Der jüngste Fall ist gerade noch mal gut gegangen: Die Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS) wollte auf eigenem Grund am Hochsträß 20 Bäume fällen, von denen einige sogar in einem ausgewiesenen Biotop stehen. Die Untere Naturschutzbehörde bekam Wind davon und prüfte das angebliche Gutachten. „Das uns vorgelegte Gutachten war das Papier nicht wert, auf dem es stand“, sagt Stefan Miltz, Leiter der städtischen Abteilung Umweltrecht. Die Behörde beauftragte einen neutralen Gutachter und konnte 16 Bäume retten. Miltz: „Wir empfehlen der UWS für die Zukunft eine sensiblere Vorgehensweise.“

Das wünschen sich auch Birgit Schäfer-Oelmayer (Grüne), Sabine Schuler (CDU) und Brigitte Dahlbender (SPD) im Namen ihrer Fraktionen. In dem Antrag an OB Gunter Czisch fordern sie die Einführung eines Baum-Managements bei der UWS.

Hintergrund ist, dass diese in der Vergangenheit „durch unsensiblen Umgang mit ihren Bäumen immer wieder berechtigt in negative Schlagzeilen und öffentliche Kritik geraten ist“, heißt es. So sei bereits 2014 bei der Sanierung von mehreren Wohnanlagen im Schöner-Berg-Weg in Böfingen eine Vielzahl von Bäumen „radikal und undifferenziert“ gefällt worden.

Ende 2017 schwappte die Welle der Empörung am Michelsberg hoch, als die UWS vor den Häusern Eythstraße ähnlich rigoros vorging (wir berichteten). Und unlängst wurde für die Sanierung der Wohnanlage Egertweg 6 in Böfingen „wieder ohne bauliche Erfordernis der komplette Baumbestand der Außenanlage abgeholzt“, heißt es im Antrag. Vermutet wird, „dass bei der UWS fehlender Fachverstand oder System hinter dem Vorgehen steckt“.

Da Czisch zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der UWS ist, fragen die Stadträtinnen:

  • Wurden die Fällungen von der städtischen Abteilung Stadtentwicklung, Umwelt und Bau  genehmigt?
  • In welchem Umfang werden die erfolgten Fällungen durch Neupflanzungen kompensiert?
  • Gilt die städtische Dienstanweisung zum Schutz von Bäumen auch für die UWS?

Dazu sagte Christian Giers, der Leiter der Abteilung Grünflächen, auf Anfrage: „Wir erteilen keine Genehmigung, das macht die Untere Naturschutzbehörde.“ Und die Dienstvorschrift für den Umgang  mit Bäumen auf kommunalen Flächen gelte nur für Abteilungen und Eigenbetriebe der Stadt. Die UWS hingegen ist eine selbstständige GmbH.

Dennoch würden Bürger aus UWS-Wohnungen immer wieder bei der Stadt anrufen, wenn bei ihnen Bäume gefällt werden. Dann schickt Giers den Kollegen des jeweiligen „Reviers“ dorthin, um zu überprüfen, ob der Baum auf städtischem Grund steht.

Die drei Unterzeichnerinnen erinnern daran, dass Ulm vor drei Jahren dem Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ beigetreten ist. Das Handeln der UWS konterkariere die sonstigen Bemühungen der Stadt zur Verbesserung der Artenvielfalt. Deshalb solle bei der UWS „baldmöglichst ein professionelles Baum-Management“ eingeführt werden:

  • Die UWS stellt fachlich qualifiziertes Personal ein und/oder holt sich alternativ den fehlenden Sachverstand von außen.
  • Die UWS dokumentiert ihren Baumbestand entsprechend der Baumkontrollrichtlinie.
  • Die Wohnbaugesellschaft legt vor jeder Sanierung die qualifizierte Planung eines Landschaftsarchitekten vor.
  • Die UWS darf bis zur Ausführung des Baum-Managements keinen Baum mehr fällen, es sei denn, es ist nachweislich die Verkehrssicherheit gefährdet.

Was sagt UWS-Geschäftsführer Frank Pinsler zu dem Antrag? Nur so viel: Am Michelsberg sei die „Verkrautung“ beseitigt worden, was jetzt im Winter halt noch „schwierig“ aussehe. Aber es werde wieder eine gepflegte Außenanlage hergestellt. Die besagte Dienstanweisung der Stadt gelte nicht für die UWS. „Bei uns gibt es eine interne Regelung.“

Wie diese im Detail aussieht und ob die Wohnungsgesellschaft ein eigenes Baum-Management einführen wird, dahingehend möchte Pinsler erst den Antragstellern und dem OB „ausführlich antworten“, bevor er damit an die Öffentlichkeit geht.

Städtische Dienstanweisung zum Baumschutz


Dokumentation Der Schutzbereich eines Baumes ist definiert durch die Krone zuzüglich 1,5 Meter sowie die Fläche unter der Krone plus 1,5 Meter. Für alle Vorhaben muss der „Vorhabensträger“ Lage, Kronendurchmesser und Höhe des Wurzelhalses dokumentieren und der Abteilung Grünflächen vorlegen.

Kontrolle Diese ist beauftragt, die festgesetzten Auflagen zu kontrollieren. Wird ohne Zustimmung oder bloß abweichend von einer Zustimmung beispielsweise doch gefällt oder gerodet, kann die Stadt auf ihrem eigenen Grund die sofortige Einstellung der Baumaßnahme anordnen, heißt es in der Dienstanweisung zum Schutz von Bäumen.