mit seinem Vorhaben am Münster keine Eile zu haben scheint. OB Gunter Czisch hat schon betont, man wolle an der Stelle konstruktiv mit Müller zusammenarbeiten. Erwin Müller sei in einem ebenfalls historischen Umfeld in Budapest sensibel vorgegangen und habe das Café Gerbeaud vorbildlich saniert. Es gilt als eines der schönsten Kaffeehäuser der Welt.

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Damals Hoffnungen und Ängste im Handel


Neubau: Mit dem Laumayer-Neubau in der Hirschstraße hatte der Handel Hoffnungen und Ängste verbunden. Hoffnungen, dass die Neuansiedlung von K+L insgesamt zu einer Belebung der Frequenz auf der Einkaufsmeile führt. Ängste, dass der Baustellenverkehr die umliegenden Läden in Mitleidenschaft zieht. Der Abbruch von Laumayer – trotz eines Facelifts durch Müller unmittelbar nach dem Erwerb 1987 – begann dann Ende Januar 1992, zunächst von der Pfauengasse her – dort wo nun die Bauarbeiter für Abt ihren Stützpunkt haben (siehe Foto). Der Neubau umfasst fünf Etagen mit 4200 Quadratmetern Verkaufsfläche. Erst später wurde dann von einem privaten Investor auch das Salamander-Eckhaus an Hirschstraße und Pfauengasse neu erstellt.