Soziales Sigrun Rose: Abschied von der Neu-Ulmer Diakonie

Zum Abschied in der Petruskirche: Sigrun Rose umarmt ihre Nachfolgerin Corinna Deininger, rechts die frühere Dekanin und langjährige Diakonie-Wegbegleiterin Gabriele Burmann.
Zum Abschied in der Petruskirche: Sigrun Rose umarmt ihre Nachfolgerin Corinna Deininger, rechts die frühere Dekanin und langjährige Diakonie-Wegbegleiterin Gabriele Burmann. © Foto: Oliver Schulz
Neu-Ulm / Verena Schühly 20.08.2018
Feierstunde für Geschäftsführerin Sigrun Rose am Sonntag in der Petruskirche: Sie bekam viel Dank für ihr Engagement.

Umarmungen und Dankesworte gab es am Sonntag schon in der Petruskirche zur offiziellen Verabschiedung von Sigrun Rose. Die Geschäftsführerin der Diakonie Neu-Ulm hört nach 20 Jahren auf und wechselt zur Bruderhaus-Diakonie nach Württemberg. Doch ein paar Tage arbeiten muss Rose noch: Erst am 29. August ist ihr letzter Arbeitstag.

In ihrem Büro in der Eckstraße 25 lichten sich die Regale, dafür füllen sich die Kartons, wächst der Aktenberg mit der Aufschrift „Zum Schreddern“. In den kommenden Tagen ist noch einiges zu tun. „Die EU-Datenschutzrichtlinie hält uns auf Trab“, sagt die Sozialpädagogin. Es ist also kein gemütliches Abschiednehmen – damit schließt sich auch ein Kreis: Denn gleich nach ihrem Einstieg im Dezember 1998 waren schnelle und weitreichende Entschlüsse gefragt. „Ich war gerade mal 14 Tage im Amt, da fiel die Entscheidung: Das Diakonische Werk (DW) baut das Altenheim Nersingen. Das war für uns damals ein Riesending und bedeutete ein komplett neues Aufgabengebiet“, erinnert sich die 50-Jährige.

Fünfmal so groß geworden

Allein die Baukosten betrugen damals 6 Millionen Mark, das Vierfache des gesamtem DW-Umsatzes von seinerzeit 1,5 Millionen Mark. Vor 20 Jahren zählte die Diakonie in Neu-Ulm 40 Mitarbeiter und sechs Dienste/Einrichtungen. Heute hat sie 200 Mitarbeiter und 22 Dienste/Einrichtungen in den drei Landkreisen des evangelischen Dekanats: Neu-Ulm, Günzburg und Dillingen. Der Jahresumsatz beträgt 7,8 Millionen Euro.

Eine der Hauptaufgaben in den Anfangsjahren war es auch, die Struktur des DW zu modernisieren, insbesondere im Bereich der Finanzen. Doch längst ist der Sozialverband wirtschaftlich konsolidiert. Weitere Meilensteine des Wachstums in den vergangenen 20 Jahren waren der Ausbau von Drogen- und Suchtberatung im gesamten Landkreis Neu-Ulm; das Einrichten von Tagesstätten für psychisch kranke Menschen; der Aufbau der Wohnungslosenhilfe in ökumenischer Partnerschaft mit der Caritas sowie die Betreuung von Flüchtlingen.

Obwohl die Zahl der ankommenden Asylbewerber stark gesunken ist  – „jetzt haben wir das Niveau, das immer da war“, betont Rose –, braucht es intensive Betreuung, damit die Integration gelingt. Ihr Wunsch an die Politik wären klare Regelungen, dass „junge Menschen eine Ausbildung machen dürfen, dass sie diese zu Ende bringen dürfen und nach deren Abschluss hierbleiben dürfen, um als Fachkräfte beispielsweise in der Pflege und im Handwerk zu arbeiten“, fordert Rose. Sie ist sich sicher, dass diese Aussicht die jungen Flüchtlinge motivieren würde.

Der Diakonie treu geblieben

Die gebürtige Osnabrückerin, die heuer 50 Jahre alt geworden ist, hat Abitur gemacht und Erzieherin gelernt in einer diakonischen Einrichtung in Bielefeld. Nach den ersten Berufsjahren hat sie an der Dualen Hochschule ein Sozialpädagogik-Studium absolviert und noch einen Verwaltungswirt draufgesattelt. Der Diakonie ist sie bei ihren Arbeitsstellen immer treu geblieben: in der Kinderklinik St. Maria Oberjoch, beim Diakonischen Werk in Kempten, wo sie einen Hort und die kirchlichen Sozialarbeit leitete, und dann eben seit 1998 in Neu-Ulm.

Und die Treue hält an: Sigrun Rose wechselt im September zur Bruderhaus-Diakonie und übernimmt die Regionalvertretung für den Bereich Ulm, Ehingen, Laichingen, Heidenheim und Göppingen mit den Schwerpunkten Sozialpsychiatrie, Jugendhilfe und Behindertenhilfe. Die Bruderhaus-Diakonie ist eine Stiftung, die zur evangelischen Landeskirche Württemberg gehört.

Der Wechsel „hat sich irgendwie so ergeben“, berichtet Rose. Nach 20 „lehrreichen Jahren“ und in einem „tollen und engagierten Team“ sei eine berufliche Veränderung an der Zeit, „zumal ich noch 17 Berufsjahre vor mir habe“. Sie geht mit dem sprichwörtlichen lachenden und weinenden Auge – und mit einem guten Gewissen, ihrer Nachfolgerin Corinna Deininger ein gut geordnetes Haus zu überlassen. „Das Charmante an meiner neuen Stelle ist, dass ich in der Region bleiben kann.“ Denn ihr neues Büro liegt im Grünen Hof in Ulm, im Zentrum der kirchlichen Arbeit.

Privat kann daher auch alles bleiben:  Der Arbeitsweg von Unterelchingen, wo Sigrun Rose mit ihrem Lebensgefährten wohnt, ist überschaubar und ebenso der Weg nach Vöhringen, wo sie ihr Pony hat. Mit dem reitet sie nicht nur, sondern spannt es lieber an: „Ich habe einen B-Trainerschein im Kutschenfahren und tue es leidenschaftlich gern.“ Wenn ihr neben Vollzeitjob und dem Kümmern ums Pferd noch Zeit  bleibt, liest Sigrun Rose gern, geht zum Tauchen und in Konzerte: „Egal ob Rock, Pop oder Oper – da bin ich breit aufgestellt.“

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Besondere Auszeichnung zum Abschied

Ehrennadel Das goldene Kronenkreuz hat Sigrun Rose gestern von Michael Bammessel, dem Präsidenten der Diakonie in Bayern, angesteckt bekommen – als Anerkennung für ihre 20-jährige Tätigkeit. Der Neu-Ulmer Dekan Jürgen Pommer dankte Rose für ihr Engagement und „Eintreten für eine gerechtere Welt“. Er würdigte die 50-Jährige als Person, die zwei Eigenschaften in sich vereine: realistisch zu sein und zugleich jemand, der Mut habe, seinen Träumen nachzugehen.

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