"Danke scheen"

Sie begeisterte ihre Fans vom ersten Lied an: Amy Macdonald. Foto: Oliver Schulz
Sie begeisterte ihre Fans vom ersten Lied an: Amy Macdonald. Foto: Oliver Schulz
CLAUDIA REICHERTER 06.08.2012
Tausende Zuschauer haben beim Wiblinger Open Air mit Amy Macdonald einen wunderbar relaxten Sommerabend genossen. Die junge Schottin punktete mit eingängigen Songs und großer Stimme.

Nachdem die letzten Akkorde der sehr angenehmen Vorband von Alex Hirsch verklungen sind, blicken die Zuschauer am Samstagabend im Wiblinger Klosterhof ein ums andere Mal in den Himmel. Eine Frage lässt sich aus den Gesichtern ablesen: Hat Amy Macdonald, wegen der die Menschen bis aus Österreich nach Ulm gekommen sind, neben Gitarre und Band aus Schottland vielleicht auch das Wetter mitgebracht - wie das eine Woche zuvor in Metzingen der Fall gewesen war?

In ihrem heimischen Glasgow regnete es die vergangenen Wochen praktisch ununterbrochen, und nach einem schwül-heißen Sommertag ziehen auch über der Kulisse des Klosters in Wiblingen dicke dunkle Wolken auf. Doch die Sorge ist unbegründet: Das Wetter hält. Und auch die erst 24-jährige Sängerin mit Akustikgitarre und wunderbar kräftiger Altstimme hält live, was ihre bislang drei Alben versprachen.

Selbstbewusst, elegant und völlig unprätentiös betritt die Schottin im ärmellosen Glitzermini zu blickdichten schwarzen Leggins für ein eineinhalbstündiges Set die Bühne. Mit Mark Kulke, Sam Embery, Ben Smyth, Shannon Harris und Owen Parker hat sie eine Band im Rücken, die lustvoll den rockigen Aspekt von Amy Macdonalds Power-Folk-Songs unterstreicht, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen, und die begabte Songwriterin mit den wunderbar eingängigen Melodien so davor bewahrt, in die alleweil drohende Runrig-Rührseligkeit abzudriften.

Mit der ersten Single ihres ersten Albums aus dem Jahr 2007, der Midtempo-Nummer "Poison Prince", hat Amy Macdonald die Fans vom ersten Augenblick an im Griff. Auch wenn sie sie erst nach dem zweiten Song, "Spark" vom zweiten Album, direkt anspricht. Mit charmantem schottischen Sing-Sang-Akzent und rollendem "R" lobt sie erstmal das "wunderbare Wetter". Sie spiele gern auf Sommer-Festivals und am liebsten auf solchen wie diesem, bei denen sie der Headliner ist. Immer wieder dankt sie mit einem putzigen "Danke scheen" speziell ihren deutschen Fans. Denn in Deutschland hat sie inzwischen mehr Platten verkauft und mehr Preise eingeheimst als in ihrer Heimat.

Die neuen Stücke "The Game" und "Across The Nile" offenbaren den ganzen Umfang ihrer Stimme. Das poppige "This Pretty Face" und "Furthest Star" spielt sie zurückhaltend, in einer akustischen Version nur begleitet von Gitarrist und musikalischem Direktor Mark Kulke. Dann wird es mit ihrem großen Hit "Don"t Tell Me That It"s Over" wieder rockiger. Zur ersten Single-Auskoppelung des im Juni erschienenen neuen Albums, "Slow It Down", merkt sie humorvoll an, das sei das Lied, das derzeit im Radio rauf und runter laufe - und wenn nicht, dann habe die Radiostation einen sehr schlechten Geschmack.

Egal, was sie tut, die Leute hängen an den Lippen der brünetten jungen Frau, singen die Album-Titelstücke "This Is The Life" und "Life In A Beautiful Light" kurz vor dem Zugabenblock begeistert mit und genießen die laue Sommernacht bei diesem äußerst relaxten, angenehmen Open-Air-Fest mit bis zum Schluss toilettenpapierbewehrten, sauberen Dixie-Klos.

Gegen 22.45 Uhr ist mit "Lets Start A Band" dann Schluss. Die Gesichter der meisten Besucher sagen: Amy Macdonald und Band hätten gern noch ein bisschen länger spielen dürfen. Aber auch so wars richtig schön.