Oxford, Cambridge, Heidelberg: Universitäten genießen gemeinhin dann besten Ruf, wenn sie "altehrwürdig" sind - weshalb junge Unis oft Minderwertigkeitskomplexe haben. Manchmal lohnt es sich aber, jung zu sein. Etwa für die Uni Ulm. Im jüngsten Ranking des britischen Magazins "Times Higher Education" (THE) schneidet sie hervorragend ab: Unter den Hochschulen, deren Gründung weniger als 50 Jahre zurückliegt, belegt sie Rang 16 weltweit, ist somit die beste junge Uni Deutschlands.

Klar, dass sich Uni-Präsident Karl Joachim Ebeling beim Festakt zum 47. Jahrestag der Uni in diesem Erfolg sonnte. "Wir sind jung, dynamisch, forschungsstark." Da seis ja fast schon schade, dass man in drei Jahren 50 werde: Spätestens dann geht der THE-Titel nämlich flöten.

Insgesamt sieht Ebeling die Hochschule auf dem Oberen Eselsberg auf einem guten Weg. Beispielhaft erwähnte er den Forschungsbereich Mensch-Maschine-Interaktion und den dort angesiedelten Sonderforschungsbereich Transregio 62 ("Companion-Technologie für kognitive technische Systeme"), der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft kürzlich als Vorzeigeprojekt ausgezeichnet wurde.

So laufe beispielsweise die Arbeit an Fahrerassistenzsystemen der Zukunft auf Hochtouren, sagte der Präsident. Seit zehn Jahren forschen Ingenieure und Informatiker um Prof. Klaus Dietmayer zum autonomen Fahren. Ziel ihrer Forschungsinitiative: Selbststeuernde Autos sollen Fahrgäste souverän durch den innerstädtischen Verkehr chauffieren und sogar ohne Fahrereingriff einparken können. Aktuell fährt sogar schon ein führerloses Auto zu Testzwecken durch Ulm.

Lob spendete Ebeling auch der Uni-Medizin. Das Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU) wurde jüngst von der Deutschen Krebshilfe als "Onkologisches Spitzenzentrum" geadelt.

Auch räumlich wird an der Zukunft der Uni gebaut: Im Herbst soll das Helmholtz Institut Ulm für Batterieforschung bezogen werden. Zudem erhält die Gruppe um den Physiker Prof. Martin Plenio ein eigenes Gebäude. Das so genannte Zentrum für Bioquantenwissenschaften wird 27 Millionen kosten, Bund (50 Prozent), Land und Uni teilen sich die Finanzierung.

"Bei all diesen Fortschritten mag die Forderung nach mehr Geld im Zuge des Solidarpakts III erstaunen", sagte der Präsident und wies auf den wachsenden Finanzierungsbedarf der Landesuniversitäten angesichts der seit 1998 eingefrorenen Grundfinanzierung hin. Man müsse aber wissen, dass die Zahl der Studenten seither stark gestiegen sei. "Wir müssen heute mit viel weniger Geld pro Student viel mehr Studenten unterrichten."

Im Einklang mit der Landesrektorenkonferenz forderte Ebeling eine einmalige Erhöhung des Landeszuschusses um drei Prozent sowie eine jährliche Aufstockung der konsumtiven Mittel um ein Prozent über dem Inflationsausgleich.

Den Festakt beschloss Klaus Helmrich, Vorstandsmitglied der Siemens AG, mit seinem Vortrag "Starke globale Netzwerke für unternehmerischen Erfolg im globalen Wettbewerb". Helmich wies auf die steigenden Forschungs- und Entwicklungsausgaben von Schwellenländern wie China hin und bezeichnete die Informatisierung der Produktionstechnologie als große Chance für Deutschland.

Ausgezeichnete Doktorarbeiten - Acht Promotionspreise

Frauen-Power Für ihre herausragenden Doktorarbeiten hat die Ulmer Universitätsgesellschaft (UUG) acht junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen geehrt. UUG-Vorsitzender Hans Hengartner überreichte die mit jeweils 1500 Euro dotierten Promotionspreise beim Festakt zum 47. Jahrestag der Uni. Erstmals wurden mehr Frauen (5) als Männer (3) ausgezeichnet.

Preisträger Dr. Tanja Kurtz vom Institut für Psychologie und Pädagogik hat ihre Arbeit zu individuellen Unterschieden beim Lernen und Vergessen älterer Menschen exemplarisch vorgestellt. Weitere Preisträgerinnen der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Informatik sind in diesem Jahr Dr. Vera Künzle und Dr. Antonia Wachter-Zeh. Dr. Simon Kurasch hat es mit einem Nebenprodukt seiner Doktorarbeit sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft: Ihm war die elektronenmikroskopische Darstellung der weltweit dünnsten Glasschicht gelungen. Den zweiten Promotionspreis der Fakultät für Naturwissenschaften hat Dr. Yuzhou Wu erhalten. Dazu kommen Dr. Marianne Stockmann und Dr. Andreas Seitz (Medizin) sowie Dr. Sebastian Kestler (Mathematik).