Schwarz und Weiß – in die Stadt- und Abt-Farben, war das neue Gebäude des traditionellen Ulmer Haushaltswarengeschäfts in der Hirschstraße 10 gehüllt. Ganz in Rot gekleidet begrüßte Anita Müller, Ehefrau des Ulmer Drogeriemarkt-Unternehmers Erwin Müller, am Mittwochabend ihre 350 Gäste des Pre-Openings.

Seit Donnerstag hat das Kaufhaus Abt, das Müller im August 2017 erworben hatte, am neuen Standort geöffnet. Mit dem gleichen Sortiment – von Eisenwaren, über Haushalts- und Ambienteartikel bis hin zu Hand­taschen-Kollektionen – ist Müller vom Münsterplatz ins frühere Laumayer-Haus umgezogen, in dem zuletzt K&L Ruppert war.

Abt in der Hirschstraße: übersichtlicher und heller

Ihren Gästen präsentierten die Müllers am Abend vor Verkaufsbeginn das neue Haus. Auf fünf Stockwerken wird das gewohnte Abt-Sortiment nun auf einer Fläche von 4200 Quadratmetern angeboten. Übersichtlicher und heller wirkt der  neue Abt, für den es, anders als zu Beginn vermutet, keine Rückkehr an den Münsterplatz geben wird. Das machte Erwin Müller in seiner Eröffnungsansprache klar.

Zunächst erklärte der 86-jährige Unternehmer, warum er seinen Handelskonzern in eine österreichische Privatstiftung eingebracht hat. „Nicht wegen der Steuern, die werden dort bezahlt, wo die Gewinne anfallen“, betonte er und verwies auf den „desolaten Zustand der deutschen Politik“. Erwin Müller: „Ich bin mit meiner Stiftung in Österreich in einem sicheren Hafen.  In einer deutschen Stiftung hätte ich nichts mehr zu sagen gehabt.“

Den 105 Abt-Mitarbeitern und zwei Vertrauten dankte Müller. Seiner Frau Anita: „Sie sagt jeden Tag zu mir, ich soll weniger arbeiten. Aber, wenn wir in eine Stadt ohne Müller-Markt kommen, sagt sie mir jedes Mal, dass man da ja noch was machen könnte.“  Und seinem im Juni bestellten Geschäftsführer Günther Helm: „Mit ihm habe ich die seit langem beste Entscheidung getroffen. Er übernimmt eine sehr gesunde Firma.“

Abt am Münsterplatz: Was aus dem Gebäude werden soll

Dem anwesenden  Oberbürgermeister Gunter Czisch und den anwesenden Stadträten schrieb Müller ins Stammbuch, dass er am alten Abt-Standort am Münsterplatz gerne ein kleines Einkaufscenter mit Tiefgarage gebaut hätte. Die Stadtverwaltung habe aber zu viele „Ansprüche gestellt“.  Jetzt werde er deshalb Unter- und Erdgeschoss gewerblich vermieten und ab dem ersten Stockwerk aufwärts Wohnungen vorsehen. „Wenn man nicht den Mut hat, dann wird eben nicht gebaut“, sagte Müller. Zudem versuchte der Unternehmer eine seiner alten Projektideen zum Leben zu erwecken: Die Überdachung der Hirschstraße zur Einkaufspassage. In Richtung der Stadträte sagte er: „Vielleicht wollen Sie die Idee ja nochmal aufnehmen. Über die Finanzierung müssen Sie sich dann keine Sorgen machen.“

OB Czisch über Erwin Müller: „Große Lebensleistung“

Ein Ball, den Oberbürgermeister Czisch in seinem Grußwort offensiv annahm. „Über die Überdachung der Hirschstraße müssen wir nochmal reden. Aber ich habe ja verstanden, Sie zahlen es dann.“ Zum Rückzieher Müllers am Münsterplatz sagte Czisch: „So eine prominente Stelle ist anstrengend. Da ist es schwer, es allen recht zu machen.“ Erwin Müller versicherte der OB seine Wertschätzung für die „große Lebensleistung“.

Dieser schloss sich auch der neue Müller-Chef Günther Helm an. „Herr Müller, Sie haben ein fantastisches Unternehmen aufgebaut“, sagte der 40-Jährige und beschwor die Zukunftschancen des stationären Handels. „Die menschlich, emotionale Komponente kann Online nicht.“ Ansonsten bedankte sich Helm bei Erwin Müller für dessen Vertrauen und versprach: „Ich werde alles Menschenmögliche tun, um Ihre Erwartungen zu erfüllen.“

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Erwin Müller und sein Unternehmen

Die Person Erwin Müller (Mitte) wurde 1932 in München geboren. Er ist gelernter Friseur, hat die Meisterausbildung gemacht und mit 21 Jahren den eigenen Salon eröffnet. Für Aufregung sorgte er 1968, als er am „heiligen“ Montag öffnete. Seine erste reine Drogeriemarkt-Filiale hat Müller 1972 in Böfingen eröffnet. Er hat einen Sohn  und ist in zweiter Ehe mit Anita Müller (links im Bild) verheiratet.

Die Firma Die Müller Holding Ltd. & Co. KG ist mittlerweile in sieben europäischen Ländern mit 852 Filialen vertreten. Neben Deutschland gibt es Drogerien in Slowenien, Ungarn, Kroatien, Österreich, Spanien und der Schweiz. Seit dem Juni ist Günther Helm (rechts) Geschäftsführer. Der Ex-Chef der österreichischen Aldi-Tochter Hofer ist 40 Jahre alt. Die Müller-Gruppe beschäftigt rund 35 000 Mitarbeiter. Für das Geschäftsjahr 2019 plant Müller in der Gruppe einen Umsatz von knapp 5 Milliarden Euro.