Einstein Grundmauern des Einsteinschen Geburtshauses werden abgetragen

Harald John 29.03.2017
Bauarbeiter haben Dienstag damit begonnen, die Grundmauern des Einsteinschen Geburtshauses abzutragen. Nun geht es um das künftige Konzept der Präsentation.

Arbeiter haben am Dienstag auf der Großbaustelle Sedelhöfe damit begonnen, die Grundmauern des Geburtshauses von Albert Einstein abzutragen. Ursprünglich hatten Stadt und der Hamburger Investor DC geplant, die Mauern in ganzen Stücken zu bergen und abzufahren. Doch Gutachter hatten festgestellt, dass wegen des bröckelnden Mörtels Beschädigungen nicht zu vermeiden gewesen wären. Deshalb kommt nun das mühsame Stein-für-Stein-Verfahren zum Zuge.

Am Montag hatte der Ältestenrat dem Vorschlag der Verwaltung zugestimmt, die bestehenden Mauerreste zu dokumentieren, einzeln zu bergen und „sachgemäß“ zu sichern. Der Erhalt der Grundmauern und damit des Andenkens und des historischen Erbes sei „ein Herzensanliegen“ für Gemeinderat, Stadtverwaltung und Investor DC Developments. Nun solle sich die Arbeitsgemeinschaft (AG) Einstein des Ulmer Gemeinderates „vertieft mit der Frage einer künftigen Präsentation der authentischen Orte der Familie Einstein“ auseinandersetzen. Im Mittelpunkt, so die Stadt, stehe der „würdige Umgang mit dem Erbe der Stadt Ulm und der Familie Einstein“.

Zuvor hatte die SPD in einem Antrag dem Geschäftsführer des Investors DC, Lothar Schubert, für seine bisherige Mühe bei der Räumung des „fast vollständig erhaltenen Kellergeschosses“ gedankt und um einen Ansatz gebeten, in welcher Form Einstein künftig in den Sedelhöfen gedacht werden könne. Schon in Anträgen im März 2016 und im September 2012 hatte die SPD-Fraktion Möglichkeiten eines Einstein-Gedenkens aufgezeigt. So gab es etwa die Anregung, eine Einstein-Dauerausstellung zu inszenieren sowie die Türschwelle des Geburtshauses wieder nach Ulm zu holen. Auch CDU-Stadtrat Hans-Walter Roth hatte einen leidenschaftlichen Appell an den Gemeinderat gerichtet, und den gegenwärtigen Umgang mit den Grundsteinmauern erneut als „Frevel“ bezeichnet.

Auch Martin Rivoir (SPD) kommentierte das Vorgehen, Stein für Stein abzutragen: „Man kann doch heute ganze Pharaonenfiguren versetzen, da muss das doch auch mit ein paar Mauerstücken möglich sein.“

Oberbürgermeister Gunter Czisch hält dagegen, dass die Bergung der Steine selbstverständlich sei und die Tatsache, dass sich der Mörtel auflöse, nicht zu ändern ist. Aber die Sedelhöfe seien „keine archäologische Grabungsstätte“ und – so fügte Czisch mit Blick auf eine Glosse in der SÜDWEST PRESSE hinzu – man werde auch keine Windeln von Einstein in den Überresten finden. Die Steine hätten hohen symbolischen und ideellen Wert. „Nicht mehr und nicht weniger“, so Czisch. Sein dringender Rat an alle Beteiligten: „Den Ball flach halten.“ Es gebe viele Vorschläge und nun sei es nötig, eine „zeitnahe“ Entscheidung zu treffen. Dass dann nicht jeder einverstanden sei, sei normal.

200-Millionen-Projekt Sedelhöfe

Sohn der Stadt Albert Einstein ist zweifelsohne der berühmteste Ulmer. Sein Geburtshaus wurde 1871 erbaut und 1944 bei einem Luftangriff zerstört. Der kleine Albert wurde in der Bahnhofstraße B135 am 14. März 1879 geboren, zog allerdings im zarten Alter von 15 Monaten mit seiner Familie aus Ulm fort. Die Familie ging nach München, wo sein Vater und Onkel im Oktober 1880 einen Betrieb zur Gas- und Wasserinstallation gründeten. 1885 folgte eine eine Fabrik für elektrische Geräte. Dort, wo einst Einsteins Geburtshaus stand, soll nun der Einkaufs- und Wohnkomplex Sedelhöfe entstehen, in den die Hamburger Gruppe DC rund 200 Millionen Euro investiert. Eröffnen soll die 18.000 Quadratmeter große Fläche Ende 2019.