Herr Letzing, warum stinkt es den Bauern so sehr, wenn Hunde auf den Feldern ihr Geschäft erledigen?

MATTHIAS LETZING: Nach dem Regen derzeit fängt das Gras kräftig an zu wachsen. Um Pfingsten wird der erste Schnitt eingebracht – entweder als Heu, Grünfutter oder Silage. Die Arbeitsmaschinen nehmen den festen Hundekot auf, der sich dann im Futter verteilt. Dieses wird für die Tiere ungenießbar. Wenn das Nutzvieh oder auch Pferde das verunreinigte Futter dennoch fressen, können gefährliche Parasiten übertragen werden, die die Organe der Tiere angreifen. In der Folge können diese dann qualvoll verenden.

Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden für die Bauern im Kreis?

LETZING: Direkt beziffern lässt sich dieser nicht. Aber: Wenn eine Kuh durch einen solchen Erreger ums Leben kommt, kostet das den Landwirt schnell 3000 Euro und mehr.

Wie groß ist das Problem wirklich?

LETZING: Wir bekommen jede Woche mindestens drei Anrufe von Bauern, die uns Vorfälle mitteilen.

Gibt es örtliche Schwerpunkte?

LETZING: Natürlich passiert es überwiegend dort, wo größere Gemeinden sind. Also in den Ballungsräumen Neu-Ulm, Senden, aber auch um Vöhringen, Illertissen und Weißenhorn herum. Und das dort, wo die Spazierwege hinausführen. Es wundert mich, dass es die „normalen Spaziergänger“ nicht stört, wenn Wegesränder verdreckt sind.

Welche Maßnahmen haben Sie als Bauernverband ergriffen?

LETZING: Wir haben in der Vergangenheit gut 250 Schilder – mit der Aufschrift „Hier ist kein Hundeklo“ – aufgestellt. Das ist aber auch eine Kostenfrage: Eine Schild schlägt mit 12 Euro zu Buche; die Kosten haben die rund 850 Landwirte im Kreis Neu-Ulm selbst geschultert. Besonders ärgerlich war, dass einige Schilder zerstört wurden.

Gibt es zu wenig Beutelspender mit „Kottüten“?

LETZING: Nein. Die Spender helfen nur innerhalb von Ortschaften. Draußen in der Natur werden die „Kottüten“ leider selten benutzt.

Wie reagieren Sie persönlich, wenn Sie einen Hund und dessen Besitzer auf frischer Tat ertappen?

LETZING: Ich versuche, ein vernünftiges Gespräch zu führen. Ich selbst habe auch zwei Hunde. Es gibt viele umsichtige Halter. Aber leider auch zahlreiche unvernünftige, unbelehrbare, die meinen, sie dürften in der freien Natur alles. Sie lassen den Hundekot einfach liegen.

Wie argumentieren die Unbelehrbaren Ihnen gegenüber?

LETZING: Viele berufen sich aufs Bürgerliche Gesetzbuch, das freie Aufenthaltsrecht in der Natur. Andere verweisen auf Gülle, die ausgefahren wird; das sei nichts anderes. Das stimmt nicht: Weil die Gülle gelagert wird, kommen keine Erreger aufs Feld. Zudem wird keine Gülle auf Gras aufgebracht, das bald geerntet wird. Hundekot ist fest und übersteht auch sehr viele Regen.

Welche Ausrede eines Hundehalters war am abenteuerlichsten?

LETZING: „Mein Hund macht so große Haufen, da kann niemand verlangen, dass ich die mitnehme.“ Wer sich für einen großen Hund entscheidet, muss die Folgen im wahrsten Sinn des Wortes tragen – mit einer Tüte, auch wenn ein warmer Haufen in der Hand nicht schön ist.