„Die 150-Jahr-Feier der Petruskirche ist eine gute Gelegenheit, um einen Schlusspunkt zu setzen.“ Das hatte Karin Schedler schon länger beschlossen, um nach zehn Jahren als geschäftsführende Pfarrerin einen Wechsel anzustreben. Doch es dauerte, bis die Alternative feststand: „Ich werde Dorfpfarrerin!“, erzählt die 52-Jährige von ihrer neuen Stelle in Ederheim im Nördlinger Ries.

  Den Schlüssel zu dieser ungewöhnlichen Veränderung hat sie vor zwei Jahren gefunden: Eine viermonatige Auszeit, in der sie als Hirtin auf einer Hoch-Alpe im Tessin lebte, prägt sie bis heute. „Seither kommt mir die Stadt zu groß, zu laut und zu hektisch vor – obwohl ich immer in der Stadt gelebt habe“, sagt sie, und lässt ihr typisches Lachen erklingen.

„Total crazy“ sieht ihre letzte Arbeitswoche aus. Denn sie hat sie jede freie Minute zu Cello, Posaune, Alphorn und anderen Instrumenten gegriffen, um für ihr Abschiedskonzert zu proben. Denn Musik ist – neben den Bergen – eine große Leidenschaft der gebürtigen Stuttgarterin.

Sie hat es geschätzt, dass es an der Petruskirche hauptamtliche Kirchenmusiker gibt, mit denen sie sich die Bälle hin- und herspielen konnte. „Aber ich bin nie mit dem Talar auf die Orgel gehopst – das wäre Ämterhäufung.“ Das mag die umtriebige Theologin nicht.

Auf ein Ziel hat sie lange hingearbeitet: Vor vier Monaten wurde die Geschäftsführerin für die Petrus-Kitas Zachäus-Nest und Jona-Insel eingestellt. Das Führen der Einrichtungen mit 275 Plätzen und über 80 Mitarbeitern „gleicht einem mittelständischen Unternehmen und ist nicht mehr nebenher zu erledigen“.

Über die neu geordnete Struktur ist sie froh. Auch sonst „überlasse ich meinem Nachfolger ein geordnetes Haus“. Bei ihrem Amtsantritt im August 2007 war das anders: Damals war die Geschäftsführung der Petruskirche gerade  frisch vom Dekanat getrennt worden. Es dauerte, bis das operative Geschäft geregelt war.

Und dann: „Die Baustellen! Bei 13 Gebäuden fällt ständig was an“, blickt Schedler zurück und nennt die jüngsten Großprojekte: Renovierung der Petruskirche und Krippen-Anbau ans Zachäus-Nest.

Wie schwer fällt der Abschied? „Ich war wirklich gern hier und hatte ein tolles Team. Es ist ein dichtes Netz gewachsen. Viele Menschen haben sich mir weit geöffnet. Das macht es nicht einfach. Andererseits hat sich in letzter Zeit  vieles gerundet, so dass es ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel ist. Auch für uns als Familie.“ Denn der jüngere der beiden Söhne ist jetzt fertig mit der Schule und geht aus dem Haus. Karin Schedlers Mann ist Zahnarzt und behält seine Stelle in der Praxis, er wird künftig pendeln.

Nach dem Abschiedsgottesdienst am kommenden Sonntag wird es für sie erst mal gemütlicher: Sie hat noch alten Urlaub und tritt ihre neue Stelle erst am 1. November an. Bleibt also Zeit, um gründlich auszumisten und sich auf das Neue einzustellen. Ihre bisherigen Stationen waren nach dem Studium in Erlangen und Münster das Vikariat in Fürth, wo sie anschließend 13 Jahre Pfarrerin im Schuldienst war, ehe sie die Stelle in Neu-Ulm antrat.

Nach zehn Jahren „Pfarrei-Management“ als Geschäftsführerin freut sie sich wieder auf „Basis-Arbeit“ mit den Menschen, als Seelsorgerin der beiden kleinen Pfarreien St. Oswald Ederheim und St. Veit Hörnheim. Wobei ihr ihre Alpe-Erfahrungen wichtig sind: „Ein guter Hirte ist nicht der, der mit den Kühen Gras frisst. Sondern der, der gut beobachtet und sofort  da ist, wenn es Schwierigkeiten gibt.“ Und: Meist „weiß die Herde selbst, was sie braucht“.

Etwas aus Neu-Ulm wird Karin Schedler begleiten: Der Klingelton ihres Handys – das Geläut der Glocken der Petruskirche, aufgenommen vom Sohn. „Das lasse ich, das ist ganz sicher.“

Abschied mit Konzert und Gottesdienst


Gottesdienst Am Sonntag, 23. Juli, 10 Uhr ist der offizielle Abschiedsgottesdienst von Pfarrerin Karin Schedler. Er steht unter dem Motto „Sonne möge dich begleiten“ und wird gestaltet von beiden Kitas der Petrusgemeinde. Im Anschluss gibt es einen Empfang im Petrussaal.