Operette „Flühlingslollen“ mit Schuhplattler

Eine herzige Operette von Robert Stolz.
Eine herzige Operette von Robert Stolz. © Foto: Jochen Klenk
Ulm / Christa Kanand 06.06.2018
Der Jugendclub Musiktheater am Theater Ulm landet mit „Prinzessin Ti-Ti-Pa“ im Podium einen Riesenerfolg.

Muffig, angestaubt? Von wegen! Dem Jugendclub Musiktheater am Theater Ulm und Operetten-Fachmann Benjamin Künzel ist einmal mehr eine gewitzte Ausgrabung gelungen, quasi mit Erfolgsgarantie: Frech, aufmüpfig, rasant erweckte Künzels Fassung 90 Jahre nach der Uraufführung die vergessene Operette „Prinzessin Ti-Ti-Pa“ zu neuem Leben. Und prompt zündete die Musik von Robert Stolz, einem legendären Meister der „silbernen Operettenära“ zwischen den beiden Weltkriegen.

Haarscharf balanciert „Prinzessin Ti-Ti-Pa“ zwischen ironischer Unterhaltung und drall-derber Klamotte, zwischen Operettenklamauk und Komödiantenstadl. Großartig das Panoptikum der Charaktere im turbulenten Auf und Ab, die Lust am Grotesken,  die treffsichere Parodie und Travestie. Herrlich, wie Prachtkerl Laurens Gujber mit strammen Waden die Mutter verkörpert und Nora Rothfuchs in einer Paraderolle mit Machogehabe den schwergewichtigen Blasius, den Onkel von Hans (Leon Spachmann). Letzterer trifft als schnieker Kapitän seine Jugendliebe Maria ( Mirjana Doering) wieder. Dass auch ihre Mutter den gleichen Vornamen trägt, lässt das Verwirrspiel eskalieren.

Aufgedreht, aber nicht überdreht spielt das 20-köpfige Ensemble, teils in Mehrfachrollen, mit Verve und Schmackes. Revueartige Tanzeinlagen, spritzige Dialoge, Schauspiel- und staunenswerte Sangeskünste im Chor oder in Solo-Nummern (musikalische Leitung: Helen Willis)  bereiten in Künzels Inszenierung der Operetten-Trouvaille einen Heidenspaß. Zum quietschbunten Ausstattungs- und Kostümstil der 20er-Jahre (Mona Hapke) passt Robert Stolz’ süffiger Cocktail aus Jazz und Swing, Charleston, Foxtrott und Wiener Schmalz. Schmissig arrangiert, legt sich im Bühnenhintergrund das  Orchester des Jugendclubs unter Pianist Philipp Solle mitreißend ins Zeug.

Wer mit wem? Alle suchen die Liebe, auch zwei Lesben, das urkomische Schwabentruscherl Pauline ( Laetitia Kleinhans) oder  die beiden siamesischen Prinzessinnen Ti-ti-pa und Mi-ni-ba, die als „Flühlingslollen“ mit  Schuhplattler und Schimpfkanonaden die beiden Kellner-Schürzenjäger zur (Ehe-)Räson bringen. Es wird gebaggert, versprochen, gelogen und betrogen. Nach Irr- und Umwegen kriegen sie sich alle am Ende; im Traumland der Operette ist das so. Da kannte das Premierenpublikum nach 90 Minuten kein Halten: Standing Ovations. Die Operette, sie lebt!

Info Weitere Aufführungen von „Prinzessin Ti-Ti-Pa“ im Podium am 8., 14., 20., 28. Juni; am 4., 5., 7. und 13. Juli, jeweils 19.30 Uhr.