Theater „Der Sturm“ in Illertissen: Versöhnung statt Rache

Gertrud Menzel als rappender Caliban.
Gertrud Menzel als rappender Caliban. © Foto: Daniel Scheffold
Christa Kanand 09.08.2017
„Der Sturm“: Die Schwabenbühne Roth- und Illertal zieht open air am Vöhlin-Schloss das Publikum bravourös in Shakespeares Bann.

Sturm peitscht, angefacht von Prosperos Zauberkraft, übers Meer. Mit Hilfe seines Luftgeists verläuft alles nach Plan. Prospero lässt das Schiff mit seinem verhassten Bruder, der ihn einst als Herzog von Mailand entmachtet und vertrieben hat,  zusammen mit König Alonso vor seiner Insel kentern. Hier lebt er mit Tochter Miranda, Untertan Ariel und dem versklavten Hexensohn Caliban, den in der Illertisser Version von Shakespeares „Der Sturm“ Gertrud Menzel r-rollend und rappend verkörpert. Die Schiffbrüchigen, die einander tot glauben, irren über die Insel, deren Kulisse die Freilichtbühne am Vöhlin-Schloss mit Drehbühne, Teich, Haus und aufgeschüttetem Sandstrand gibt.

Prospero hat durch Ariel – Ralf Ziesche und sein zwölfjähriger Sohn Philipp in Glanzrollen – eine Versuchsanordnung inszeniert, die jeden der Protagonisten mit  eigenen Abgründen aus  Gier, Neid, Trug, Macht- und Rachegelüsten konfrontiert. Sein Triumph scheint nah. Oder soll er seinen Widersachern Frieden und Vergebung schenken, soll Gewalt der Menschlichkeit weichen?

Ausdrucksstark und textsicher ziehen die Figuren im 60er-Jahre-Look die rund 270 Besucher auf der überdachten Tribüne  in den Bann des weisen, 1611 fünf Jahre vor Shake­speares Tod uraufgeführten Klassikers. Nach dessen Maxime „Das Leben ist eine Bühne“ gelingt Markus Bartl (Regie) und Philipp Kiefer (Ausstattung) mit dem 25-köpfigen Schwabenbühnen-Ensemble eine bravouröse, zeitlos gültige Interpretation: Theater als Navigationshilfe fürs Leben.

Nach dem Theater-im-Theater-Motiv vermischen sich Tiefgang, Dramatik, Action, eingespielte Musik  mit Slapstick, bekannten Shake­speare-Zitaten und Wortwitz. Die herzige Liebe zwischen der feschen Miranda (Daniela Dirr) und dem glückseufzenden Königssohn (Philip Müller),  die versoffenen Matrosen Trinculo und Stephano und der treue Hofmann Gonzalo (Franziska Lange) mit seinen tatterigen Kumpanen lassen schmunzeln. Dem Schlussmonolog folgt begeisterter Premierenapplaus.

Info Nächste Aufführungen: Mittwoch bis Samstag, je 20.30 Uhr.