Inszenierung „Das Phantom der Oper“: Ein Phantom der Erwartungen

Unerwiderte Liebe: Stefanie Wessel und Philipp Landgraf im „Phantom der Oper“ im CCU.
Unerwiderte Liebe: Stefanie Wessel und Philipp Landgraf im „Phantom der Oper“ im CCU. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Kathrin Schuler 10.01.2019

Wer beim Musical „Phantom der Oper“ automatisch die Musik von Andrew Lloyd Webber mit den deutschen Liedtexten von Michael Kunze erwartet, hatte bei der Aufführung am Dienstag im Congress Centrum schlechte Karten. Zwar basierte dieses Musical ebenso auf dem Roman von Gaston Leroux, Texte und Musik stammen jedoch von Paul Wilhelm und Arndt Gerber.

Die Geschichte vom Phantom, das maskiert und unerkannt im Pariser Opernhaus sein Unwesen treibt, ist jedoch die gleiche – und wird in dieser Inszenierung spannend erzählt. Das geheimnisvolle Phantom (Philipp Landgraf) schleicht über die Bühne und lenkt die Geschicke des Opernhauses. Sein Ziel: Die von ihm heimlich geförderte und geliebte junge Opernsängerin Christine Daaé (herausragend: Stefanie Wesser) soll die Hauptrolle übernehmen. Dabei schreckt das Phantom auch nicht vor Erpressung und Gewalt zurück, um die Primadonna Carlotta (Adelheid Brandstetter) zu vertreiben und den Direktor des Hauses (Hans-Jür­gen Zander) zu überzeugen. Der Plan gelingt, doch Christine erwidert die Liebe des Phantoms nicht.

Das Bühnenbild ist schlicht gehalten: Eine große Leinwand dominiert, Requisiten werden zwischen den Szenen rasch herbeigetragen. Der Fokus liegt so vor allem auf den Sängern, der Musik und der Handlung, was für die Geschichte des Stücks von Vorteil ist.

Mitunter wirkt die Inszenierung allerdings etwas hektisch, besonders zu Beginn: Das Phantom huscht immer wieder kreuz und quer über die Bühne, während fast sämtliche Charaktere abwechselnd auflaufen. Die Allgegenwart des Phantoms im Opernhaus wird dadurch jedoch von Anfang an deutlich und zieht sich durch das gesamte Stück.

Die Sänger – insbesondere Stefanie Wesser im Duett mit Fabian Klatt in der Rolle des Raoul de Chagny – überzeugten im CCU sowohl gesang­lich als auch als Darsteller. Ebenso das hervorragende Orchester, das auch die vielen Passagen ohne Lieder pointiert und mit sicherem Timing musikalisch untermalte. Die Songs konnten das Publikum jedoch nicht so wirklich mitreißen: Die Melodien klingen gut, bleiben aber nicht im Kopf.

So fiel der Applaus nicht nur nach den einzelnen Szenen, sondern auch zum Schluss eher spärlich aus und verklang rasch wieder. Dabei wurde deutlich: Dieses Musical bleibt – wie ein Phantom des „Phantoms der Oper“ – hinter den bei den Zuschauern geweckten Erwartungen zurück.

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