Mesale Tolu Fest für Helfer: „Vielfalt der Hilfe war wichtig“

Einer der Höhepunkte des Helferabends gestern im Kornhaus: Im Auftrag des österreichischen Journalistenclubs überreichte Prof. Fred Turnheim einen Solidaritätspreis an Mesale Tolu und die nach wie vor in der Türkei inhaftierten Redakteure.
Einer der Höhepunkte des Helferabends gestern im Kornhaus: Im Auftrag des österreichischen Journalistenclubs überreichte Prof. Fred Turnheim einen Solidaritätspreis an Mesale Tolu und die nach wie vor in der Türkei inhaftierten Redakteure. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Frank König 06.10.2018
Mesale Tolu bedankt sich nach der Freilassung bei ihren Ulmer Helfern. Sie will sich weiter für demokratische Ideale einsetzen.

Mit einem bewegenden Abend im Kornhaus hat sich die aus türkischer Gefangenschaft freigelassene Journalistin Mesale Tolu bei ihrem Ulmer Helferkreis bedankt. Sowohl die Demonstrationen als auch die persönlichen Briefe hätten ihr die Kraft gegeben, mit ihrem Sohn Serkan das Gefängnis durchzustehen: „Es war diese Vielfalt,“ sagte die Ulmerin, die ihr Abitur am Anna-Essinger-Gymnasium gemacht hat.

Dieser Kontakt zur Außenwelt während der Haft in Istanbul hat der 34-Jährigen klargemacht: „Solange die Gedanken frei sind, sind die Menschen frei, auch im Gefängnis.“ Aus Sicht Mesale Tolus war nicht zuletzt die politische Unterstützung aus den Rathäusern in Ulm und Neu-Ulm sowie quer durch alle Fraktionen wichtig – außerdem der engagierte Einsatz des deutschen Botschafters in Ankara, Martin Erdmann, und seiner Frau. Zum Ende des offiziellen Teils überreichte sie Rosen an die Mitglieder des Helferkreises. Es waren annähernd 200 Besucher ins Kornhaus gekommen.

Publizistikpreis für Tolu

Vor Tolus Abschlussrede hatte ihr Prof. Fred Turnheim den schon 2017 verliehenen Dr. Karl Renner-Publizistikpreis des österreichischen Journalistenclubs eigenhändig überreicht. Der Solidaritätspreis gilt auch den anderen unter fadenscheinigen Gründen verhafteten Journalisten in der Türkei. Turnheim nannte Tolu „die wichtigste Widersacherin des türkischen Sultans“.

Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Heike Hänsel, die als Prozessbeobachterin in Istanbul war, berichtete von konstruierten Anklagen unter einer politischen Justiz in der Türkei Erdogans. Sie ließ es offen, ob Mesale Tolu tatsächlich zur Fortsetzung ihres Prozesses am 16. Oktober in den Gerichtssaal in Istanbul zurückkehrt und damit ein erneutes Risiko eingeht. Ihr Mann Suat Corlu befindet sich noch in Haft.

Aus Sicht Hänsels hatte die über Monate anhaltende Solidarität in Ulm einen wesentlichen Anteil an der vorläufigen Freilassung und schließlichen Ausreise Tolus aus der Türkei Ende August.

Selbstverständlicher Einsatz

Zahlreiche weitere Redner wie auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis oder CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Kienle zeigten Respekt vor dem beherzten Einsatz von Mesale Tolu für eine freiheitliche Gesellschaft und vor allem für die Pressefreiheit, die untrennbar mit der Demokratie verbunden sei: „ohne Furcht, ohne wankelmütig zu werden“, betonte Kienle.

Vh-Chefin Dagmar Engels schilderte bei dem von Cengiz Dogan und Tolus früherer Anna-Essinger-Lehrerin Angelika Lanninger moderierten Abend auch die Anfeindungen wegen des Türkei-Schwerpunkts im neuen Programm (wir berichteten). Mesale Tolu versicherte, sich weiter für ihre inhaftierten Kollegen einzusetzen. Dieses Engagement sei für sie selbstverständlich, auch an der Schule in Ulm habe sie ein Faible für politische Diskussionen  gehabt: „Ich war schon immer so.“

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