Geht es nach dem Vorstand des Kreisverbandes Ulm/Alb-Donau der AfD, dann wäre die Partei bei den Kommunalwahlen in Ulm nicht angetreten. „Lieber keine Liste als diese“, spricht der Kreisvorsitzende Eugen Ciresa Klartext und bestätigt indirekt, dass in der Partei offener Streit herrscht. Die auf vier Kandidaten geschrumpfte Liste entbehre vor allem wegen des Spitzenkandidaten Markus Mössle „jeder politischen Vernunft“, sagt Ciresa.

Nach seinen Worten hat der Kreisvorstand nach der Nominierung am 26. Januar versucht, die Liste zu verhindern. Wie Ciresa sagt, gibt es sogar einen Vorstands-Beschluss, die Liste nicht zur Wahl am 26. Mai einzureichen, was vom Ulmer Ortsverband aber ignoriert worden sei. Rechtlich habe der Kreisverband keine Handhabe, es dem Ortsverband Ulm zu verbieten.

„Ex-Nazi“ und Bankräuber

Die Aufregung entzündet sich an der Spitzenkandidatur von Markus Mössle, der sich selber freimütig einen „Ex-Nazi“ nennt und keinen Hehl daraus macht, dass er früher für die NPD und die FAP (Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei) aktiv war und wegen mehrerer Banküberfälle mehrere Jahre im Gefängnis war.

Mössle ist nach Angaben von Ciresa kein AfD-Mitglied und habe auch „keinerlei Chancen, in der AfD aufgenommen zu werden“. Ciresa verweist auf einen Vorstandsbeschluss von 2016, wonach es mit Markus Mössle keine Zusammenarbeit geben dürfe. Dass Mössle dennoch als Spitzenkandidat gewählt wurde, sei ihm völlig unverständlich, so Ciresa. Noch schwerer nachzuvollziehen sei, dass dies bei nur einer Gegenstimme geschah.

Nach Informationen der SÜDWEST PRESSE lautet das Abstimmungsergebnis 11 zu 1. Mössle wurde also auch von all jenen gewählt, die später wegen ihm zurückgezogen haben. Unter ihnen der Landtagsabgeordnete Daniel Rottmann, dem der Unvereinbarkeitsbeschluss der Partei nicht bekannt gewesen sei, wie er sagt. Konsequenzen habe er gezogen, als die Landespartei aktiv geworden sei. Statt zwölf treten nur vier für die AfD an.

Genauso hat sich auch der Vorsitzende des Ortsverbands Ulm, Joachim Dürre, verhalten, der seinerseits schwere Geschütze gegen den Kreisvorstand auffährt. „Ich lasse mir nicht den Schwarzen Peter zuschieben“, giftet er gegen Ciresa, der sich nach seinen Worten aus allem heraushalte und es hinterher besser wisse.

Mössles Vergangenheit sei allen seit Jahren bekannt gewesen, sagt Dürre. Und zwar auch Eugen Ciresa, für den aller Unvereinbarkeit zum Trotz Mössle den Bundestagswahlkampf 2017 organisiert habe: „Alle haben es gewusst. Aber jetzt fährt man uns in die Parade und beschädigt alle. Mich am allermeisten.“

Der Bundesvorstand tagt

Dass Dürre in einer von Mössle gesteuerten Pressemitteilung Partei für den Ex-Nazi ergreift, verteidigt er. „Herr Mössle ist ein überaus anständiger und ehrlicher Mann und steht für seine Überzeugungen ein“, heißt es in der Pressemitteilung.

Das Thema beschäftigt derweil sowohl den Landes- wie den Bundesvorstand der AfD. Dem Vernehmen nach wird die Kandidatur von Mössle ausdrücklich missbilligt. Für heute ist eine Stellungnahme angekündigt.

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Nur vier Kandidaten für die Kreistagswahl


Personal: In allgemeinen Umfragen liegt die AfD im zweistelligen Bereich. An der Basis fehlt es der Partei aber an Personal. Auch für die Wahl zum Kreistag hat die AfD kaum Kandidaten gefunden, die mit ihrem Namen für die Partei antreten. Wie der Ulmer Ortsverbandsvorsitzende Joachim Dürre sagte, stellen sich nur vier Kandidaten zur Wahl. Demnach tritt in nur vier der zehn Wahlkreise jeweils nur ein Bewerber an. Die Chance auf einen Einzug in den Kreistag ist gering.