Ulm / VERENA SCHÜHLY  Uhr
6,4 Millionen Euro hat der Neubau fürs Gymnasium St. Hildegard gekostet. An der Schau-Fassade zur Zinglerstraße hin prägt ihn ein riesiges Bild der Namenspatronin. Am Freitag wird die Einweihung gefeiert.

Diese Fassade fällt ins Auge: Ein Glasbild, 13 mal 18 Meter groß, mit einer leicht verfremdeten Heiligen Hildegard in verschiedenen Grau-Tönen. "Wir haben damit für das katholische Schulzentrum einen eindeutigen öffentlichen Auftritt geschaffen", sagt Daniel Meister, der als Architekt für den Neubau verantwortlich war. In dem Mädchen-Schulzentrum, das seit fast sieben Jahren umgebaut wird, ist jetzt eine weitere Etappe geschafft. Der dritte Bauabschnitt ist abgeschlossen, die Einweihung wird am Freitag gefeiert, anschließend ist Tag der offenen Tür.

Entstanden ist zur Zinglerstraße hin ein großer Neubau fürs Gymnasium: In dem sechsgeschossigen Gebäude befinden sich zwölf Klassenzimmer, zwei Musiksäle, die Verwaltung, die Aula samt Kapelle. Das Gebäude wirkt trotz seines Volumens nicht wie ein Klotz, sondern ist durch viele Vor- und Rücksprünge gegliedert. Dem Sichtbeton, der das Äußere neben den breiten Fensterbändern prägt, stehen im Inneren warme Materialien wie Holz, Linoleum und Kalkstein entgegen.

Mit Beginn des Schuljahrs hat das Mädchen-Gymnasium die neuen Räume bezogen. "Das Gerüst ist aber erst dieser Tage weggekommen", berichtet Schulleiter Karl Jucker. Er ist froh, dass jetzt kurzzeitig Ruhe einkehrt - denn der vierte und letzte Bauabschnitt des verwinkelten Schulzentrums zwischen Römer- und Zinglerstraße wartet schon: Sanierung und Umbau des bisherigen Gymnasiums. Ein Teil davon wird abgerissen. Die Hildegard-Grundschule hat 110 Schülerinnen, die Realschule rund 500 und das Gymnasium rund 680.

6,4 Millionen Euro hat der Neubau gekostet, der an Stelle des früheren Konventbaus der Franziskanerinnen von Bonlanden entstanden ist. Der Orden hat die Schule gegründet und ist heute noch Schulträger. Eigentlich war geplant gewesen, den Konventbau zu sanieren, aber dessen Gebäudesubstanz erwies sich als marode. Also wurden die Pläne geändert. "Durch den Neubau konnten wir größer planen, aber es ist auch teurer geworden", sagt Jucker. Von den 6,4 Millionen zahlt die Stadt Ulm 1 Million Euro als Zuschuss, das Land übernimmt 1,6 Millionen Euro, 750.000 Euro sind Eigenanteil und 3 Millionen werden über Darlehen finanziert. Für alle vier Bauabschnitte beträgt der Finanzrahmen 20 Millionen Euro, der wird laut Jucker nach aktuellem Stand eingehalten.

Im Juli 2015 geht der Rektor in den Ruhestand, bis dahin hätte er die Generalsanierung gern abgeschlossen. Dann hätte er neun Jahre die Baustelle gemanagt, die Ordner mit den Bauplänen füllen viele Regalmeter in seinem Büro. Jucker: "Eigentlich hätte Schulleitung allein auch gereicht. In der Pädagogik ist ja auch vieles im Fluss."

Doch nicht nur äußerlich gibt es Veränderungen im katholischen Schulzentrum zu vermelden, denn am Freitag bekommt St. Hildegard als erste Schule der Stadt das Siegel "Fairtrade-School" verliehen. Die Stadt Ulm, die sich um den Titel "Fairtrade-Stadt" bemüht, braucht dazu auch eine Schule. "Als unsere Schülermitverantwortung (SMV) gelesen hat, was dafür nötig ist, hat sie festgestellt: ,Die Anforderungen erfüllen wir ja schon ", berichtet Jucker. Das SMV-Fairtrade-Team setzt sich seit Jahren für Produkte ein, bei denen man sich sicher sein kann, dass die Produzenten gerecht entlohnt werden. Entsprechend sind die Lebensmittel-Automaten im Schulzentrum bestückt, die Schul-Sweat-Shirts sind aus fair gehandelter Baumwolle, es werden Recyclingpapier und fairer Kaffee verwendet. Jetzt freut sich die SMV, dass ihre Bemühungen offiziell Früchte trägt.

Tag der offenen Tür