Diesen Stadtspaziergang wird Stefan Lefler noch lange in Erinnerung behalten: Als er am Montag vor einer Woche mit seiner Freundin durch die Ulmer Fußgängerzone schlenderte, wurde ihm das Ausmaß der Corona-Krise erst richtig bewusst. Menschenleere Gassen, an fast jedem Geschäft ein „Geschlossen“-Schild – gespenstische Stimmung. Und das an einem frischen, aber trockenen Frühjahrstag. „Natürlich hatte ich die Nachrichten verfolgt und wusste, was los war. Aber diese Stimmung in einer sonst so belebten Innenstadt zu erleben, hat mich nachdenklich gestimmt“, sagt Lefler rückblickend. Vor allem die Situation der Händler habe ihn beschäftigt. Der Programmierer und Kommunikationsdesigner überlegte, wie er helfen könnte – und tüftelte kurze Zeit später ein Konzept aus.

Baden-Württemberg

Zusammenhalt Ulm: Unterstützung auch für Künstler

Seit Donnerstag ist die Webseite „zusammenhalt-ulm.de“ abrufbar. Im Online-Shop können Händler aus Ulm und Neu-Ulm ihre Waren verkaufen. Auch Künstler und Musiker haben die Möglichkeit, Bilder oder CDs anzubieten. „Ich habe selbst ein Bandprojekt und weiß, wie schwer es momentan auch für Kulturschaffende ist“, erklärt Lefler. Zehn Läden und Künstler sind bisher auf der Webseite vertreten. Unter anderem das Lebensmittelgeschäft „Gutes von hier“, der Spielwarenladen „Gänßlen“ sowie die Ulmer Künstlerin Eva Recordon. Dabei solle es nicht bleiben. Die Webseite spreche sich bereits herum.  „Viele freuen sich über die Gelegenheit, eine solche Plattform kostenlos nutzen zu können“, sagt Lefler. Demzufolge sei die Akquise bisher erfolgreich verlaufen. Lefler rechnet  noch in dieser Woche mit mehr als 50 Neueintragungen.

„Ulmer Macher“ werden interviewt

Der 32-Jährige will in der Corona-Krise mit seinem Portal helfen. Das Projekt soll sich allerdings auch finanziell tragen. An jedem verkauften Artikel verdient Lefler eine Provision. Um mehr Aufmerksamkeit auf die Seite zu lenken, hat Lefler einen Blog integriert. In der Rubrik „Ulmer Macher“ stellt er wöchentlich eine Person vor, die ihre Produkte im Online-Shop anbietet. Neben einem Steckbrief erwartet den Nutzer ein Interview zum Anhören. Die erste Folge der Podcast-Serie soll am kommenden Freitag verfügbar sein. Zu Gast ist der Ulmer Fotograf Moritz Reulein, der unter anderem über seinen beruflichen Alltag und die Auswirkungen der Corona-Krise auf seine Arbeit spricht. Für Reulein ist Leflers Idee ein Schritt in die richtige Richtung: „Die neue Webseite ist ein gutes Mittel, um zu zeigen, dass man trotz Corona weiterhin verfügbar ist.“ Vor allem  für Händler und Freiberufler, die keinen eigenen Online-Shop haben, sei das Projekt eine wichtige Stütze.

Lefler hofft, dass sich sein Portal in den kommenden Monaten in Ulm durchsetzen kann. Auch nach der Krise soll es bestehen bleiben: „Dann möchte ich die Blog-Aktivitäten in den Vordergrund rücken und  ,Zusammenhalt Ulm‘ in ,Ulmer Macher‘ umbenennen“, kündigt er an.

„Ulm für dich“: Aktuelle Infos über Ulmer Läden

Auch Annemarie Brückner möchte den lokalen Handel in Corona-Zeiten  mit einem Online-Projekt unterstützen. Die Inhaberin des Modegeschäfts „Fischerins Kleid“ im Fischerviertel hat fast zeitgleich zu Lefler das Portal „ulm-fuer-dich.de“ ins Leben gerufen. Es verzichtet auf eine Shop-Funktion, vielmehr sollen die aktuellen Informationen über die Ulmer und Neu-Ulmer Geschäfte im Vordergrund stehen. „Einige Läden bieten jetzt einen Lieferservice an, andere setzen auf ein Drive-In-Angebot. Wir möchten all diese Neuigkeiten sammeln und übersichtlich darstellen“, sagt Brückner. Zudem werden die Geschäfte einzeln vorgestellt. Das Signal an die Kundschaft soll Brückner zufolge lauten: „Wir sind weiterhin für euch da.“

Unterstützt wird Brückner bei ihrer Arbeit von André Wieland, dessen Unverpackt-Laden „Klare Kante“ bald in der Nähe des Metzgerturms eröffnen soll, sowie von Buchhändler Rasmus Schöll (Aegis Literatur). Das Trio konnte bereits rund 20 Geschäftsinhaber für das Projekt begeistern, weitere sollen hinzukommen. Der Mitgliedsbeitrag, der die Unkosten der Projektverantwortlichen decken soll, ist während der Krisenzeit optional.

Brückner steht mit Stefan Lefler im Austausch, beide halten sich gegenseitig auf dem Laufenden. Genau wie Leflers Portal soll auch „Ulm für dich“ nach der Corona-Krise im Netz bestehen bleiben – und zwar als Marketing-Plattform. „Wir hoffen, dass sich die Homepage etabliert und auch in Zukunft als Überblickseite genutzt wird“, erklärt Brückner. Vor diesem Hintergrund seien auch Kooperationen mit dem Verein „Ulmer Citymarketing“ denkbar.

Helfer und Hilfesuchende finden zusammen


Auch bei der Nachbarschaftshilfe sind in Corona-Zeiten Online-­Konzepte gefragt. Der Student Hannes Metzger hat eine Webseite erstellt, auf der Helfer und Hilfesuchende zusammenfinden. „Es gibt in der Umgebung Menschen, die fremde Unterstützung benötigen, etwa beim Einkaufen. Gleichzeitig wollen viele Personen helfen, wissen aber nicht, wo. Das Problem wollte ich lösen“, so Metzger. Die Seite heißt ulmhilft.com