Kriegsspital Kritik an Umbauplänen des alten Kriegsspitals

Das sei der ursprüngliche Zustand des Reduits an der Memminger Straße, sagt der Förderkreis Bundesfestung.
Das sei der ursprüngliche Zustand des Reduits an der Memminger Straße, sagt der Förderkreis Bundesfestung. © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / Von Edwin Ruschitzka 13.05.2018
Der Förderkreis Bundesfestung findet die Pläne in Neu-Ulm zum Umbaue des alten Kriegsspitals überhaupt nicht gut.

Im Neu-Ulmer Stadtrat waren alle begeistert, als das Familienunternehmen Panescu-Immobilien aus Kempten die Pläne zum Umbau des alten Kriegsspitals an der Memminger Straße vorgestellt hat. Das Gegenteil ist beim Förderkreis Bundesfestung der Fall. Der erste Vorsitzende Matthias Burger und sein Stellvertreter Michael Hartlieb befürchten, dass das alte Gebäude „unwiderrufbar zerstört wird.“

Wie Rainer Lindermayer von den f64-Architekten in Kempten den Stadträten im April erklärte, wolle der Eigentümer das Dach des ehemalig militärisch genutzten Gebäudekomplexes abtragen, darauf zwei Stockwerke setzen und insgesamt 55 Wohnungen unterbringen. Damit werde der ursprüngliche Zustand des im Zweiten Weltkriegs durch Bombenangriffe zerstören Gebäudes wieder hergestellt. Das allerdings bestreitet der Förderkreis.

„Das Gegenteil ist der Fall, denn das Gebäude sieht heute so aus wie nach dem Bau der Bundesfestung in den Jahren 1844 bis 1859. Es gehörte als Reduit zur Bastion 5 und sollte dem Rückzug der Soldaten dienen, falls der Feind den vorgelagerten Verteidigungswall überwunden hätte. Zu diesem Verteidigungsfall kam es in Ulm und Neu-Ulm nie. In Ulm, so Burger, stünden mehrere Reduits, in Neu-Ulm sei es das Einzige – und deshalb in seiner Form schützenswert.

Tatsächlich aber wurde das Gebäude 1894 umgebaut. Das Dach war abgetragen worden, darauf wurden zwei Geschosse gesetzt – und das Ganze diente als Spital und Kaserne im wilhelminischen Kaiserreich. Diese beiden also nachträglich gebauten Stockwerke sind durch Bomben zerstört worden. Nach dem Krieg hat man wieder ein Dach im ursprünglichen Zustand aufgesetzt.

Der Förderkreis Bundesfestung befürchtet, dass dieses alte Reduit nach dem Umbau nicht wiederzuerkennen ist. Es befinde sich mit Ausnahme des feuchten Kellers in einem sehr guten Zustand. Die neuen Stockwerke müssten mit Betonpfählen abgefangen werden, auch müsste man Versorgungsleitungen verlegen und Treppenhäuser einbauen. Das sei ein massiver Eingriff  in die alte Gebäudesubstanz. Das Ganze sei nicht denkmalgerecht und erinnert Burger und Hartlieb an den Umgang mit dem Proviantmagazin im Realgrund-Komplex am Jahnufer.

Was den Förderkreis stört, ist die Tatsache, dass niemand von der Stadtverwaltung mit ihm in dieser Sache gesprochen habe. „Wir haben das aus der Zeitung erfahren.“ Neu-Ulm gehe mit seinem Teil der Bundesfestung ziemlich sorglos um, klagt Hartlieb. OB Noerenberg habe beim 150-jährigen Jubiläum der Bundesfestung einen sorgsameren Umgang versprochen. „Tatsächlich aber sind in den vergangenen Jahren einige Objekte zerstört oder verändert worden.“ Und das dürfe beim Kriegsspital auf gar keinen Fall wiederholt werden.

Förderkreis benennt Neu-Ulmer Fehlentscheidungen

Geschichte Das Integrieren der Proviantamt-Magazine in das Wohnprojekt am Jahnufer, sei eine schmerzliche Entscheidung gewesen. Die Gebäude seien 2012 faktisch zerstört worden. 2014 seien Grabenmauern und die mächtigen Mauern der Eisenbahndurchfahrt in der Reuttierstraße zwar freigelegt, aber im Rahmen der Bebauung nicht erhalten worden. Im Glacispark II seien 2014 Reste eines Pulvermagazins entfernt worden. Die größte Fehlentscheidung gehe auf die 50er-Jahre zurück: der Abbruch des Augsburger Tors.

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