Innenstadt Verein Leise: „Lärm durch Außenbewirtschaftung unerträglich“

Ist die Lärmbelastung in der Ulmer Innenstadt unerträglich?
Ist die Lärmbelastung in der Ulmer Innenstadt unerträglich? © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Tanja Miller 12.04.2018
Der Verein Leise beklagt die laxe Genehmigungspolitik der Stadt Ulm: mit Party bis 1 Uhr nachts in der City.

Aus Sicht des Vereins Leben in der Stadt (Leise) vollzieht sich in Ulm ein Strukturwandel von der Einkaufs- und Wohnstadt zum Kneipenviertel in der Innenstadt. Leise-Vorstand Ursula Girmond (76) sagte, die Lärmbelastung in den mindestens sieben Monaten mit Außenbewirtung sei unerträglich. Die Befürchtung des Vereins ist, dass sich vor allem der Münsterplatz zu einem kommerziellen Ort ähnlich dem Judenhof entwickelt.

Dort bestimmten im Sommer Stühle und Tische das Bild. „Es muss auch einen öffentlichen Raum geben, wo man sich einfach nur hinsetzen kann, ohne Geld auszugeben“, sagte Co-Vorstand Martin Plenio (49), Direktor des Instituts für Theoretische Physik an der Universität Ulm. Dafür müsse die Stadt sorgen.

Dabei verwandeln sich immer mehr Geschäftshäuser in Restaurants. Wie der ehemalige Buchladen Herwig, wo die Münchner Burgerkette „Hans im Glück“ einziehen soll. Der Druck auf kleine Läden würde steigen, sobald der Bahnhof fertig ist. Kann die Stadt nicht dagegensteuern?, fragt Plenio. Denn Erweiterung der Öffnungszeiten für mehr Attraktivität werde nicht viel helfen. Im Gegenteil: So bestuhlten immer mehr Kneipen ihren Außenbereich. Die Kosten hierfür seien in Ulm die zweitniedrigsten in Deutschland. Durch eine Erhöhung könne der Lärm vielleicht eingedämmt werden. Plenio: „Es gibt Stellenschrauben, aber das muss die Stadt wollen.“ Der Verein vermisst die Unterstützung der Stadt- und Gemeinderäte, die auf den Geräuschpegel zu wenig eingehen würden.

Höchste Kneipendichte

Die Frage sei zudem, ob die Innenstadt durch die vielen Bars attraktiver wird. Deutschlandweit hat Ulm mit 586 Wirtshäusern (Stand 2017) die höchste Kneipendichte pro Einwohner. Die Nachtruhe gilt ab 22 Uhr. Doch sie werde oft missachtet. Bis 23 Uhr unter der Woche und 24 Uhr am Wochenende dürfen die Wirte ihre Gäste draußen bedienen. „Leider wird die Lärmgrenze von 68 Dezibel nicht eingehalten – und die Leute gehen ja nicht sofort um 24 Uhr, dann geht die Party bis 1 Uhr nachts“, sagte Plenio.

Den Lärm selbst zu messen, sei für den Verein unproduktiv. Denn keiner würde die Werte abnehmen. Hierfür bräuchte es einen Sachverständigen. Dieser kostet viel Geld und ist für einen kleinen Verein mit knapp über 100 Mitgliedern kaum bezahlbar. „Eigentlich müsste an Lärmschwerpunkten die Stadt messen“, sagt Girmond. Sie habe bereits Aufsteller für die Wirtshäuser vorgeschlagen, auf dem die Gäste darauf aufmerksam gemacht werden, Rücksicht auf die Nachbarschaft zu nehmen. Dieser Vorschlag sei abgelehnt worden.

Aktionstag „Laut war gestern“

Gegen Lärm Am 25. April findet in Ulm der Tag gegen den Lärm mit dem Motto „Laut war gestern“ statt. Am nördlichen Münsterplatz hat der Verein „Leben in der Stadt“ einen Stand. Mit einem Flyer will man Menschen fragen, was sie am Lärm am meisten stört. Zudem plant der Verein eine Veranstaltung mit einem Referenten zu den Auswirkungen von Lärm.

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