Ulm "Kasimir und Karoline" am Theater Ulm

"Kasimir und Karoline" mit einer großartigen Christel Mayr (links).
"Kasimir und Karoline" mit einer großartigen Christel Mayr (links). © Foto: Jochen Klenk
Ulm / SWP 23.04.2016
Inszenierung und Bühnenbild von Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline" werden von den Zuschauern geteilt bewertet. Die Schauspieler hingegen finden bei der Befragung von Otfried Käppeler alle gut.

Katharina Nehmer (42), Ichenhausen: Mein Mann und ich fanden die Inszenierung etwas durchwachsen. Es war jetzt nicht so, dass wir zur Pause schon gehen wollten. Der Abend hat auch zum Nachdenken angeregt, aber so richtig mitgezogen hat es uns nicht. Das lag nicht nur an dem ersten Thema, vielmehr haben wir lange nach der eigentlichen Botschaft gesucht, die hinter der Inszenierung (Regie: Jasper Brandis) stehen soll. Dafür hat uns der rote Faden gefehlt, denn es ging ja wohl um die Einsamkeit des Menschen in Gesellschaft. Gut fand ich, wie das Oktoberfest dargestellt wurde, mit den Gesangseinlagen. Auch der Ausrufer (Christel Mayr) mit dem Akkordeon war sehr gut.

Stefan Ruepp (48), Vöhringen: Sehr unterhaltsam. Der Mix zwischen Unterhaltung und Tiefgang hat mir gefallen. Es war stellenweise lustig, hat aber zum Nachdenken angeregt. Interessant fand ich das karge Bühnenbild (Bühne und Kostüme: Andreas Freichels), das lenkte nicht ab und brachte die Charaktere noch besser zum Ausdruck. Die Musik hat den Abend aufgelockert. Die Darsteller fand ich alle gut. Ich kann die Inszenierung weiterempfehlen, auch wenn es keine ganz leichte Kost ist.

Renate Schmid (67), Neu-Ulm: Mir hat die Inszenierung sehr gut gefallen. Vor allem das reduzierte Bühnenbild mit dem Luftballon am Anfang. Christel Mayr mit Akkordeon als Ausrufer' hat sehr gut durch den Abend geführt und die einzelnen Szenen erklärt. Alle Schauspieler haben ihre Charaktere sehr gut herausgearbeitet. Gut herausgekommen ist auch, was das Stück über die Gesellschaft von damals mit Entlassung, Arbeitslosigkeit und Armut sagen wollte. Da gibt es ja Parallelen zu unserer heutigen Zeit.

Friederike Schwarzwälder (31), Neu-Ulm: Eine tolle Inszenierung. Trotz der reduzierten Bühne kam das Kirmeshafte des Oktoberfestes sehr gut rüber. Auch die zwei älteren Herren (Maximilian Wigger-Suttner, Jörg-Heinrich Benthien) waren super. Sie brachten neben all den Lachern, die sie erzeugten, groteske Züge rein. Christel Mayr war die stärkste Person. Die ganze Musik war sehr gut ins Spiel eingebunden, aber Mayr gab dem Ganzen einen Rahmen. Dadurch wurden auch die abstrakten Momente, die mich ans epische Theater erinnerten, deutlicher. Das Volksstückhafte und Sozialkritische traten so stark hervor. Liebe ohne Arbeit ist sowieso ein zeitloses Thema, das bis ins Heute hinein greift.

Bodo Deutschmann (57), Wiblingen: Ziemlich durchwachsen, das Ganze. Das reduzierte Bühnenbild fand ich nichtssagend, das ging mir zu sehr in eine Bertolt-Brecht-Richtung, was nicht mein Ding ist. Christel Mayr fand ich hervorragend, Kasimir (Christian Streit) und Schürzinger (Dan Glazer) blass. Dagegen hat Sidonie von Krosigk die Karoline gut gespielt.

Frank Reuther (44), Ulm: Die Inszenierung ist echt gut. Vor allem fand ich das einfache, minimalistische Bühnenbild gut mit dem Luftballon am Anfang, der für das Luftschiff steht. Die ausweglose wirtschaftliche Lage der Zeit wurde mit Witz dargestellt. Die Lieder fand ich für Schauspieler gut gesungen, Christel Mayr war sehr gut. Auch die originalen Kostüme fand ich passend. Vieles war zwar einfach, aber nichts gedankenlos.

Heinz Zimmermann (71), Neu-Ulm: Ich hatte gewaltige Probleme, Zugang zu diesem Volksstück zu bekommen. Ich bewundere die Leistung der Schauspieler. Aber auf mich wirkte das Stück so, wie wenn ich versuchen würde, eine Kriegsszene mit informeller Malerei darzustellen. Das geht nicht.

Margit Rittlinger (57), Burlafingen: Das war eine sehr gelungene Inszenierung ohne Effekthascherei. Der Originaltext von Horváth stand im Vordergrund. Die Schauspieler haben gut gespielt mit feiner Gestik und Mimik, nichts war übertrieben. Das schlichte Bühnenbild war stimmig und Christel Mayr mit ihrem Akkordeon hat souverän durch das Stück geleitet. Schön war auch, wie man ohne Achterbahn auf der Bühne Achterbahn fahren kann, das war eine gute Choreografie.

Im Netz und im Theater

Livestream Am Samstag, ist die Ulmer Inszenierung des Volksstücks "Kasimir und Karoline" im Internet als Livestream zu erleben. Die Vorstellung beginnt um 19 Uhr, berichtet wird von 18.40 Uhr an unter www.theater.ulm.de/livestream

Termine Die nächsten Vorstellungen sind am Samstag, 19 Uhr, am 4. und 6. Mai, 20 Uhr, und am 21. Mai um 19 Uhr.

 

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