Kirche Crowdfunding für Basilika-Orgel in Wiblingen

„Da fehlt was“: Das ist Dekan Ulrich Kloos gleich aufgefallen, als er das erste Mal die Empore der Wiblinger Basilika anschaute. Richtig, die Orgel fehlt. Das soll sich ändern.
„Da fehlt was“: Das ist Dekan Ulrich Kloos gleich aufgefallen, als er das erste Mal die Empore der Wiblinger Basilika anschaute. Richtig, die Orgel fehlt. Das soll sich ändern. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Beate Rose 09.03.2018
In der Wiblinger Basilika fehlt die Hauptorgel. Um das zu ändern, nutzt Dekan Ulrich Kloos sogar Crowdfunding.

Die große Orgel ist noch nicht aufgestellt und wird ungemeine Summen kosten.“ Das notierte der Benediktinermönch Johann Nepomuk Hauntinger über die Wiblinger Basilika in seinem Buch „Reise durch Schwaben und Bayern im Jahr 1784“. Als Hauntinger diese Zeilen schrieb, war die Kirche in der Klosteranlage gerade mal ein Jahr zuvor  eingeweiht worden.

Nur: An der Tatsache, dass die Hauptorgel fehlt, hat sich bis heute nichts geändert. Auf der Empore, wo sie vorgesehen war, gleich hinter den Statuen der Apostel Judas Thaddäus und Matthias ist – nichts. Gut, abgesehen von einer hölzernen Tribüne, von der aus gelegentlich Bläser beim Gottesdienst spielen.

Als Ulrich Kloos, seit 2014 Pfarrer an der Wiblinger Basilika, zum ersten Mal in seine neue Kirche ging, war sein Eindruck von der Empore: „Da oben fehlt was.“ Ein Orgelsachverständiger der Diözese Rottenburg-Stuttgart kam in einem Gutachten von 2016 zum gleichen Schluss: „Der Kirche fehlt die Hauptorgel“, schreibt er. Es gibt zwar dort eine im Chorraum – gedacht für die Mönche, die dort beteten – doch ihr Klang ist im Kirchenschiff nur indirekt zu hören.

Geldsammeln übers Internet

Im November 2015 gründete sich der Orgelförderverein Ulm-Wiblingen, Kloos ist der Vorsitzende. Der Verein organisiert rege Sammelaktionen, denn die geschätzten Kosten der Orgel betragen 850.000 Euro. Die jüngste Aktion: Crowdfunding, also Geldsammeln übers Internet. Die Idee dazu kam von der Volksbank.

Mittlerweile kennt sich Kloos mit der Schwarmfinanzierung aus. In einer ersten Phase, der „Fan-Phase“ mussten sich 100 Unterstützer auf einer Homepage registrieren. Dann mussten innerhalb von 100 Tagen die Spender mindestens 8500 Euro zusammenbringen, wobei die Höhe der Einzelspenden jedem selbst überlassen war. Für Kloos eine Aktion, die zeigt: „Gemeinsam schafft man mehr als allein.“ Die Bank wollte auf jede Erstspende zehn Euro drauflegen, wenn denn der Betrag von 8500 Euro erreicht wird. Alles hat geklappt: Spenden in Höhe von 11.000 Euro sind eingegangen, die Bank hat auf 15.000 Euro aufgestockt. „Ein guter Betrag“, sagt Kloos. Er ist mehr als zufrieden und erzählt davon, dass er jetzt nicht nur weiß, was Crowdfunding ist, sondern seinen ersten Youtube-Film gedreht hat, um auf die Orgel aufmerksam zu machen. Fürs Instrument hat der Verein inzwischen 230.000 Euro auf dem Konto.

Für Kloos ist die Orgel ein persönliches Anliegen. Denn: „Musik tut uns gut, baut uns auf.“ Was es für Unterschiede beim Klangbild gibt, „das hab’ ich erst verstanden, nachdem ich Orgelfahrten gemacht habe“. Er suchte mit Mitgliedern des Fördervereins Kirchen zwischen München und Heidelberg auf. Die Orgel in der Wiblinger Basilika soll sich in den „hellen Kirchenraum“ einfügen und ein zartes Klangbild haben.

Eines steht für Kloos außer Frage: „Die Orgel kommt, ganz sicher.“ Nur wann ist die Frage.

Die Kirche und das nächste Benefizkonzert

Baustil Die ehemalige Klosterkirche St. Martin ist im klassizistischen Stil gebaut, als Herzstück des spätbarocken Klosters Wiblingen. Dass die Hauptorgel fehlt, liegt wohl an den Wirren der Säkularisation und der Auflösung des Klosters vor über 200 Jahren – damals wurde die Anlage kurze Zeit als württembergischer Herzogswohnsitz genutzt, später als Kaserne.

Konzert Ein festliches Benefizkonzert zugunsten der Orgel wird am Sonntag, 6. Mai, in der Basilika gegeben, unter Leitung von Tobais Schmid.

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