Digitalisierung „Digitalisierung ist Chance für alle“

Alexandra Wagner sprach im Stadthaus.
Alexandra Wagner sprach im Stadthaus. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / jkl 20.10.2018

Die Digitalisierung ist rein grammatisch gesehen weiblich. „Die Chancen der Digitalisierung stehen jedoch grundsätzlich allen zur Verfügung“, machte Alexandra Wagner, Geschäftsführerin des Forschungsteams Internationaler Arbeitsmarkt, zu Beginn ihres Vortrags im Rahmen des Frauenwirtschaftstags gestern deutlich. Sie ging damit auf das Motto der Veranstaltung im Stadthaus ein, die unter dem Titel „Die Digitalisierung ist weiblich, Substantiv, feminin“ stand.

Allein aufgrund der Digitalisierung werden sich die Geschlechterkulturen nicht ändern. „Wer das glaubt, ist naiv“, stellte Wagner fest. Vielmehr müsse der Prozess als eine Gestaltungsaufgabe betrachtet werden, die den Unternehmen Möglichkeiten eröffne, bestehende Strukturen aufzubrechen. So müsse sich mithilfe von Home-Office und reduzierter Arbeitszeiten ein paritätisches Familien-Modell etablieren, in dem beide Partner den gleichen Anteil an bezahlter und unbezahlter Arbeit leisten.

Eine Tendenz in Richtung eines Personalabbaus als Folge der Digitalisierung „ist nicht erkennbar“, sagte Wagner. Vielmehr werde es zu einer „Erhöhung der Beschäftigungsdynamik“ kommen. Für Frauen wie Männer gebe es neue Betätigungsfelder etwa im MINT-Bereich oder auch in den sozialen Berufen, hingegen fielen Bürotätigkeiten oder Arbeiten an Maschinen weg. Um die Vorteile der Entwicklung zu nutzen, müssten Unternehmen die Technik als Werkzeug verstehen, worüber immer noch der Mensch die Steuerungshoheit hat. „Es braucht eine Aufwertung und Anreicherung der Tätigkeiten“, ansonsten komme es zu körperlichen wie psychischen Belastungen für die Beschäftigten, ist Wagner überzeugt.

Die Auswirkungen der Digitalisierung hat der Deutsche Gewerkschaftsbund erhoben. So haben 46 Prozent der Befragten das Gefühl infolge der neuen Techniken während der Arbeit stärker überwacht zu werden. „Daraus entwickelt sich ein höherer Erfolgsdruck, der zu Höchstleistungen antreibt und letztlich die Gesundheit gefährdet.“

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