Neu-Ulm/Leipheim "Ich bitte um Hilfe"

Neu-Ulm/Leipheim / WILLI BÖHMER 02.03.2013
Izet Arnautovic ist 14 Jahre, er lebt in Sarajewo. Der Junge hat Knochenkrebs und wird ein Bein verlieren, wenn er nicht schnell eine teure Behandlung erhält. Verwandte in der Region kämpfen um Spenden.

"Ich bitte um Hilfe", steht auf dem Flugblatt. Das Foto darunter zeigt einen großen Jungen, der ernst in die Kamera lächelt. Auf Abrisszettelchen ist ein Spendenkonto angegeben.

Seit Dezember weiß Izet Arnautovic, dass er an Knochen- und Knorpelzellenkrebs leidet. Er liegt in einer Kinderkrebsklinik in Sarajewo (Bosnien-Herzegowina). Seine Ärzte haben den Eltern gesagt, dass sein Bein amputiert werden muss. Es sei denn, er erhält eine Spezialbehandlung in einer deutschen Klinik.

Eine Behandlung, die die Mediziner in seiner Heimatstadt nicht bieten können. Diese kostet 175 000 Euro, hat die Universitätsklinik in Münster seiner Cousine Sejla Ipek mitgeteilt, die in Leipheim lebt. Eine zweite Anfrage in der Uniklinik Heidelberg läuft. Sie und Verwandte aus dem Landkreis Neu-Ulm versuchen seither fieberhaft, Spender zu finden, um die Operation in Deutschland bezahlen zu können und so sein Bein zu retten.

Die Situation ist dramatisch, sagt Sejla Ipek. Wenn das Geld in drei bis vier Wochen nicht zusammen ist, um den Jungen nach Deutschland zu bringen und schnell zu behandeln, müssen die Mediziner in Sarajewo amputieren.

Izet Arnautovic wurde in Augsburg geboren. Seine Eltern waren vor dem Balkankrieg geflohen und als Kriegsflüchtlinge dort gelandet. Nach Kriegsende kehrten sie nach Sarajewo zurück. Izet besuchte seine Tante Sejla Ipek mehrmals in Leipheim, zuletzt vor drei Jahren. Sie und ihr Mann fahren zwei bis drei Mal im Jahr nach Sarajewo. Nachdem die Krankheit diagnostiziert worden war, setzten sie sich erneut ins Auto, um vor Ort die Hilfsaktion zu organisieren. Viele Verwandte leben im Raum Ulm/Neu-Ulm und versuchen zu helfen.

Der Junge ist ein Einser-Schüler und ein hervorragender Sportler, erzählt Sejla Ipek. Er besucht zur Zeit eine Medizinschule in Sarajewo und könnte mit dem Abschluss auch in Deutschland ein Medizinstudium folgen lassen. Davon träumt er. Fußball ist sein Leben. Ein Leben ohne kann er sich gar nicht vorstellen. Derzeit erhält er gerade seine fünfte Chemotherapie. Sechs Durchgänge muss er über sich ergehen lassen, dann muss operiert werden - oder amputiert. Der sonst recht lebhafte Junge ist still geworden, erzählt seine Cousine. Über seine Krankheit will er gar nicht mehr reden. Seine Hoffnungen richten sich auf die Mediziner in Deutschland.

Sejla Ipek und ihr Mann Ferdi haben inzwischen Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um das Geld zusammenzubekommen, das der Junge für die Operation in Deutschland benötigt. Das BRK Günzburg hat ein Spendenkonto eingerichtet (siehe Infokasten). Sie haben einen Brief an den österreichischen Fußballstar Marko Arnautovic gerichtet, der für den Bundesligaklub Werder Bremen stürmt, wegen der Namensgleichheit, auch wenn dieser mit dem 14-jährigen Jungen aus Sarajewo nichts zu tun hat. Bislang ging keine Antwort ein.

Die Aktion "Ein Herz für Kinder" will helfen. Auch die Leipheimer Firma Wanzl, in der beide arbeiten, will mitmachen. Außerdem hat das Ehepaar mehr als 200 E-Mails als Bittbriefe losgejagt. Einige Adressaten haben abgesagt, die meisten nicht einmal geantwortet. Das Rote Kreuz Günzburg hat seine Neu-Ulmer Kollegen informiert. Prominente erhielten Schreiben: Michael Schumacher, Dieter Bohlen. Und die Franz-Beckenbauer-Stiftung wurde angeschrieben.

In Sarajewo wurden bei einem Benefiz-Konzert und dem Apfelverkauf "1 Euro für Izet" sowie vielen kleinen Aktionen 12 000 Euro für Izet gesammelt. Viel mehr ist noch nicht eingegangen. "Wenn in Ulm und Neu-Ulm jeder nur einen Euro spenden würde, wäre schon alles gut", sagt Sejla Ipek. 1 Euro für ein gutes Leben von Izet Arnautovic.