"Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, und die Erde war ohne Form und leer." Es mag wenige Sätze geben, die so berühmt sind wie der Beginn der Schöpfungsgeschichte nach dem Buch Genesis. Joseph Haydn machte daraus sein Oratorium für Soli, Chor und Orchester. In der vollen Petruskirche waren die Zuhörer Zeuge eines Hörerlebnisses allererster Güte.

Mit seinem sehr weltlichen Oratorium erweckte Haydn wahrhaftig das Kreatürliche der Schöpfung musikalisch zum Leben. Seine Komposition quillt über vor Lebensfreude und Achtung vor dem schöpferischen Akt.

Aufs Höchste mitreißend holte das Ansbacher Kammerorchester, die Kantorei Leipheim und der Petrus-Chor Neu-Ulm unter der Leitung von Oliver Scheffels das Schöpfungs-Werk in die Gegenwart. Auch die Solisten meisterten ihre Gesangspartien mit Bravour. Und dabei mussten in letzter Minute aufgrund von Erkrankungen Markus Zingler als Tenor und Eric Fergusson als Bass einspringen. Den Sopran sang Andrea Chudak.

Alle drei wuchsen über sich hinaus, schließlich verlangt Haydn den Sängern durch seine Absicht, mit der Musik den Text zu charakterisieren, einiges ab. Er untermalt die Eigenschaften der Tierarten musikalisch so lebendig, dass man das Blut pulsieren sieht. Und so musste Eric Fergusson in Zeilen wie "In langen Zügen kriecht am Boden das Gewürm" mit seinem Bass so tief wie möglich gehen.

Dass das Werk heute noch derart unter die Haut geht, mag zum einen daran liegen, dass viele der Arien wie erweiterte Lieder wirken. Zum anderen greift der berühmte Anfang des Werkes weit in die Romantik voraus. Kein Wunder, ist es Haydn doch gelungen, das der Schöpfung vorausgehende Chaos in einer bis dato noch nie gehörten Modernität ins Werk zu setzen, mit Mitteln, die heute noch Staunen machen. Ein Fakt, der dem Hörer die Lesart dieses Werks erleichtert und es bis zum letzten Takt hochaktuell erhält. "Wir preisen dich in Ewigkeit - Amen!" sang der kraftvolle Chor zum Schluss in der Petruskirche, deren Akustik sich bei dieser Aufführung als geradezu ideal erwies. Donnernder Applaus, Standing Ovations und: Es sprach aus der Musik, dass es gut war!