Ulm / Helmut Pusch  Uhr
102 Orte, 500 Mitwirkende und das alles für zehn Euro Eintritt. Am 16. September starten die Ulmer und Neu-Ulmer in die neue Saison.

Lyrik hoch zu Ross. Mieter eines Hauses,  die Bierdeckel gestaltet haben und sie in der Olgastraße 141 zeigen. Eine WG in der Zeitblomstraße, die  ihre Wohnung mit Performances bespielt. Alfred und Eka Bradel schütten auf einem 150 Quadratmeter großen Vlies vor dem Kunstverein Farbe aus. Ein etwas anderer Heimatfilm läuft im Künstlerhaus, ein Rockfestival mit acht Bands im Hexenhaus.  Und im Kursiv-Bildungszentrum in der Neu-Ulmer Augsburger Straße steht die Religion zum Verkauf. Das sind nur ein paar Beispiele aus insgesamt 125 Veranstaltungen, die rund 500 Künstler an 102 Orten am 16. September bei der Kulturnacht in Ulm/Neu-Ulm bieten.

 Dieses Jahr findet sie zum 17. Mal statt. Und auch wenn die Zahl der teilnehmenden Institutionen und  Künstler seit einigen Jahren konstant geblieben ist: „Das Angebot ist doch jedes Jahr ein anderes“, sagt Christian Pfeifer vom Ulmer Kulturamt. „Jedes Jahr wechseln etwa 15 Prozent der Anbieter. Die einen setzen mal aus, dafür kommen andere dazu.“ Neu ist auch der Neu-Ulmer Kunstraum Putte, in dem die Organisatoren gestern das Programm der Kulturnacht vorgestellt haben. Der von der Stadt Neu-Ulm unterstützte Projektraum für zeitgenössische Kunst ist erst im Frühsommer eröffnet worden.

Das Organisationskomitee zeichnet auch verantwortlich für das Programmheft, das in einer Auflage von 55 000 Exemplaren jetzt in allen Kultureinrichtungen der Doppelstadt und in der Region ausliegt. 100 Seiten ist es stark, 50 widmen sich den Aktionstag „Ohne Auto mobil“, der schon von Beginn an mit der Kulturnacht zusammen stattfindet, 50 sind der Kulturnacht vorbehalten. Und das macht Sinn. Wer auf gut Glück bei der Kulturnacht umherschlendert, hat sicher seinen Spaß, läuft aber Gefahr, dass er manche interessante Darbietung versäumt.

Damit das nicht geschieht, haben die Kulturnachtmacher sich einiges einfallen lassen. Das Programm ist nach einzelnen Stadtbezirken aufgeteilt, die Öffnungszeiten der Anbieter sind anschaulich in einem eigenen Schaubild dargestellt. Auf der Homepage der Kulturnacht kann man sich einen persönlichen Fahrplan für seinen Kulturnacht-Trip zusammenstellen und ausdrucken. Die  mobile Homepage fürs Smartphone erkennt, wo man sich gerade befindet, macht Vorschläge, was gerade in der Nachbarschaft geboten ist, und zeigt auch, wo und wann die nächsten Shuttle-Busse starten. Schließlich machen auch Anbieter mit, die nicht gerade im Zentrum der beiden Städte liegen – wie etwa die Walther-Collection in Burlafingen.

Gerade mal zehn Euro kosten die Eintrittsarmbänder, die an allen Veranstaltungsorten verkauft werden. „Wir halten den Betrag bewusst niedrig, denn jeder sollte sich das leisten können“, sagt Sebastian Huber von der Ulmer Kulturverwaltung – auch Flüchtlinge. „Wir haben dieses Jahr die grundlegenden Informationen auf unserer Homepage  ins Englische übersetzt.“ Außerdem hat die Kulturloge, die Kulturangebote auch für Einkommensschwache zugänglich macht, bislang schon 60 Tickets angefordert. Der Flüchtlingsrat hat weitere 20 Karten für Ehrenamtliche erhalten,  die mit den von ihnen betreuten Gruppen ebenfalls freien Eintritt haben. „Kultur erleichtert den Kontakt“, sagt der Neu-Ulmer Kulturamtsleiter Ralph Seiffert. Und deshalb stehe die Kulturnacht ja auch Künstlern aus anderen Ländern offen.

„Kunst tut gut“

Kunst und Kultur können aber auch ganz anders helfen: Unter dem Motto „Kunst tut gut“ verkauft  Otmar Hörl in der Galerie der SÜDWEST PRESSE in der Olgastraße serielle Skulpturen zugunsten der Aktion 100 000 und Ulmer helft. Und natürlich sind auch die großen Häuser bei der Kulturnacht  mit von der Partie: Die vh bietet einen ganzen Mix aus Veranstaltungen, das Theater lädt wieder ins Labyrinth, lässt also die Besucher einen Blick hinter die Kulissen werfen. Die Ausstellungshäuser und Museen bieten neben Führungen auch Musik an. Nur eine Institution fehlt, deren Innenhof immer einer der Hotspots der Kulturnacht war: das Edwin-Scharff-Museum. Es wird derzeit noch umgebaut.

Gratis-Busse und Hilfen aus dem Internet

Anfahrt Die Kulturnacht findet in Kooperation mit dem Aktionstag „Ohne Auto mobil“ statt. Im Bereich des Nahverkehrverbunds DING und der Stadtwerke sind die Busse und Bahnen gratis. Das gilt auch für die Shuttle-Buslinien, die während der Kulturnacht auf speziellen Linien fahren.

Kinderprogramm Viele Veranstaltungsorte bieten von 15 Uhr an spezielle Kinderprogramme an. Im Flyer der Kulturnacht sind sie mit einem „K“ gekennzeichnet.

Homepage Das komplette Programm, ein Routenplaner und eine mobile App gibt es im Internet unter www.kultur-in-ulm.de