Kultur "Von Angesicht zu Angesicht": Norbert Riggenmanns Porträtkunst

Norbert Riggenmann im Weißenhorner Neuffenschloss: einmal als inszeniertes Selbstporträt und einmal im Original.
Norbert Riggenmann im Weißenhorner Neuffenschloss: einmal als inszeniertes Selbstporträt und einmal im Original. © Foto: Helmut Pusch
HELMUT PUSCH 15.07.2016
Etwas andere Porträts Norbert Riggenmanns sind derzeit im Neuffenschloss und im Heimatmuseum Weißenhorn zu sehen: "Von Angesicht zu Angesicht".

Weißenhorn hat einen neuen Ausstellungsort: das Treppenhaus des sanierten Neuffenschlosses, in dem jetzt die Stadtverwaltung residiert. Das klingt wesentlich bescheidener als es tatsächlich ist, denn dieses Treppenhaus ist großzügig, weitläufig und erstaunlich hell. Kurz: Es eignet sich bestens für die Präsentation von Kunst. Und so hat Matthias Kunze, der Leiter des Weißenhorner Heimatmuseums, eine neue Ausstellungsreihe ins Leben gerufen: „Moderne im Schloss“ heißt sie und will zwei Mal im Jahr in diesem Bau aus dem 15. Jahrhundert Gegenwartskunst zeigen. Den Auftakt macht der Weißenhorner Künstler Norbert Riggenmann – mit Porträts.

Von „Angesicht zu Angesicht“ heißt die Schau, die eigentlich eine Trippelausstellung ist. Im Neuffenschloss sind es Gemälde, meist Selbstporträts Riggenmanns, im Heimatmuseum hat Kurator Matthias Kunze Porträtstudien des Künstlers 200 Jahre alten Porträtminiaturen gegenübergestellt.

Die Gemälde im Neuffenschloss erinnern an Johannes Grützkes „Neue Prächtigkeit“, zeigen zwar auch Fremde, aber vor allem den Künstler selbst in immer neuem Kontext: mal als Dirigent samt Stab, mal als lederbehostes Heimatklischee samt erlegtem Hirsch oder in „Die unerträgliche Leichtigkeit der Malerei“ als schwerelos Schwebenden im fleckigen Malerkittel. Das ist meisterlich gestalteter, selbstironisch inszenierter, satirischer Realismus. Das ist gemaltes Theater, das bewusst auch mit literarischen Zitaten spielt, was aber just auf die Serie „Schlafes Bruder“ nicht zutrifft. Die zitiert nicht Robert Schneiders gleichnamigen Bestseller, sondern bezieht sich auf die griechische Mythologie, in der Thanatos, der Gott des Todes, der Bruder von Hypnos, dem Gott des Schlafes ist. Riggenmann zeigt in dieser Serie Porträts, die wie Totenmasken wirken.

Ganz anders die Ausstellung im Heimatmuseum. Auch dort ist meisterlich Gemaltes zu sehen – en miniature von solch namhaften Künstlern wie Richard Cosway. Höchst qualitätsvolle Miniaturen aus einer Bad Kreuznacher Sammlung, die versteigert werden soll, die Kunze, der auch das Berliner Auktionshaus Bassenge in Süddeutschland vertritt, aber vorher im Heimatmuseum zeigen kann. Und diese meisterhaften Porträts konterkariert Kunze mit Serien Riggenmanns, die zwar mit dem Sujet des Porträts spielen, aber vor allem Studien sind, verschiedene Techniken im immer gleichen Format erforschen und einen Blick darauf werfen, wie akribisch Riggenmann arbeitet, ohne seinen Humor zu verlieren.

So hat Riggenmann in zwei Serien nachempfunden, wie Kunst am Fließband entsteht. „In China gibt es solche Kunstfließbänder. Der Einzelne macht nur die immer wieder gleichen paar Striche auf dem Bild“, erklärt Riggenmann.  Daraus hat der Weißenhorner den Selbstversuch „Rundlaufkunst“ gemacht. In einer Serie jeweils hintereinander die gleiche Striche auf diversen Porträts gemacht – mit verblüffend unterschiedlichen Ergebnissen. Das ist ebenso witzig und hintersinnig wie diese gesamte Ausstellung an zwei Orten.

Info Die Ausstellung „Von Angesicht zu Angesicht“ ist bis 4. September zu sehen. Die Öffnungszeiten im Neuffenschloss: Sa, So 14-17 Uhr und zu den Öffnungszeiten  der Stadtverwaltung; im Heimatmuseum Do-So 14-17 Uhr. Am Donnerstag, 21. Juli, 19 Uhr, gibt es im Neuffenschloss ein Künstlergespräch mit Norbert Riggenmann.

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