Freie Szene „Labor 1/12“: Roxy eröffnet neuen Spielraum

Vier Frauen erzählen mit Nadeln und Wollfäden von den „Sehnsüchten eines Fräuleins“.
Vier Frauen erzählen mit Nadeln und Wollfäden von den „Sehnsüchten eines Fräuleins“. © Foto: Udo Eberl
Ulm / Udo Eberl 02.10.2018

Tanz, Theater, Hörspiel, Lyrik-Performance und Sounderlebnis – im „Labor 1/12“ ist künftig einiges möglich. Die „Opening Night“ bot am Samstag schon mal einen Vorgeschmack. Höchste Professionalität mit eben diesen Anforderungen – auch an den Raum – und die reine Lust am Machen und Experimentieren konnte man genauso erleben wie integratives Theater, Tanz-Performances und zeitgemäß gedachtes Puppenspiel. Ähnlich bunt wird das Programm auch künftig sein. Der neue Raum im Roxy für die freie Kreativszene ist im Jahr 2019 bereits nahezu ausgebucht.

Die 160 Quadrameter für den künstlerischen Freiraum wurden erst am Abend vor der Opening Night fertig bespielbar – dank des Zusammenspiels der gesamten Roxy-Crew mit dem  Gebäudemanagrment der Stadt Ulm.

Neuer soziokultureller Aspekt

„Für uns war schon vorher klar: Wir halten es mit den großen Häusern wie der Berliner Staatsoper. Wir eröffnen auf jeden Fall“, sagte Programmchef Michael Mutschler mit einem breiten Schmunzeln. Und der neue Roxy-Geschäftsführer Christian Grupp fügte hinzu, dass man hier einen idealen Raum fürs „Probieren, Experimentieren und Präsentieren“ geschaffen habe, der dringend herbeigesehnt worden sei, wie die Nachfrage zeige.

Die Ulmer Kulturbürgermeisterin Iris Mann erinnerte an den schwierigen Weg hin zu diesem „Labor“: gespickt mit Widerständen und begleitet von Akteuren wie Reinhard Köhler und der Ex-Chefin des Roxy, Laurence Nagel, die sich für eine solche Spielfläche starkmachten und den Gemeinderat schließlich von deren Notwendigkeit überzeugten.

Mit diesem „Raum für alles Mögliche“ komme im Roxy nun ein neuer soziokultureller Aspekt hinzu, der sicherlich fürs Team eine Herausforderung darstelle. „Nutzen Sie die Chance, machen Sie was draus!“, appellierte sie an die freie Szene. Die fing am ausverkauften Eröffnungsabend gleich damit an – mit Häppchen, Vorschauen und Extrakten aus dem kommenden Programm.

Tanz und Klang in unterschiedlichsten Ausprägungen: zwei Tanz-Performance-Ausschnitte – mal von John Cage inspiriert, mal von Antonio Vivaldi; Soloposaune zum Mitschnippen; „Mein langsamer Ferrari“ mit live vertonter Lyrik zum Staunen und Schmunzeln, ein Live-Hörspiel mit satanischen Kleinwüchsigen oder Redeübungen für Hand und Mund.

Das gab’s genauso zu erleben wie erste „Sehnsüchte eines Fräuleins“ mit Liedern und wortwörtlichen Verstrickungen. Andreas Usenbenz entführte mit seinen über zehn Jahre hinweg gesammelten Stadtklängen in eine „Invisible City“, Iris Keller ließ ihr Pferd in „Verd mit V“ pferreisen, und das Heyoka Theater spielte Auszüge aus seiner Wiederaufnahme des zweiten Teils der Familientrilogie „Stamm“.

Vier unterschiedliche Performances

Termine Morgen und am Mittwoch ist im Labor 1/12 „Stamm – Alltag und Sehnsuchtsorte“ des inklusiven Ulmer Heyoka Theaters zu sehen. Am 18./19. 10. zeigt das Duo Tsai/Aktas die Performance „Our Lives“. Die Moving Rhizomes mixen am 28./29./30. 11. mit „Leute machen Kleider“ Performance, Musik, Film und Textilkunst. „Sehnsüchte eines Fräuleins“ mit Lyrik und Songs folgen am 19./20. 12. 

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