Nachhaltigkeit Reparaturcafé in Unterweiler: „Nicht alles gleich wegwerfen“

Da wird geschraubt und gelötet, damit alles wieder richtig funktioiniert: Die Bastler im Reparaturcafé in Unterweiler bei der Arbeit.
Da wird geschraubt und gelötet, damit alles wieder richtig funktioiniert: Die Bastler im Reparaturcafé in Unterweiler bei der Arbeit. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Beate Storz 07.08.2018
Sechs Männer und eine Frau haben im Unterweiler Rathaus ein Reparaturcafé eingerichtet, um Staubsauger, Rasenmäher oder auch Computer wieder zum Laufen zu bringen.

Nichts ist ärgerlicher, als wenn der Entsafter, ein gern gesehenes Familienmitglied seit einem halben Jahrhundert, gerade bei der letzten Portion Johannisbeeren kaputtgeht. Dann ist guter Rat teuer. In Unterweiler gibt es daher seit knapp vier Jahren das Reparaturcafé. Einmal im Monat finden sich sieben Ruheständler aus technischen Berufen im Unterweiler Rathaus ein und reparieren Haushaltsgeräte.

Die einzige Frau im Team ist Rosina Zehbe. Sie kocht Kaffee, hat Malsachen für Kinder dabei und Illustrierte für die wartenden Ehefrauen. „Die meisten Leute bleiben da, schauen zu, wie ihre Sachen repariert werden. Auch Jungs finden es gut, den Opas beim Reparieren zuzuschauen“, erläutert Rosina Zehbe. Bis vor fünf Jahren hat sie im Hotel „Stern“ gearbeitet, jetzt hilft sie einmal monatlich im Reparaturcafé. „Ich bastle gern, Kleinigkeiten kann ich selbst reparieren.“

Die Initiative zum Reparaturcafé kam von Winfried Adler. Er besuchte die Unterweiler Gruppe 60 Plus, und da stellte sich heraus, dass viele ältere Frauen jemanden bräuchten, der das eine oder andere reparieren kann: „Unser Ortsvorsteher war von unserer Idee, ein Reparaturcafé einzurichten, überzeugt und bot uns einen Raum im Rathaus an.“

Erfolgsquote 75 Prozent

Seitdem wird alles Mögliche repariert: Rasenmäher, Batterieladegeräte, Staubsauger, Sonnenschirme oder Computer. „Wir haben eine Erfolgsquote von 75 Prozent. Wenn wir etwas nicht reparieren können, liegt es meist daran, dass die Geräte nicht geschraubt, sondern gekapselt sind“, erklärt Adler. Die Reparatur ist kostenlos, die Kunden können und sollen spenden. Die Ehrenamtlichen bringen ihre Werkzeuge selber mit. „Ich war im Außendienst tätig, da hat man die Werkzeuge parat“, erzählt Erwin Vögtle. Der Labortechniker ist gerade mit einem Entsafter beschäftigt. Er macht es auch gerne, weil die Chemie zwischen den Ruheständlern stimmt. „Ich repariere gerne Sachen, vor allem, weil man sich dabei Zeit lassen kann.“

Walter Häbich hat einen Rasentrimmer repariert und erklärt dem Besitzer, wie der das künftig selbst machen kann. „Ich mache das gerne, man hat ein Erfolgserlebnis, und wenn ich nicht weiter weiß, dann hilft jemand aus dem Team. So lernen wir voneinander und ergänzen uns.“ Heinz Breymaier kümmert sich um ein Waffeleisen. „Meistens sind es nur Kleinigkeiten, die schnell behoben werden können. Man muss nicht gleich alles wegwerfen.“

Technische Prüfung

Für die Männer ist das Reparaturcafé eine Win-Win-Situation. „Wir können unsere fachliche Kompetenz einbringen, treffen nette Leute und freuen uns, wenn wir ein Gerät wieder zum Laufen bringen,“ erklärt Adler. Damit die Leute auch bedenkenlos ihre Geräte wieder in die Steckdose einstecken können, werden sie nach verrichteter Arbeit technisch überprüft. Vögtle: „Ich bringe mein privates Prüfgerät mit. Wir hätten aber gerne so ein Gerät für die Reparaturwerkstatt. Vielleicht hat jemand ein VDE 0701 Metrawatt 4 für uns übrig?“

Sommerpause bis 17. September

Reparaturcafé Die Männer legen im August eine Sommerpause ein. Der nächste Termin ist am 17. September von 15 bis 18 Uhr. Bis 17 Uhr können die Geräte gebracht werden. Das Reparaturcafé befindet sich im Rathaus Unterweiler an der Kirchgasse 2. Weitere Infos unter www.repa-cafe.de

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