Musical „Gut oder gar nicht“

Heute das letzte Mal in „Rock of Ages“: Sascha Lien und Andreas von Studnitz.
Heute das letzte Mal in „Rock of Ages“: Sascha Lien und Andreas von Studnitz. © Foto: Jean-Marc Turmes/Theater Ulm
Ulm / Von Helmut Pusch 21.07.2018

Heute geht die letzte Vorstellung des Musicals „Rock of Ages“ über die Bühne des Theaters Ulm. Wenn der Vorhang fällt,  endet nicht nur die Spielzeit, sondern auch die Zusammenarbeit des scheidenden Intendanten Andreas von Studnitz mit Großsponsor Walter Feucht.

Der Backmittelhersteller ist nicht nur ein Rock-Fan, er treibt auch selbst eine Tournee- und Musicalfirma um, ist also ausgewiesener Fachmann mit besten Kontakten. Und die stellt er seit Jahren dem Theater Ulm zur Verfügung, er ermöglichte mit teils sechsstelligen Summen Produktionen wie „Hair“, „Rocky Horror Show“ oder eben jetzt „Rock of Ages“, das in Ulm überhaupt das erste Mal auf einer deutschen Bühne zu sehen war – und alle Rekorde brach. Die 17 Vorstellungen waren restlos ausverkauft: „Ich habe teilweise meine eigenen Karten verschenkt an Leute, die das Stück unbedingt sehen wollten, und habe mir die Vorstellungen dann von der Tonkanzel aus angeschaut“, erzählt Feucht, der sich „todsicher“ ist, dass man auch weitere 20 Vorstellungen an den Mann gebracht hätte.

Beste Zutaten

Die Gründe dafür? „,Rock of Ages’, das sind einfach tolle Songs, das Stück ist eine wunderbare Persiflage aufs Rock-Business,  die Besetzung ist einfach klasse, wir haben die besten Darsteller nach Ulm geholt, die teils richtig dick aufgetragen haben, und die Band Ariane Müllers ist toll.“ Kein Wunder, dass Feucht längst darüber nachgedacht hat, wie es mit der Produktion weitergehen könnte.

Eine Tournee scheidet nach dem Stand der Dinge aus. Die Rechte dafür hat sich BB Promotions gesichert, einer der Branchenriesen, der nach Informationen Feuchts das Stück in einer englischsprachigen Version auf Tournee schicken will. Was der Ulmer angesichts der höchst gelungenen deutschen Übersetzung, die in Ulm gefeiert wurde,  kritisch sieht. „Na ja, vielleicht stehen die Rechte dann bald wieder zur Disposition“, sagt Feucht. „Das letzte Wort ist da sicher noch nicht gesprochen.“

Und eine Wiederaufnahme in Ulm? „2019 spielt das Theater Ulm ,Evita’ auf der Wilhelmsburg“, sagt Feucht. Ein Gespräch mit dem neuen Intendanten Kay Metzger sei zwar geplant, stattgefunden habe es bislang aber noch nicht, sagt Feucht, der sich gut vorstellen kann, auch mit dem neuen Intaendanten zu kooperieren, „wenn die Chemie stimmt“ und wenn man sich über die Stücke einigen könne. „Ich liebe eben diese rockigen Musicals. Da waren Andreas von Studnitz und ich auf einer Wellenlänge. Natürlich hat’s bei uns auch mal gekracht. Aber grundsätzlich waren wir uns einig.“

Blick in die Zukunft

Und wenn die Ansichten über die Stücke zu weit auseinanderklaffen? Dann kann sich Feucht vorstellen, die Wilhelmsburg ohne das Theater zu bespielen – vielleicht mit einer Wiederaufnahme von „Rock of Ages“. Feucht schweben aber auch andere Stoffe vor, die „wie für die Burg geschrieben sind“.

Welche das sind, will er nicht verraten. Doch wer Feucht kennt, weiß, dass er mit dem Komponisten Frank Wildhorn gut befreundet ist. Zudem ist Feucht ein Fan von Thomas Borchert, der in „Rock of Ages“ die Rolle des alternden Stars Stacee Jaxx singt. Wildhorn hat Borchert seinen „Graf von Monte Christo“ auf den Leib geschrieben. Und was passt besser als Kulisse zu Dumas’ Geschichte eines Unschuldigen, der im Kerker des Chateau d’If auf Rache sinnt, als die Mauern einer Zitadelle?

Wie es auch mit den Musicals in Ulm weitergeht, eines steht für Feucht fest. „Die Leute, die Musicals mögen, sind verwöhnt. In diesem Genre sind Top-Ausstattung, Top-Sound und brillante Solisten der Standard.“ Das sei mit den Bordmitteln eines Stadttheaters nicht zu stemmen. Und da kommt eben der Sponsor und Branchenkenner Feucht ins Spiel, und dessen Motto lautet: „Gut oder gar nicht.“

Letzte Chance in Niederösterreich

Das Stück „Rock of Ages“ ist ein so genanntes Jukebox-Musical, um dessen populäre Hits der 80er Jahre Chris D’Arienzo eine Handlung konstruiert hat. Die deutsche Fassung stammt von Holger Hauer.

Darsteller Für „Rock of Ages“ hat das Theater Ulm eine ganze Reihe illustrer  Musicalstars verpflichtet wie etwa Sascha Lien (Drew), Navina Heyne (Sherrie), Thomas Borchert (Stacee) und Henrik Wager (Lonny).

Erstaufführung Die Ulmer Produktion war die erste Inszenierung auf einer deutschsprachigen Bühne. Bis 11. August wird das Stück auch noch beim Musical-Sommer im niederösterreichischen ­Amstetten gezeigt.

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