"Wir müssen die Ohren offener haben"

Spielt bei German Brass die Tuba: Stefan Ambrosius. Foto: Steven Haberlander
Spielt bei German Brass die Tuba: Stefan Ambrosius. Foto: Steven Haberlander
HELMUT PUSCH 24.10.2013
Es gehört zu den erfolgreichsten Brass-Ensembles: An Allerheiligen gastiert German Brass in Ulm. Ein Interview mit dem Tubisten Stefan Ambrosius.

Wie kommt man als klassisch ausgebildeter Orchestermusiker zu einem Brass-Ensemble?

STEFAN AMBROSIUS: Also da gab es kein Vorspiel, wie das sonst bei Orchestern üblich ist. Als mein Vorgänger Walter Hilgers an der Tuba aufhören wollte, empfahl mich der Bassposaunist Uwe Füssel. Der kannte mich wiederum vom Orchester der Bayerischen Staatsoper, wo wir beide spielen. Ich machte ein paar Konzerte als Aushilfe mit, und dann kam 2006 der Anruf, was ich denn 2007 so vorhätte - es stünden 60 Konzerte mit German Brass an. Seitdem bin ich dabei.

Was ist der Unterschied zwischen einem Orchester und einer Truppe wie German Brass?

AMBROSIUS: Da gibt es keinen Dirigenten, der einem die Einsätze zeigt: Wir müssen sehr viel konzentrierter aufeinander hören, schneller reagieren, schlicht die Ohren offener haben. Wir sind zehn Bläser und ein Schlagzeuger. Da ist schon fast die Grenze erreicht, das alles ohne Dirigenten zu machen. Aber das ist auch eine schöne Herausforderung. Und in einem solchen Kammermusik-Ensemble ist jeder auch solistisch gefordert.

Kommen wir zu Ihrem Instrument, der Tuba. Die ist ja im Orchester eher seltener gefordert. Wie ist das bei German Brass?

AMBROSIUS: Lassen Sie das mal nicht meinen Arbeitgeber in München hören. Nein, Spaß beiseite: Im Orchester gibt es die Kontrabässe, die den Löwenanteil der Bassarbeit machen, die Tuba ist oft eher spärlich besetzt - außer vielleicht in Wagners "Ring", da hat die Tuba viel zu tun. Aber jeder Effekt-Einsatz muss passen. Bei German Brass bin ich das Bassfundament, muss also auch all das übernehmen, was die Bässe im Orchester spielen. Das heißt: Ich bin dauernd im Einsatz.

German Brass spielt ja auch Unterhaltungsmusik. Geht das als Klassiker so einfach?

AMBROSIUS: Natürlich nicht. Das haben wir ja auch nicht gelernt. Aber mit unserem Schlagzeuger Herbert Wachter haben wir einen Musiker dabei, der da große Erfahrung hat, und auch unser Trompeter Uwe Köller hat viel Big-Band-Erfahrung.

Apropos Konzerte: Was erwartet die Zuhörer auf der anstehenden Tournee - das Programm des aktuellen und hochgelobten Albums "Celebrating Wagner"?

AMBROSIUS: Nein. Das Jahr 2013 ist ein besonders gutes Jahr für uns. Wir haben im Sommer eine neue CD "Fantastic Moments" eingespielt, die jetzt zur Tournee herauskommt. Und darauf spielen wir eine Mischung aus Klassik wie die Ouvertüre des "Barbiers von Sevilla" und eine Kirchensonate Mozarts, aber auch Jazzstandards wie den "Trumpet Blues" von Harry James oder "Anything Goes" von Cole Porter.

Info German Brass gastiert am Freitag, 1. November, 20 Uhr, in der Ulmer Pauluskirche.