"Echte Ausschreibung"

LENA GRUNDHUBER 26.09.2012
Dagmar Rinker geht nach Gmünd, und schon beginnt die Suche nach dem Neuen: Die Stelle des HfG-Archivleiters ist ausgeschrieben. Einstweilen wird Martin Mäntele auf den Oberen Kuhberg ziehen.

Bedauern werden es viele: Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass Dagmar Rinker sich als Leiterin des Ulmer HfG-Archivs verabschiedet, um eine Professur an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd anzutreten - und zwar bereits zum 1. Oktober. Nach 15 Jahren in Ulm übernimmt Rinker in Gmünd eine neu geschaffene Professur für Designgeschichte, Designforschung und Ausstellungstheorie im Studiengang Kommunikationsgestaltung.

Viel Zeit für Abschiedsschmerz bleibt nicht, schließlich muss die Nachfolge geregelt werden. Für die Übergangszeit steht der Plan: Martin Mäntele, bislang im Ulmer Museum für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik zuständig, wird auf den Oberen Kuhberg umziehen, um die geplante neue Dauerausstellung zur 1968 geschlossenen Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG) zu kuratieren. "Eine sehr gute und pragmatische Lösung", wie Kulturbürgermeisterin Iris Mann findet. Mäntele sei schließlich in der Thematik bewandert. Die Federführung behält Gabriele Holthuis als Direktorin des Ulmer Museums und damit auch Verantwortliche für das HfG-Archiv.

Mäntele werde zunächst wohl bis Mai bleiben. Denn Dagmar Rinkers Stelle wird neu besetzt. Zum 1. April 2013 ist sie nun als auf vier Jahre befristete Vollzeitstelle ausgeschrieben. Rinker hatte zu 75 Prozent gearbeitet, doch um qualifizierte Bewerber für diese Position nach Ulm zu locken, müsse man etwas bieten, sagt Mann. Es gebe Interessensbekundungen aus Ulm; auch dass Mäntele die Stelle übernimmt, sei "nicht ausgeschlossen", sein Posten im Museum wurde für die Zeit seiner Absenz ausgeschrieben. Der Ausgang für die Archiv-Leitung sei jedoch offen, versichert Mann: "Es ist eine echte Ausschreibung."

Wer auch immer der neue HfG-Archivleiter wird, er wird nicht zaubern können. Für die Dauerausstellung habe das Land zwar eine Unterstützung von 80 000 Euro zugesagt, sagt Mann. Neue Stellen sind damit nicht geschaffen, dafür bräuchte es eine dauerhafte, institutionelle Förderung von Land oder Bund - und danach sieht es nicht aus. "Bohren" werde man weiter, sagt Mann, die jetzt vor allem das Land in der Pflicht sieht. Einstweilen gilt eine Politik der kleinen Schritte: "Man kann resignieren oder sagen: Eins nach dem anderen."

Die Ideen aus dem Masterplan "to ulm up" zur Entwicklung des Archivs von Rinker aus dem Jahr 2009 seien aber nicht beerdigt. "Es wäre super, wenn dieser Ort ein Gewicht hätte in aktuellen Diskussionen zum Design", sagt Mann. In die gleiche Richtung, an ein "Forum" für aktuelle Designfragen, denkt Museumsleiterin Gabriele Holthuis.

Konkreter wollen - können - die beiden nicht werden. Was nach dem bereits bewerkstelligten Umzug des Archivs ins HfG-Gebäude werden könnte, so es dereinst mehr Personal und Geld gäbe, dazu enthält der Masterplan eine Reihe an Ideen - eine "ulm akademie" für Designforschung, ein Zentrum für Designpädagogik und ein Fachzentrum für Design in Kooperation mit der HfG Schwäbisch Gmünd etwa. Ein erster Schritt zu letzterem könnte der Kooperationsvertrag zwischen der Hochschule Gmünd und Ulm sein: Rinker wird Forschungs- und Ausstellungsprojekte zur Ulmer HfG anstoßen.

Alles Weitere sei abzuwarten, betont Holthuis. Der Nachfolger bekomme die Ideen an die Hand, füllen solle er sie selbst: "Wir wollen dem Neuen Luft lassen."