Ulm "Trotzdem" organisiert Touren für Leute mit und ohne Handicap

Ulm / CHIRIN KOLB 19.04.2016
Sich bewegen und mit anderen ins Gespräch kommen - das will der Verein Trotzdem mit Wanderungen bieten. Nicht nur für Demenzkranke.

Eines ist Sabine Mayer-Dölle ganz wichtig: "Wir sind keine Demenz-Wandergruppe!" Auch wenn der Verein Trotzdem, dessen Vorsitzende die frühere Ulmer Sozialbürgermeisterin ist, mit seinen Wanderungen gerade Menschen mit Demenz ansprechen will. Denn sie sind die Hauptzielgruppe des Vereins, der sich "für ein Leben in Würde trotz Demenz" einsetzt.

Bei den Wanderungen in und um Ulm sollen sich Menschen begegnen: Gesunde und welche mit Handicap, Demente und Angehörige - "einfach Leute, die Gemeinschaft suchen und sich in der Natur bewegen möchten", sagt Mayer-Dölle. Gerade Angehörige seien froh, sich zwanglos mit anderen austauschen zu können. Begleitet werden die Touren immer von Wanderführern.

Sabine Mayer-Dölle und ihr Ehemann sind zwei davon. Sie beide haben sich beim Schwäbischen Albverein ausbilden lassen. "Wir dürfen jetzt europaweit Wanderungen führen bis 2000 Meter Höhe", sagt Mayer-Dölle lachend. Bei den sechs bis acht Kilometer langen Trotzdem-Wanderungen ist das natürlich nicht nötig. Doch die Ausbildung habe einfach Spaß gemacht.

Der Verein bietet die monatlichen Wanderungen seit einem Jahr an. Gefördert werden sie vom Bundesfamilienministerium im Rahmen des Programms "Lokale Allianz für Menschen mit Demenz". Der Verein hatte sich mit den Wanderungen und einem kunsttherapeutischen Projekt um die Förderung beworben und den Zuschlag bekommen. Im September endet die Projektförderung, doch das Angebot wird weiterbestehen, sagt Mayer-Dölle. Sie freut sich, dass der Verein die Wanderungen aus eigenen Mitteln fortsetzen kann.

Das ist dank Spenden möglich, die der Verein Trotzdem erhält. Er ist gut vernetzt in der Ulmer und Neu-Ulmer Stadtgesellschaft, was sich schon am Vorstand zeigt. Neben der früheren Sozialbürgermeisterin Sabine Mayer-Dölle gehören ihm Gabriele Wurst, die ehemalige Präsidentin des Sozialgerichts, und Ilka Dangel als Schatzmeisterin an.

Für Mayer-Dölle ist der Verein eine Herzensangelegenheit. Ihre mittlerweile verstorbene Mutter ist im Alter von 60 Jahren an Demenz erkrankt. Zusammen mit anderen gründete die Tochter eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz, in der ihre Mutter ihre letzten Lebensjahre verbrachte.

Der Verein Trotzdem will demenzkranken Menschen und ihren Angehörigen Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen, so gut und so lange es im Einzelfall eben geht. "Eine Demenzdiagnose darf nicht zum Ausschlusskriterium in unserer Gesellschaft werden." Die Erkrankten sollen nicht ausgegrenzt werden - und zum Beispiel bei den Wanderungen Kontakt zu Nicht-Erkrankten haben.

Info Die nächste Wanderung findet am Mittwoch, 27. April, statt. Treffpunkt ist um 11 Uhr vor der Basilika im Klosterhof Wiblingen. Weitere Informationen bei Sabine Mayer-Dölle, E-Mail info@trotzdem-ulm.de

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