Kunst "Kunst im Steibruch": Dieter Gassebner zeigt Werke von Kollegen

Dieter Gassebner hat im Steinbruch Altental bei Gerhausen seine eigenen Arbeiten schon aufgestellt.
Dieter Gassebner hat im Steinbruch Altental bei Gerhausen seine eigenen Arbeiten schon aufgestellt. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm/Blaubeuren / LENA GRUNDHUBER 01.09.2016
Eine ganz besondere Ausstellung: Am Sonntag, 11. September, präsentiert Dieter Gassebner wieder "Kunst im Steinbruch".

Ob die Hügel da hinten nächste Woche noch da sind? Dieter Gassebner weiß es selbst nicht: „Ich kann jetzt noch nicht genau sagen, wie der Platz dann aussieht“, meint er und fügt achselzuckend hinzu: „Dann muss ich vielleicht neue Hügel bauen für die Künstler. Mir geht’s drum, dass jeder mit seinem Platz zufrieden ist.“ Wer Schotterhügel benötigt, bekommt eben Schotterhügel – an Steinen herrscht nun wirklich kein Mangel im Kalksteinbruch Altental bei Gerhausen.

Eine Ausstellung an einem solchen Ort zu kuratieren, ist eine Aufgabe besonderer Art, aber es sei ja auch eine besondere Ausstellung, sagt Gassebner stolz. Bereits zum vierten Mal veranstaltet der Künstler aus Blaubeuren am Sonntag, 11. September, seine „Kunst im Steinbruch“. Zwischen Steinstaub, Felswand und schwerem Gerät hat der Bildhauer bereits eigene Skulpturen aufgebaut, damit schon mal was steht. Ein paar Meter weiter, vor einem der Schotterhügel, hat Beate Gabriel ihr kleines Land-Art-Werk aus Heidekraut angelegt.

Mehr ist noch nicht da, zehn Tage vor der Eröffnung pflügen die Laster übers Gelände. Bis kommende Woche müssen ein paar hundert Parkplätze zur Verfügung stehen, ein Festplatz mit Bewirtung und Musik soll aufgebaut sein, die Straße muss auch noch gesperrt werden, und trotzdem wirkt Dieter Gassebner geradezu unheimlich entspannt: „Der einzige Stress ist der Blick auf die Wetterkarte.“

Falls es so bleibt, rechnet der 65-Jährige mit rund 3000 Besuchern, was eine ganze Menge ist. „Kunst im Steinbruch“, sagt er, sei von Beginn an ein Erfolg gewesen.  Schon beim ersten Mal im Jahr 2010 seien 1500 Leute zum Frühschoppen erschienen, erzählt Gassebner, der selbst sein Atelier auf dem Gelände hat. Seither lädt er alle zwei Jahre Künstler ein und beobachtet stetiges Wachsen: von 7 auf 15 auf 27 auf fast 40 Bildhauer und Objektkünstler, die heuer als Aussteller dabei sein werden. Reiner Schlecker und Norbert Klaus sind Teilnehmer der ersten Stunde, auch Namen wie Marianne Hollenstein und Gabi Nasfeter werden vielen Ulmern ein Begriff sein.

Daneben sind auch Künstler aus Frankreich, Finnland und der Schweiz dabei. „Alle Leute sind beeindruckt vom Steinbruch hier“, sagt Dieter Gassebner.  Und so ist es kein Wunder, wenn die Künstler teils ganz direkt auf die ungewöhnliche Umgebung reagieren – mit kleinen, augenzwinkernden Eingriffen wie Dorothee Hermann, die vergangenes Mal Flossenspitzen in eine Wasserpfütze gesetzt hat, oder mit spektakulären Aktionen wie der von Alfred Bradler, der an einer Felswand auf 50 Meter Breite eine blaue Farbschüttung veranstaltete. Etwas Ähnliches wolle Bradler in diesem Jahr wieder machen, sagt der Kurator, der sich schon auf seine Besucher freut: „Hierher kommen Leute, die sonst nie in eine Galerie gehen würden.“

Der Steinbruch selbst ist ja schon Land-Art in sich, eine Landschaft, die sich ständig verwandelt und dem Kurator dadurch zwar manchmal Kopfzerbrechen bereitet – ein Plateau, das ein Künstler sich herausgesucht hat, kann nach zwei Wochen eben plötzlich weggesprengt sein – andererseits finden die Künstler Spielräume vor wie sonst nirgends: Wo sonst kann man sich schon an einem meterhohen Steinhaufen austoben oder metallene Ameisen durch die Landschaft flitzen lassen? Sehr beeindruckend sei das „Flüchtlingsboot“ gewesen, das Richard Allgaier letztes Mal hier treiben ließ, sagt Dieter Gassebner. Er schätzt den Charme des Ortes,  der zu kreativen Lösungen einlädt. Wenn Birte Horn eine Hauswand als Ausstellungsfläche benutzt oder Gabi Nasfeter eine fünf Meter hohe weiße Stoffkugel in den Schotter setzt, dann entsteht ein ganz eigener Raum – „sowas gibt es in keinem Museum“.

Mit Bewirtung und Musik

Ausstellung im Freien „Kunst im Steinbruch“ ist am Sonntag, 11. September, 10-19 Uhr im Steinbruch Altental bei Gerhausen zu sehen. Es gibt Bewirtung und Musik, außerdem informiert Unesco Geopark Schwäbische Alb über die Geologie des Steinbruchs. In Gerhausen von Ulm kommend links in die Markbronnerstraße einbiegen und der Beschilderung folgen. Schlechtwetterinfo: www.gassebner.de

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