Filmfestival „Sister’s Wild Cinema“: Zauberhaft mit Zwischenfall

In der Steingasse gab es Britta Thies’ eineinhalbminütige Miniatur „Shooting“ zu sehen.
In der Steingasse gab es Britta Thies’ eineinhalbminütige Miniatur „Shooting“ zu sehen. © Foto: Martina Dach
Zwei Leiterwägelchen / Christina Kirsch 08.09.2018

Zwei Leiterwägelchen. Einer ist mit einem Beamer, der zweite mit einem Generator bestückt. Der Anfang eines Frauenfilmfestivals. Wie jedem Anfang wohnt so einem Projekt  zwar ein gewisser Zauber inne, aber zum Zauber gesellen sich gerne handfeste Anfangsschwierigkeiten. So auch bei dieser Premiere.

Petra Schmitt von der Ulmer Kunstbar „Stiege“ hat zusammen mit der Architektin Ricarda Hartmann und der Filmemacherin Anna Mönnich ein Kurzfilmfestival ins Leben gerufen, das auch heute Abend die Stadt erobern wird. An verschiedenen Plätzen werden Kurzfilme von minimal eineinhalb Minuten bis maximal 28 Minuten gezeigt.

Dafür haben sich die Initiatorinnen Hauswände oder Unterführungen ausgewählt, die sich als Projektionsfläche eignen. Dass der Generator irgendwann den Geist aufgibt, ein Regenschauer die Technik  gefährdet, und die Anwohner „Auf dem Kreuz“ um vier Minuten nach 22 Uhr im Schlafanzug ihr Recht auf Nachtruhe einfordern – das konnte man im Vorfeld nicht ahnen.

Erster Stopp Steingasse

Also zuckelten rund 40 Personen kurz nach 20 Uhr vom Treffpunkt „Stiege“ wohlgemut den Leiterwägelchen hinterher und legten  an einem Sonnenstudio in der Steingasse einen ersten Stopp ein. „Rund 100 Prozent der männlichen Absolventen der Filmakademien arbeiten nach dem Abschluss des Studiums, über 50 Prozent der Absolventinnen verschwinden“, umriss Anna Mönnich die prekäre Lage der Frauen in der Filmbranche. Von der quasi überlebenden Hälfte reichten 28 Frauen bei den Ulmer Festival­initiatorinnen ihre Werke ein.

Am Sonnenstudio sah man Britta Thies’ eineinhalbminütige Miniatur „Shooting“, in der die Filmemacherin selbst als Model auftritt und die stakkatoartigen, harschen Anweisungen für ein Shooting befolgt. „Mund aufwerfen, arroganter leiden und knochiger“, lauteten die Regieanweisungen, über die sich das Publikum amüsierte. In der Theatergasse stand man zwischen Garagen und sah Lisa Wagners Film „A Woman like the Sea“, eine weibliche Selbstbehauptung im Familienalltag. Ein ungezogenes Kind, ein unwilliger Kindsvater und ein smarter Nachbar waren die filmische Mischung, die das Publikum zu lebhaften Gesprächen animierte.

Allerdings wuchs der Bedarf an Regenschirmen und man musste das Gartenplätzchen bei der Süddeutschen Gemeinschaft als Veranstaltungsort ausfallen lassen. Als geeigneter Unterschlupf bot sich die Griesbadgalerie an, die ohnehin mit dem Festival kooperiert. Dort eignete sich eine weiße Wand als Projektionsfläche für Barbara Kronenbergs „Ballade der Ella Plummhoff“, die mit der Traumwelt der etwas molligen Ella spielt, die sich gerne vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan mausern würde. Die skurril überzeichneten Figuren wie der blasierte Ballettlehrer oder die altmodische Nachhilfeschülerin amüsierten das treue Publikum, das dem Festivaltross dann auch noch zur ehemaligen Polizeidirektion   am Zeughaus folgte.

Dort führte die Realsatire Regie: Der Generator verweigerte seinen Dienst, weshalb die Inhaberin einer Naturheilpraxis herausgeklingelt und um Steckdosenstrom gebeten wurde. Die musste sich allerdings erst „etwas überziehen“. Derweil gingen auch an den Nachbarfenstern die Rollläden  hoch und man spürte als Zuschauer förmlich die Skepsis, die die Anwohner Laura Laabs Film „Wegweiser“ entgegenbrachten. Die biblische Geschichte der Sterndeuter übertrug die Filmemacherin in ihrem Appell an die Menschlichkeit auf die Flüchtlinge, die ihren Weg suchen.

Auch das Frauenfilmfestival, eher beschaulich und unterhaltsam als wild, sucht seinen Weg.

Heute lautet das Motto „Sister’s Soul“

Neue Filme Der letzte Abend des Festivals „Sister’s Wild Cinema“ steht heute unter dem Motto „Sister’s Soul“ . Beginn ist wieder um 20 Uhr an der Stiege (Herdbrücke). Filme und Aufführungsorte wechseln jeden Abend.

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