Darauf kann man stolz sein: Im Musischen Zentrum (MUZ), das Studenten einen künstlerisch-kreativen Ausgleich bieten will, schlägt das kulturelle Herz der Universität Ulm – es ist Heimstatt für Musik, Theater, Tanz, Fotografie, bildende und experimentelle Kunst. Und es ist neben dem Musischen Zentrum in Bochum einzigartig in der deutschen Universitätslandschaft, mit einem großen Unterschied: Das Bochumer MUZ ist institutionalisiert und fest im Uni-Etat verankert, während an der Uni Ulm jedes Jahr ums Geld gekämpft werden muss.

Dass trotzdem erfolgreich gearbeitet wird, zeigte die Beteiligung von etwa 180 Mitwirkenden bei der diesjährigen MUZ-Leistungsschau, dem „Musischen Tag“ am Mittwoch im Stadthaus: Zwölf Ensembles und ein Solo-Künstler gaben Kostproben ihres Könnens – dreieinhalb Stunden lang, (zu)viel des Guten. MUZ-Sprecher Lothar Kinzl führte durch das kontrastreiche Programm, das die Uni Bigband unter Michael Lutzeier mit Gute-Laune-Swing und funkigem Sound eröffnete. Einen Vorgeschmack auf die WM in Brasilien gab die Bateria-Show mit lautstarker Samba-Trommel-Gruppe und Formationstänzen der Samba-Queens in Glitzer und Federschmuck.

Es gab Grund zum Feiern: 30 Jahre Tontäfelchen-Aktion. Eingeführt 1983 vom damaligen Rektor Theodor Fliedner als „handgreifliche“ Immatrikulationsbescheinigung für die Erstsemester, wird die Aktion mit jährlich etwa 2000 im MUZ angefertigten Täfelchen bis heute fortgeführt, wie Ulrich Stadtmüller, Uni-Vizepräsident, erklärte. Er hielt die Laudatio für Christine Söffing: Die Leiterin des MUZ erhielt den „Helmut-Baitsch-Förderpreis für Kunst & Wissenschaft“.

Kann man Farben hören? Christine Söffing kann – eine Sonderbegabung. Ihre Laptop-Gruppe „Experimentelle Musik Ulm“ (EMU) brachte in dem synästhetischen Stück „Blau“ die Wechselwirkungen von Musik und Farbe zu Gehör: Klangströme aus Geräuschen, blubbernden Basstiefen, Flöten-, Klavier- und Triangeltönen sowie kosmischen Klängen – bizarr und spannend. Viele Register wurden gezogen. Ein Ballett-Ensemble, das sich voller Grazie in Kay Astrid Weithoeners Choreografie im Walzer-Schwung drehte. Das Universitätsorchester spielte in versierter Oktett-Bläserbesetzung unter Leitung von Burkhard Wolf den ersten Satz aus Mozarts c-moll-Serenade. Der Universitätschor unter Albrecht Haupt (Klavier: Hannes Kalbrecht ) sang den Einganschor aus Mendelssohns Psalm 95: romantischer Wohlklang wie aus einem Guss, gefolgt von einer Mini-Zugabe aus Orffs „Carmina burana“.

Vor arg gelichteten Reihen boten nach der Pause Teilnehmer der Schreibwerkstatt berührende Prosa und Gedichte. Die vier „Magnetic Monkeys“ präsentierten fetzige Eigenkompositionen. Eine Dia-Show zeigte Arbeiten des Campus-Ateliers. Tastenvirtuose Max Wilkat aus der Uni-Klavierklasse brillierte in den höllisch schweren Liszt-Variationen über Paganinis Étude Nr.6. Das Improtheater unter Leitung von Isabell Gauss verblüffte schlagfertig und amüsierte köstlich.

Zum Abschluss beeindruckte die feine A-cappella-Kultur des erst vor einem Jahr von Manuel Haupt gegründeten Kammerchors mit Bach und André Caplet („Sanctus“). Auf den Heimweg geleitete Rheinbergers bekanntes „Abendlied“.