Ulm Abschied von Mandela

Ulm / CHRISTINE LIEBHARDT 16.12.2013
Auch nach seinem Tod bringt Nelson Mandela Menschen aller Hautfarben und Religionen zusammen: In der Wengenkirche nahmen viele Abschied und feierten das Leben des großen Versöhners Afrikas.

Da steht er, grinsend, Arm in Arm mit Fidel Castro. Lachend, Hand in Hand mit Muammar al-Gaddafi. Neben Margaret Thatcher, das berühmte verzaubernde Lächeln auf dem Gesicht, mit dem er Verbundenheit schaffte, egal, wo er war auf der Welt. Auch nach seinem Tod bringen die auf eine Leinwand projizierten Fotos von Nelson Mandela die Menschen zum Lachen, die am Samstagabend in die Wengenkirche gekommen sind, um von einer der größten Persönlichkeiten unserer Zeit Abschied zu nehmen.

Innerhalb weniger Tage hatten Saliou Gueye, Leiter der Koordinierungsstelle Internationale Stadt, und Dekan Matthias Hambücher, Pfarrer an der Wengenkirche, die Trauerfeier gemeinsam mit dem Rat der Religionen und der afrikanischen Gemeinde Ulm organisiert. Gekommen sind viele: Vertreter der afrikanischen Gemeinde Memmingen und der kamerunischen Gemeinde Ulm, der Alevitischen Gemeinde und des Deutsch-Türkischen Kulturvereins, Imame vom Islamischen Kultur Center, Ulmer Bürger aller Hautfarben. "Ich werde niemals den Tag seiner Freilassung vergessen", sagte Gueye in seiner Würdigung Mandelas. Stundenlang habe er als Schüler im Senegal vor dem Fernseher gesessen. "Damals wurde mein Sinn für Gerechtigkeit geweckt." Ulm müsse sich ein Beispiel an Mandela nehmen, Vielfalt müsse gelebt und zum Alltag werden. Gueye appellierte: "An meine afrikanischen Brüder und Schwestern - mischt euch ein und gestaltet Ulm mit!" Nur so bleibe Mandelas Erbe bestehen.

Auch Matthias Hambücher würdigte den ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas. Persönlich beeindruckt hätten ihn vor allem Mandelas Kampf gegen Rassismus, sein langer Atem und die Treue zum eingeschlagenen Weg. "Er sah die Welt als gemeinsames Lebenshaus aller Menschen gemeinsam mit Gott", sagte Hambücher.

Unter Leitung von Denis Mpaka Mbo begleitete der kongolesische Chorale Eliya den Abend mit afrikanischer Musik - und verstand es, im gemeinsamen Singen alle Besucher zu einen. Da war er, der Geist Nelson Mandelas, in den afrikanischen Trommeln, in der Koran-Rezitation des Imams, im christlichen Gebet. In der Ergriffenheit, der sich an diesem Abend niemand in der Wengenkirche entziehen konnte. Deutlich zu spüren war das auch am offenen Mikrofon, das die Anwesenden teils spontan nutzten, um von Mandelas Bedeutung für ihr eigenes Leben zu erzählen. Viele hatten dabei Tränen in den Augen. Oliver Tamfu von der Kamerunischen Gemeinde sagte tröstend: "In Afrika weint man ganz wenig, sondern freut sich, dass so ein Mensch gelebt hat."

Leben für die Versöhnung
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