Essen "Ulm isst gut": Erzeuger stellen regionale Produkte vor

Nudel- und Rote-Bete-Salat. Den und weitere Köstlichkeiten gab es beim Aktionstag "Ulm isst gut".
Nudel- und Rote-Bete-Salat. Den und weitere Köstlichkeiten gab es beim Aktionstag "Ulm isst gut". © Foto: Oliver Schulz
Ulm / CAROLIN STÜWE 28.09.2013
Der erste Aktionstag "Ulm isst gut": Die Erzeuger konnten regionale Produkte vorstellen, den Besuchern hat's geschmeckt.

Die Sojabratwurst von „Bio-Spitzenkoch“ Christopher Hinze aus Stuttgart war eine Stunde gekocht worden, damit sich die Gewürze und die frischen Kräuter wie Majoran und glatte Petersilie voll entfalten konnten. Als auch noch das Pfannengemüse gegart war, standen die Besucher Schlange für diese vegane Kostprobe beim Aktionstag „Ulm isst gut“ auf dem Südlichen Münsterplatz. Danach konnte jeder weiternaschen: etwa vom Erdbeer- oder Bananen-Smoothie des Ernährungswissenschaftlichen Gymnasiums der Valckenburgschule Ulm, vom Obstsalat der Eselsberg-Kindertagesstätte Knopfschachtel und vom Mousse au Chocolat der Weißenhorner Milchmanufaktur.

Die insgesamt gut zwei Dutzend Erzeuger regionaler Produkte und entsprechende Organisationen, die auf dem Südlichen Münsterplatz ihre Stände aufgestellt hatten, waren von der Lokalen Agenda Ulm und Stadträtin Birgit Schäfer-Oelmayer zur Teilnahme aufgerufen worden. „Es hätten gerne noch mehr mitgemacht“, sagt die Grünen-Stadträtin. Sie habe sich deshalb so für den Aktionstag eingesetzt, weil eine ihrer Töchter Fleisch ablehnt, „und es zu Hause immer wieder Diskussionen gibt etwa über Massentierhaltung“.

Wie hoch ist der durchschnittliche Fleischkonsum eines Deutschen pro Jahr? Er isst 89 Kilogramm Fleisch, hat die Gruppe Greenpeace Ulm recherchiert. So viel Fleisch verspeist die Ulmerin Johanna Kral (75 Jahre) schon lange nicht mehr. Seit ihrem Herzinfarkt versuche sie, sich „vernünftig zu ernähren“. Sie schaut im Supermarkt in Lehr auch nach Bioprodukten und isst gerne Käse. Bekommt sie dann doch mal Lust auf Fleisch, kauft sie „ein gescheites“ vom Biometzger. Eier holt Johanna Kral von einem Junginger Bauernhof, wo die Hühner frei laufen dürfen.

Regionale Produkte auf kurzem Weg an den Verbraucher bringen, das ist bereits seit 1995 die Devise des Ulmer Bauernmarktes, der seitdem in den Ulmer Wochenmarkt integriert ist. „Nicht Bio ist der Renner, sondern die Kunden fragen mehr und mehr nach Produkten regionaler Herkunft“, sagt Bauernmarktsprecher Wolfgang Gölz aus Ehingen. Er hatte gestern Mittag Dienst am Infostand des Wochenmarktes vor einem hübsch geschmückten Kürbis-Erntewagen.

Rede und Antwort gestanden hatte dort zuvor seine Marktkollegin Katja Bihlmaier vom Bioland-Ugenhof in Herbrechtingen im Kreis Heidenheim. Die Rinder und Schweine, die dort artgerecht heranwachsen, werden von einem Biolandmetzger verarbeitet. Die Produkte bietet Katja Bihlmaier seit zwei Jahren auch auf dem Ulmer Wochenmarkt an. „Aber erst seit einem Jahr bin ich zufrieden mit der Nachfrage“, zieht sie Bilanz. Das neue Angebot musste sich erst herumsprechen.

Wer gestern im Schatten des Münsters genug gekostet hatte, konnte im Hof des Hauses der Begegnung sogar noch satt werden: Die Organisation Slow Food, der Inbegriff für genussvolles und regionales Essen, kochte in einer Feldküche Alblinsen-Grünkern-Risotto und Ragout vom Ostalblamm. Nebenan bot Linus Lefrank von der Lachsräucherei im Donautal geräucherte Quellwasserforellen aus einer Fischzucht bei Lauingen an. Zu trinken gab es Säfte von Streuobstwiesenäpfeln – von der guten Vorjahresernte. Denn dieses Jahr sieht es schlecht aus mit regionalen Äpfeln. Das Frühjahr war zu nass und zu kalt. Trotzdem verteilte die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft grüne kleine Äpfel und Birnen mit Schorfstellen, das Markenzeichen von unbehandeltem gesundem Obst.

Das Haus der Begegnung hatte den Aktionstag unter das Motto „Nahrung für Leib und Seele“ gestellt. Zum Programm in der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche gehörten Dokumentarfilme wie „We feed the world“, ein Taizéliedersingen sowie die Lesung mit Anita Idel „Die Kuh ist kein Klimakiller“.

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