Klassik „King Arthur“ in der Pauluskirche

Voller Elan: Dirigent Thomas Kammel.
Voller Elan: Dirigent Thomas Kammel. © Foto: Martina Dach
Ulm / Burkhard Schäfer 17.04.2018

Als „Semi-Oper“ ist Henry Purcells „King Arthur“ in die Geschichte eingegangen. „Semi“ hat heute einen negativen Beigeschmack, ein schlechter Witz ist eben nur semi-lustig. Im Englischen sagt die Vorsilbe vor Oper, dass es sich hier um ein „Mittelding“ zwischen Schauspiel und Musik handelt. Die Erstaufführung von „King Arthur“ 1691 muss ein großes Spektakel gewesen sein, gespickt mit „Special Effects“ und unter Verwendung von Flugmaschinen.

Diesen Riesen-Apparat konnten der Oratorienchor Ulm und das Ensemble Jadis unter ihrem Leiter Thomas Kammel nicht aufbieten, auch wenn die Musiker mit einer Hundertschaft angerückt waren und die Bühne bis an den Rand ausfüllten. So machten sie aus der Not eine Tugend und ersetzten die optischen Effekte durch eine Dia-Show, die das Geschehen auf der Bühne mit Bildern, zum Teil wie aus dem Reiseprospekt, sinnfällig illustrierte.

Mit dem Schauspieler Gunther Nickles, der vor den Akten eine launige Zusammenfassung der Handlung gab, boten die Akteure, die ihr Programmheft mit Herz- und  Pik-König und Herz-Da­me geschmückt hatten, sogar noch ein Ass auf. Denn worum geht es in dem Stück?

Ganz kurz gesagt darum, dass der britische König Arthur und der Sachsenkönig Oswald sich mit Hilfe von Zauberern und Geistern befehden und zum Schluss ein Loblied auf den Sieger Arthur und Britannien angestimmt wird. Vor allem aber geht es um die Liebe, genauer: die sinnliche Liebe. Im Klartext: um Sex, Drugs (Zaubertränke) und Rock ’n’ Roll.

Großartig, wie die Musiker im Verbund mit Nickles diese auch vor mehr als 300 Jahren Erfolg versprechende Formel im historischen Klang-Gewand von Jadis in die Gegenwart holten und das (mehr als) krause Bühnengeschehen so darboten, dass es auch heute noch die reine Lustbarkeit ist. Für die gesangssolistischen Glanzpunkte sorgten Yuna-Maria Schmidt (Sopran), Dean Power (Tenor und Star des Abends), Kay Stiefermann (Bassbariton) und Solisten des Neuen Kammerchors Heidenheim (Magdalena Hug und Cosima Kammel, Sopran, Julia Schieder, Alt, Julian Plachtzik, Tenor, und Michael Wilsch, Bariton).

Was bleibt von der Aufführung vor allem in Erinnerung? Schwer zu sagen bei der Fülle an Schönheiten, mit der „King Arthur“ aufwartet. Aber das den Winter aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ vorwegnehmende „What power art thou“ des Genius‘ der Kälte, toll gesungen von Kay Stiefermann, ist ein Stück, das einen buchstäblich frösteln macht. Great!

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