Rassismus Diskussion um Özil: „Hochgehypt und auf eine Person fixiert“

Über ihn wird aktuell viel diskutiert: Mesut Özil.
Über ihn wird aktuell viel diskutiert: Mesut Özil. © Foto: Uwe Anspach
Ulm / ruk, cl 24.07.2018
Was sagen Ulmer mit türkischen Wurzeln zur Debatte um Fußball-Nationalspieler Mesut Özils Rücktritt?

Gesprächspartner zur politischen Debatte rund um den Rücktritt von Mesut Özil aus der Fußball-Nationalmannschaft zu finden, erweist sich als schwierig. Der Vorsitzende der Ditip-Moschee will sich zu Politik nicht äußern, ebenso wenig der Vorstand des SC Türkgücü Ulm.

Vollkommen hochgehypt und völlig unangemessen auf eine Person fixiert – so wertet Haydar Süslü die Debatte. Dass die Integrationspolitik nicht oder nur in Teilen funktioniert, weiß der Ulmer SPD-Stadtrat nur zu gut. Darauf hat er immer wieder hingewiesen, „gerade bei türkisch-stämmigen Mitbürgern, die hier aufgewachsen sind“. Özils Rechtfertigungsversuche könne er zwar verstehen, sagt der Mediziner. Dass er seine Wurzeln nicht verleugnen wolle, dass er Respekt vor dem Amt des Staatspräsidenten zeigen wolle. Das alles rechtfertige aber nicht Özils Kardinalfehler: „Aus welchen Gründen er sich wohl mit der Person des Staatspräsidenten ablichten lässt, wo es doch demokratische Rechte hier wie dort gibt, ist mir unerklärlich.“

Dass der Mittelfeldspieler von Arsenal jetzt für die vergeigte WM verantwortlich gemacht wird, sei geradezu heuchlerisch. Der DFB wolle eigene Fehler kaschieren. Und Özils Vorwurf des Rassismus? Im Kern treffe er den derzeitigen Trend großer politischer Mehrheiten wie der CSU und AfD mit ihren Vertretern der Abschottungspolitik und unmenschlichen Flüchtlingspolitik.

„Migranten werden benachteiligt“

Ähnlich sieht das Hüseyin Senol von der türkischen Zeitung Merhaba. „Es stimmt, dass Migranten benachteiligt werden“, findet er. Özils Kritik sei gerechtfertigt. Einerseits. Andererseits findet er, dass der Fußballer sich ruhig früher zu dem Thema hätte äußern können. Senol kritisiert auch das Foto der Spieler Özil und Gündogan mit Erdogan, vor allem, weil es so kurz vor der Wahl in der Türkei aufgenommen wurde. „Bis dahin hat er sich nie politisch geäußert. Man sollte auch auf Menschenrechte achten.“

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