Ulm Abitur mit Leistungskursen: Das ändert sich zum Abitur 2021

Drei statt bisher vier Prüfungen müssen die Abiturienten künftig schriftlich absolvieren. Dazu kommen zwei mündliche Prüfungsfächer. 
Drei statt bisher vier Prüfungen müssen die Abiturienten künftig schriftlich absolvieren. Dazu kommen zwei mündliche Prüfungsfächer.  © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Ute Gallbronner 07.01.2019

Kein Jahresbeginn ohne Änderungen im Bildungssystem angeht. Neu in diesem Jahr: Die Rolle rückwärts bei den Gymnasien. Die wird zwar sowohl in Ulm als auch in Neu-Ulm praktiziert, allerdings in unterschiedliche Richtungen. In Bayern geht es in neun Jahren zum Abitur, Baden-Württemberg führt das Leistungskurs-System wieder ein – auch wenn die alten Begriffe gemieden werden.

An den Ulmer Gymnasien sitzt man auf heißen Kohlen. Die Rückkehr zu einem System aus Leistungs- und Basisfächern für den Abiturjahrgang 2021 wurde im Oktober 2017 verkündet. Ende 2018 haben die Schulen dann die Rahmenbedingungen erfahren, um die praktische Umsetzung muss man sich vor Ort kümmern. Die Ulmer tun sich zusammen.

Es soll künftig wieder mehr Raum für die individuellen Begabungen geben, und zwar nicht nur in der Prüfung selbst, sondern auch in der Kursphase, also den beiden letzten Schuljahren. Die wichtigsten Änderungen:

Stundenzahl

Bislang wurde ein Fach in zwei oder vier Stunden unterrichtet. Nun gibt es zwei-, drei- und fünfstündige Fächer. Dies bedeutet natürlich einen Mehraufwand, was die Organisation angeht. Das Doppelstundenmodell ist angesichts der ungeraden Stundenzahl nicht mehr durchzuhalten. Möglich wäre zum Beispiel, ein dreistündiges Fach in einem Halbjahr zwei- und im nächsten vierstündig zu unterrichten – oder das Modell aufzugeben. Mindestens 32 Stunden pro Woche kommen für einen Abiturienten zusammen. Meist sind es mehr, um alle Pflichtbereiche abzudecken.

Leistungsfächer

Bisher mussten sich die Schüler für vier Fächer entscheiden, die sie vierstündig belegen. Künftig gibt es drei Leistungsfächer, die fünfstündig unterrichtet werden. Zwei davon müssen Deutsch, Mathematik, eine Fremdsprache oder eine Naturwissenschaft sein. Was die Inhalte angeht, wird dasselbe gefordert wie bisher für die vierstündigen Fächer. Damit  bleibt mehr Raum für individuelle Forderung. Die Punkte aus zwei Leistungsfächern werden für das Abitur doppelt gewertet.

Basisfächer

Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften sind dreistündig. Dafür wurden Bildungspläne der bisherigen vierstündigen Variante etwas abgespeckt. Alles andere wird zweistündig unterrichtet.

Abitur-Prüfung

Die drei Leistungsfächer werden schriftlich geprüft, dazu kommen zwei mündliche Prüfungen (bisher vier plus eins). Um Deutsch und Mathe kommen auch künftige Abiturienten nicht herum. Wer eines der beiden Fächer nicht fünfstündig hat, der wird mündlich geprüft. Darauf kann man sich aber nicht mehr so gezielt vorbereiten wie bisher, weil man das Thema erst am Prüfungstag erfährt. Der Schüler bekommt das Thema, hat 20 Minuten Vorbereitungszeit und 20 Minuten Prüfung.

Besondere Lernleistung

Es besteht weiter die Möglichkeit Seminarkurse zu besuchen, die von der Schule angeboten werden. Solch einer ist dreistündig. Darüber müssen die Abiturienten eine Arbeit schreiben, ihr Thema präsentieren und Fragen beantworten. Dadurch kann eine mündliche Prüfung ersetzt werden – allerdings nicht Mathe oder Deutsch. Auch entsprechend aufgearbeitete Wettbewerbe, etwa Jugend forscht, können eine mündliche Prüfung ersetzen.

Null-Punkte-Regel 

In jeder Prüfung muss mindestens ein Punkt erzielt werden. Sonst muss man in die mündliche Nachprüfung und dort mindestens drei Punkte erreichen.

Herausforderungen des Systems

In den nächsten Tagen werden sich die Ulmer Schulleiter treffen, um die Praxis anzupacken. Denn wenn die Schüler mehr frei entscheiden dürfen, bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass es schwieriger wird, manche Kursen zusammenzubekommen.

Beispiel Französisch. Wählen künftig acht Schüler die Basisvariante und acht das Leistungsfach, kommt weder der eine noch der andere Kurs zustande. Was tun? Man könnte die eine oder die andere Gruppe überreden, zur jeweils anderen zu wechseln. Oder mit einem Aufsetzkurs arbeiten. Also drei Stunden für alle und zwei zusätzlich für die anderen. Oder eben mit einem anderen Gymnasium kooperieren. Schon jetzt gibt es solche Kooperationen, zum Beispiel lernen Essinger- und Schubart-Schüler gemeinsam Französisch.

„Zuerst werden wohl Vorwahlen der Schülerinnen und Schüler der jetzigen Klassen 10 stattfinden. Danach sieht man, welche Kurse voraussichtlich stattfinden und in welchen Fällen eine Kooperation möglich ist“, skizziert der geschäftsführende Schulleiter der Ulmer Gymnasien und Chef des Wiblinger Einstein-Gymnasiums, Bernhard Meyer, die Gedanken. „Allerdings hat dies auch Grenzen. In welchem Umfang sinnhaft und organisatorisch umsetzbar noch weitere Kooperationen möglich sind, werden wir besprechen.“ Jeder mit jedem ist nicht zu stemmen, zumal die Schulen räumlich weit auseinander liegen.

Meyer wartet zudem auf einen Brief des Kultusministeriums, wie viele Lehrerstunden es für die einzelnen Schulen gibt. „Davon hängt natürlich auch ab, wie viele Kurse gebildet werden können“, sagt Meyer. Die bisherige Zahl könne nicht mehr gelten, „da man für die neue Kursstufe mehr Deputatsstunden benötigt“. Das Kultusministerium rechnete zuletzt für die neue Oberstufe insgesamt mit einem Mehrbedarf von 65 Deputaten.

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