Um „Sportopia“ ist es still geworden. Aber die Ruhe täuscht, es könnte die Ruhe vor dem Sturm sein. Denn hinter den Kulissen der Stadtpolitik wird leidenschaftlich über das ehrgeizige Millionenprojekt der TSG Söflingen debattiert. Soll die Stadt per Beschluss rund 80 Prozent des 8,7-Millionen-Euro-Neubaus an der Harthauser Straße finanzieren? Hat der Verein seriös gerechnet? Soll die Stadt als Darlehensgeber einspringen? Das sind die Kernpunkte der Diskussion.

Nach dem Votum des Sportausschusses, der in den Abendstunden des 8. März nach langer und zeitweise aufgewühlter Aussprache sein Ja zu den Plänen der TSG und ihres Vorsitzenden Walter Feucht einstimmig zurückgestellt hatte, gibt es jetzt eine neue Zeitplanung. Daran hat offenbar auch ein Treffen des Ältestenrates mit OB Gunter Czisch Anteil, welches nach Informationen der SÜDWEST PRESSE am Montag stattgefunden hat.

Wie Bürgermeisterin Iris Mann am Dienstag bestätigte, wird der Sportausschuss am 26. April, also nach den Osterferien, erneut tagen. Diesmal allerdings „in nicht-öffentlicher Sitzung“, weil nach den Worten der Bürgermeisterin sehr detaillierte Belange der Personalplanung betroffen seien. Sollten sich die Ausschussmitglieder diesmal einig sein, würde die „Sportopia“-Abstimmung auf die Tagesordnung des Gemeinderates für die Sitzung am 10. Mai wandern.

Allerdings könnte dieser Zeitplan zu ehrgeizig sein. Denn zuvor wollen die Fraktionen ausführlich beraten. Noch ist nicht geklärt, ob sie das einzeln oder in einer Arbeitsgruppe machen. Bürgermeisterin Mann: „Da sind wir derzeit noch in der Terminabstimmung“. Der TSG-Vorsitzende Feucht will nach der „sehr emotionalen“ Sitzung Ruhe in das Thema bringen. Sein Angebot, das er den Fraktionen mit Brief vom Montag gemacht hat: „Wir bitten Sie deshalb höflich um ein Gespräch, in dem wir gerne nochmals die großen Möglichkeiten des Sportopias für die Stadt Ulm und die TSG Söflingen in voller Offenheit erläutern wollen.“

Feucht versichert, dass die TSG „selbstverständlich und vorbildlich jede finanzielle Verpflichtung punktgenau“ erfüllen könne. Ratsmitglieder zeigten sich dennoch mit Passagen des Briefes unzufrieden, in dem Feucht jegliche „Hinterzimmer-Politik“ abstreitet. Ein Ratsherr zur SWP: „Es ist nicht klar, ob hier wirklich Einsicht herrscht.“

Oberbürgermeister Gunter Czisch betonte erneut, dass alle Vereine in Ulm gleich behandelt werden sollten: „Das ist das Prinzip der Sportförderrichtlinien und in diesem Fall für die wenigen großen Projekte, die die Vereine selbst stemmen wollen.“ Deshalb habe „Sportopia“ Modellcharakter, „die Diskussion zu diesem Projekt ist in Wirklichkeit eine Diskussion über alle Projekte, die einen ähnlichen Umfang haben.“

Auch wenn etwa die Basketballer von Ratiopharm Ulm an ihrem Zeitplan für den Orange-Campus festhalten wollen (siehe Info-Kasten), soll die Prüfung der „Sportopia“-Wirtschaftlichkeit sehr gründlich vorgenommen werden. Bürgermeisterin Mann: „Ich möchte mich nicht hetzen lassen, wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen.“

Der Orange Campus der Ulmer Basketballer

Nachwuchszentrum Die Debatte um „Sportopia“ läuft noch, da steht die Entscheidung über das nächste Millionenprojekt an. Die Ratiopharm-Basketballer planen am Donauufer ein Areal mit drei Trainingshallen, Beachvolleyball-Feldern, Basketball-Freiplatz, Spielplatz und einem Fitnesscenter. 15 Millionen Euro soll das Vorzeigeprojekt kosten, die Stadt Ulm soll die Hälfte übernehmen. „Wir sollten jedes Projekt einzeln betrachten“, wirbt Andreas Oettel, Geschäftsführer der Ulmer Basketballer. Die Sportförderrichtlinien seien beschlossen, „das ist rechtskräftig.“ Oettel hofft, dass das Thema am 10. Mai im Rat behandelt wird: „Unser Antrag ist in der Finalisierung.“