Neu-Ulm "Der sexy Charme von nackten Zahlen"

Dieser Aktenordner voll mit Zahlen hat Stadträte interessiert, die Neu-Ulmer Bürger aber nicht. Foto: Matthias Kessler
Dieser Aktenordner voll mit Zahlen hat Stadträte interessiert, die Neu-Ulmer Bürger aber nicht. Foto: Matthias Kessler
Neu-Ulm / EDWIN RUSCHITZKA 12.02.2013
Abhaken und vergessen. Die Info-Veranstaltung zum Haushalt der Stadt Neu-Ulm war ein Rohrkrepierer. Kaum jemand zeigte Interesse.

Unterm Strich waren es am Freitagabend, 20 Uhr, im kleinen Saal des Edwin-Scharff-Hauses ein gutes Dutzend Neu-Ulmer: vier Vertreter aus der Stadtverwaltung einschließlich Oberbürgermeister Gerold Noerenberg und Kämmerer Berthold Stier, drei Stadträte, dazu zwei Parteifunktionäre, immerhin zwei Vereinsvertreter und - sagenhaft - auch zwei "normale" Bürger. Nur selten war somit eine Bürgerinformationsveranstaltung der Stadt Neu-Ulm schlechter besucht als diese.

Und so orakelte OB Noerenberg im fast leeren Saal über die Gründe des Fernbleibens: "Ist es das Wetter? Ist es der Fasching? Oder liegt es am sexy Charme von nackten Zahlen?" Kämmerer Stier jedenfalls zog seinen mit Schaubildern versehenen Vortrag eisern und mit aller Ernsthaftigkeit durch. Fragen am Ende? Fehlanzeige!

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, war diese Veranstaltung auch nichts anderes als ein fauler Kompromiss. FDP-Stadtrat Alfred Schömig hatte vor zwei Jahren unter dem Stichwort "Bürgerhaushalt" die Idee, dass die Stadt ihre Bürger vor (!) den Haushaltsberatungen mit einbezieht. Also stellte Schömig einen entsprechenden Antrag, der aber nicht mehrheitsfähig war. Und so verständigte man sich in diesem Jahr auf eine Informationsveranstaltung. Den Termin indes setzte allein die Stadtverwaltung fest: am Faschingsfreitag im doch entlegenen Edwin-Scharff-Haus. Von der anderen Donauseite schallte währenddessen die Guggamusik vom Hemdglonkerumzug herüber.

"Ein Anfang ist gemacht", bemühte sich Schömig gestern, wenigstens einen kleinen positiven Aspekt zu nennen. Etwas dämlich sei es schon, die Bürger erst nach den Etatberatungen zu informieren. In der Tat hatten sich die Fachausschüsse des Stadtrats zuvor in mehreren zuweilen quälenden Sitzungen durch das opulente Zahlenwerk gekämpft. Vorsätze zum Sparen gab es einige, letztendlich war es dabei geblieben. Das nächste Highlight steht schon an: Am Mittwoch, 20. Februar, wird der Stadtrat den Haushalt 2013 ganz offiziell verabschieden. Und dabei steigen von jeder Fraktion die Haushaltsexperten in die Bütt. Wobei der Fasching dann aber längst vorbei ist . . .