Ulm Abt-Chef Hutter investiert in Ulmer Computerspiele-Entwickler Scorpius Forge

So sehen die ersten Entwürfe für eine Münster-App aus, die es ermöglichen soll, das Ulmer Münster zum Turm-Jubiläum 2015 virtuell zu begehen. Die Entscheidung über eine Realisierung des Projekts liegt bei der Stadt Ulm.
So sehen die ersten Entwürfe für eine Münster-App aus, die es ermöglichen soll, das Ulmer Münster zum Turm-Jubiläum 2015 virtuell zu begehen. Die Entscheidung über eine Realisierung des Projekts liegt bei der Stadt Ulm. © Foto: Repro: Scorpius Forge
Ulm / FRANK KÖNIG 08.10.2014
Der Ulmer Entwickler eines Computerspiels um Sioux-Indianer gewinnt mit neuen Investoren Sicherheit. Hermann Hutter von Abt will dabei Brettspiele auf mobile Endgeräte wie Tablets und Smartphones bringen.

Das Computerspiel Indian Hunter, das sich um einen Häuptlingssohn in der Pionierzeit um 1835 in Nordamerika dreht, macht einen Entwicklungssprung. Die Ulmer Designer des dreidimensionalen Spiels für mobile Endgeräte wie Tablets oder Smartphones wandeln Indian Hunter nun zu einem Multiplayer-Game um. Das bedeutet, dass man in dem Spiel nicht mehr nur alleine als Stammesmitglied der Lakota Sioux durch die Prärie streift und Bisons erlegt, sondern beliebig viele Spieler in mehreren Stämmen auf- und gegeneinander antreten.

Dem von Roman Hoffmann, Marius Junak und Bernhard Kretz 2012 zunächst in Blaustein gegründeten Spieleentwickler Scorpius Forge gelingt auch selbst der Sprung auf eine neue Ebene. In der Firma, die ihren Sitz inzwischen nach Ulm zu Wilken verlegt hat, sind neue Investoren, Geld- und Ideengeber eingestiegen. Und zwar nicht nur Wilken, wo demnach das Potenzial von Scorpius Forge hoch eingeschätzt wird, sondern auch der Chef von Abt und Inhaber eines Spieleverlags, Hermann Hutter. Dazu kommt ein weiterer, regional bekannter Investor.

Hutter hält es für reizvoll, Brettspiele und Computerspiele zu kombinieren. Als Vorbild dient das Legespiel Carcassonne, das es auch als App gibt. Nun gehe es darum, weitere Brettspiele in Apps zu transformieren und auf mobile Geräte zu bringen. Das ist aber keine Einbahnstraße. So könnte Hutter sich vorstellen, aus Indian Hunter im Gegenzug ein Brettspiel zu machen. Aus seiner Sicht gibt es einen wachsenden Markt für hochwertige Spiele mit historischem und kulturellem Hintergrund, nicht zuletzt bei Frauen: "Das hat seine Reize, es gibt dafür genügend Publikum."

Indian Hunter hat die Prärie detailliert digital nachgebaut, mit verschiedenen Pflanzen und Tieren, mit Sonne, Regen und Schnee. Die Sprecher sind Lakota-Indianer aus dem Pine-Ridge-Reservat im US-Bundesstaat South Dakota. Zum Start des Multiplayer-Games Ende des Jahres kommen zunächst zwei weitere Stämme hinzu: Comanchen und Pawnee, mit neuer Bekleidung. Als Waffen dienen Tomahawks sowie Pfeil und Bogen. Die Spieler können durch Sammeln, beispielsweise von Heilpflanzen oder Tierhäuten - vor allem Biberfellen -, ihren Status im Spiel verbessern.

Wer nicht ständig online ist, kann Biberfelle auch kaufen, womit ein neues Erlösmodell entsteht. Es soll 17 verschiedene Level oder künstliche Welten geben, in denen sich die Spieler bewegen und Ressourcen sammeln oder erbeuten können. Hoffmann: "Man kann sich auch herausfordern." Für jedes Level wurde eine eigene Tierwelt digital erschaffen. Wenn zu viel gejagt wird, verschwinden die Tiere eine Zeitlang aus dem Level. Dies soll zu nachhaltigem Verhalten ermuntern.

Indian Hunter hat im App-Store von Apple und dem Google-Play-Store nach Hoffmanns Worten bisher 350.000 Downloads erzielt. Auch der Weg für eine Microsoft-Anwendung ist frei. Allerdings wurden wegen des Multiplayer-Games zuletzt keine Nachbesserungen mehr vorgenommen. Scorpius Forge erhöht in diesem Kontext das Personal auf vier Mitarbeiter. Ein zweites Spiel über Tierfänger in Afrika, benannt nach dem Kinofilm "Hatari" mit John Wayne, ist in Planung.

Zum Geschäftsplan gehören auch Business Apps, ein erstes Programm für Wilken läuft. Scorpius Forge hatte auch dem Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren eine App angeboten, um die Steinzeit nachzuspielen. Ein neuer Plan ist eine App fürs Münsterturm-Jubiläum 2015. Die ersten Entwürfe stehen und sollen der Stadt die Einschätzung erleichtern. Nach Hoffmanns Worten geht es darum, dass man "ein virtuelles Münster von innen und außen begehen kann."

Auch Investor Hutter sieht in den dreidimensionalen Business Apps ein starkes zweites Standbein für Scorpius Forge - nicht zuletzt mit dem Wissen um regionale Themen.

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