"Die Krim ist ur-russisch. Es war doch ein besoffener Mann, der sie der Ukraine geschenkt hatte", stellt der in Sewastopol geborene Boris Yegudin fest, der größten Stadt auf der Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer. Der "besoffene Mann", von dem er spricht, war Ministerpräsident Nikita Chruschtschow, der 1954 die Krim aus dem Besitz der Russischen an die Ukrainische Sowjetrepublik übertragen hatte. Dass sich die Krim nach dem Referendum seiner Bewohner am Sonntag für selbstständig erklärt hat und am Dienstag bereits ins russische Staatsgefüge eingegliedert worden ist, hält Yegudin für eine glückliche Fügung. "Meine Kinder leben in Sewastopol", erzählt er. Deshalb sei er über die Lage informiert. "Die Rückkehr nach Russland wurde überall in der Stadt gefeiert. Russische Fahnen wehten, Menschen sangen selbst in Überlandbussen russische Lieder."

Yelena Eismont stammt aus Kiew, der Hauptstadt der Ukraine. Nicht nur aus der räumlichen Distanz zur Krim sieht sie die jüngste Entwicklung differenzierter. Dass die Krim zu Russland gehört, ist auch für sie klar. Den Weg zur Wiedervereinigung hält sie aber für falsch. "Ich hätte nichts gegen ein Referendum gesagt, das auf Grundlage sachlicher Information und Abwägen der Alternativen zustande gekommen wäre und das in ruhigen Bahnen verlaufen wäre". Das alles sei aber nicht geschehen. Das ukrainische Fernsehen sei während der zurückliegenden Tage auf der Krim nicht empfangbar gewesen. Die ausschließliche russische Propaganda habe schlussendlich gewirkt. Die russische Darstellung, dass das aktuelle ukrainische Parlament von Rechtsextremen dominiert werde, hält sie für eine Lüge. Richtig sei aber, dass ein Teil der Demonstranten, die aus der Westukraine nach Kiew gekommen waren, "stark nationalistisch" aufgetreten sei.

Mit diesem nationalistischen Gedankengut hat auch Vera Joukova aus Tscherkassy, einer Stadt 200 Kilometer südlich von Kiew, ihre massiven Probleme. "Einmal", so erzählt sie, "fühlte ich mich total am Boden". Ein ukrainischer Journalist habe in Kiew verkündet, dass Russen und Ukrainer "genetisch zwei verschiedenen Völkern" angehörten. Lange habe sie mit ihm diskutiert. "Er ließ sich nicht von seiner Meinung abbringen." Joukova versteht das Streben der Menschen aus der Westukraine. Das Land, in dem sie leben, gehörte jahrhundertelang zu Polen und anschließend - zum Teil - bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zu Österreich-Ungarn. "Sie wollen nach Europa."