Forum „Wir müssen Flagge für Europa zeigen“

Richard Weber: „Wir müssen ein Zeichen für Europa setzen.“
Richard Weber: „Wir müssen ein Zeichen für Europa setzen.“ © Foto: Privat
Ulm / Miriam Baitinger 21.09.2017

Die Verhandlungen um den Brexit stehen nach dem 20-Milliarden-Angebot von Theresa May plötzlich wieder ganz oben auf der Agenda. Vor diesem Hintergrund schien das Regionalforum Wirtschaft in der IHK diese Woche besonders passend, Thema: „Europa vor dem Brexit“.

Das Forum wird als Gemeinschaftsinitiative der Ulmer und Neu-Ulmer Wirtschaftskammern und -verbände in regelmäßigen Abständen organisiert. Diesmal informiert Dr. Richard Weber, seit mehr als 20 Jahren Vorsitzender der saarländischen IHK, Chef der Karlsberg-Brauerei und Präsident bei Eurochambres – dem Dachverband der europäischen Industrie- und Handelskammern – über die aktuelle Lage in Europa.

Weber, der noch im Kriegsjahr 1944 im Saarland geboren wurde, hat in der Grenzregion die deutsch-französische Geschichte am eigenen Leib miterlebt, hatte mal den deutschen, mal den französischen Pass. Nicht zuletzt deshalb ist er, wie er selbst sagt, seit seiner frühen Jugend ein „flammender Europäer“.

Wichtig für den Wohlstand

Insbesondere betonte er immer wieder die große Bedeutung Europas für die freie Wirtschaft – mit Zollfreiheit, Binnenmarkt und Know-how-Transfer. All das sei entscheidend für den Wohlstand in Deutschland. „Europa ist eine Erfolgsgeschichte, von der wir alle profitieren, die wir aber oft zu wenig wertschätzen.“

Europa müsse sich dennoch Gedanken darüber machen, wo die Reise hingeht. „Soll alles so bleiben wie bisher? Das scheint keine Lösung zu sein“, sagte Weber. Denn Europa stehe vor großen Herausforderungen wie der Digitalisierung, der Jugendarbeitslosigkeit, der Flüchtlingsproblematik und dem Aufkommen des Nationalismus.

Gerade wegen  erstarkender nationalistischer Parteien „müssen wir Flagge zeigen für Europa – heute mehr denn je“, appellierte er an die rund 100 Repräsentanten der regionalen Wirtschaft im Ludwig-Erhard-Saal der Kammer: „Es liegt an uns, ein Zeichen für Europa zu setzten in den Unternehmen, bei den Mitarbeitern und im Bekanntenkreis.“

Eine aktuelle Herausforderung ist der Brexit: „Die Verhandlungen treten auf der Stelle, es gibt keine Fortschritte“, sagte Weber. Wenn sich die EU und London nicht einig werden, seien es die Firmen, die durch Zölle und Fachkräftemangel am meisten leiden. Dazu kommt, dass Großbritannien ein wichtiger Absatzmarkt für Waren und Dienstleistungen ist. Am Ende könne der Brexit nur im Schulterschluss mit den Briten bewältigt werden.

An den Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussionsrunde an. Eine Zuhörerin wollte wissen, wie ein optimales Ergebnis für den Brexit aussehen könnte. Für Weber ist eine ähnliche Kooperation wie mit den Nicht-EU-Ländern Schweiz und Norwegen vorstellbar. Er ist sicher: Großbritannien wird sich damit anfreunden.