Die Rolle ist ihm wie auf den Leib geschneidert: Heinz Koch vom Theater Neu-Ulm spielt Amandus, die Hauptrolle in „Honig im Kopf“. Amandus hat Alzheimer und ein Gehirn wie ein Bücherregal, in dem nach und nach alle Bücher umkippen, bis er gar nichts mehr weiß. „Wie fühlt sich das eigentlich an, wenn man alles vergisst?“, fragt ihn seine Enkelin Tilda. „So wie Honig im Kopf, so verklebt“, sagt Amandus.

Das Stück nach dem bekannten Til-Schweiger-Film feierte nun am Freitag im Theater Neu-Ulm Premiere. Claudia Riese hat die Bühnenfassung von René Heinersdorff nach einer Vorlage von Florian Battermann sehr gefühlvoll und mit viel Wortwitz inszeniert. Die Tragikomödie kommt auf der Bühne leiser und sanfter daher als der Film, aber mindestens genau so lustig.

Das liegt auch an der Schauspielkunst von Heinz Koch, der mit 73 Jahren und nach einem Herzinfarkt im Oktober nun wieder auf der Bühne steht. Er gibt einen authentischen Demenzkranken, der sich im Laufe des Stücks immer verzweifelter an seine alten Erinnerungen und ein Fotoalbum klammert, während seine Krankheit weiter und weiter fortschreitet.

„Wenn es mir gelingt, Opa eine Aufgabe zu geben und er das Gefühl hat, dass ich ihn ganz doll dafür brauche, wird er vielleicht wieder gesund“, denkt sich seine Enkelin Tilda, die Laura Becker gekonnt kindlich auf die Bühne bringt. Intuitiv macht das Mädchen im Umgang mit der Krankheit vieles richtig, und voller Tatendrang unternimmt sie mit ihrem Opa eine Reise nach Venedig, während ihre Eltern Sarah und Niko, gespielt von Helga Reichert und Markus Streubel, aufgeregt nach den beiden suchen.

Traurig, aber kurzweilig

Was traurig klingt, ist erfrischend leicht und kurzweilig inszeniert. „Freude ist das Düngemittel Nummer eins, damit das Gehirn wachsen kann“, heißt es im Stück, und das wird auf der Bühne auch so umgesetzt. Durch Amandus’ Vergesslichkeit entstehen lustige Verwechslungen – zum Beispiel kürzt er die Hecke nicht um 10 Zentimeter, sondern auf 10 Zentimeter – und neue Wortschöpfungen. „Machen Sie einen Termin mit meiner Sekretantin, äh, Assistärin“, sagt Amandus zu einem Arzt, von dem er sich nicht untersuchen lassen will.

So vereint Heinz Koch in einer anspruchsvollen Rolle Tragik und Komik gleichermaßen. Er backt die Schuhe seiner Schwiegertochter, stibitzt die Pistole eines Polizisten und erfindet immer wieder amüsante Ausreden. „Wie alt ist ihre Enkelin?“, fragt ihn der Arzt. Darauf Amandus: „Ach, die hat noch ganz viel vor sich.“ So bleibt die Inszenierung von „Honig im Kopf“ bis zum Schluss bewegend und unterhaltsam.

Info Nächste Aufführungen: 21, 22. und 23. Februar, 20 Uhr.