Moderat war das Allegretto des Streichensembles des Universitätsorchesters zum Auftakt des "Dies academicus" (lat.: akademischer Tag). Das Trio spielte ein Werk des italienischen Vorklassik-Komponisten Luigi Boccherini. Weniger moderat fiel die Ansprache von Prof. Karl Joachim Ebeling aus. Der Präsident der Universität strotzte in der jährlichen Festveranstaltung, in der es vor allem darum geht, verdiente Forscher und Freunde der Universität zu ehren, geradezu vor Selbstbewusstsein.

Im Hörsaal der Medizinischen Fakultät ließ Ebeling die Erfolge der vergangenen zwölf Monate Revue passieren: Rekorde bei der Zahl der Studenten (10.400), der Absolventen (1730), der Drittmitteleinwerbung (99,7 Millionen Euro), mit den Professoren Hartmut Döhner, Fedor Jelezko und Heiko Braak gehören gleich drei der weltweit meist zitierten Forscher zur Uni Ulm. Dazu die Kür zur "besten jungen deutschen Universität unter 50 Jahren" im viel beachteten "Times Higher Education"-Ranking, Bewilligung eines elf Millionen Euro schweren Sonderforschungsbereiches zur Traumaforschung und schließlich der Start des Helmholtz-Instituts für Elektronische Energiespeicherung im neuen Gebäude.

"Wenn man nach Konstanz oder Tübingen schaut, dann ist da viel weniger", sagt Ebeling, der insbesondere an die Politiker aus der Region appellierte, "diese Erfolge mit Verve nach Stuttgart zu tragen". Ziel der vergleichsweise kleinen Universität müsse es sein, noch mehr außeruniversitäre Forschungsinstitute auf den Oberen Eselsberg zu locken - nur so könne man sich langfristig im Wettbewerb mit den großen Universitäten behaupten.

Stärker als in den Vorjahren dominierte die Medizinische Fakultät den "Dies". In seiner Antrittsvorlesung stellte Prof. Thomas Hoffmann, neuer Ärztlicher Direktor der Uni-Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, das Spektrum seines Fachs vor. Er berichtete über ein neuartiges, in seiner Klinik mitentwickeltes Medikament, das gegen das lebensbedrohliche Angioödem wirkt. Dabei handelt es sich um eine Schwellung des oberen Atemwegs, sie ist entweder erblich bedingt oder eine Reaktion auf bestimmte Medikamente wie ACE-Hemmer, an der Patienten ersticken können. Zuvor hatte Prof. Thomas Wirth, Dekan der Medizinischen Fakultät, den gebürtigen Ulmer anekdotenreich vorgestellt.

Ausgezeichnete Wissenschaftler und Studenten

Preise Rudolf Lehn, Gründer des Schülerforschungszentrums Südwürttemberg, wurde für seine Verdienste ums Fach Physik mit der Universitätsmedaille ausgezeichnet. Sein Sohn Dr. Michael Lehn erhält den Lehrpreis der Uni. Er hat das Modul "Scientific Computing" verbessert. Dr. Jan Krönke erhielt den mit 8000 Euro dotierten Franziska-Kolb-Preis zur Förderung der Leukämieforschung, Dr. Patrick Schuler für seinen Beitrag zur Entwicklung einer computergesteuerten OP-Endoskopieeinheit den mit 8000 Euro dotieren Kooperationspreis Wissenschaft-Wirtschaft. Dritte Preisträgerin aus der Medizin ist Dr. Pamela Fischer-Posovszky, die Wissenschaft und Familie vorbildlich vereinbart. Ihr wurde der Mileva Einstein-Maric-Preis (2500 Euro) verliehen. Um künftige Forscherinnen bemühen sich die "Wissenschaffer": Diese Studenten gehen in Schulen und informieren über die vermeintlichen Männerdomänen Ingenieurwissenschaften und Informatik. Dafür erhielten sie den Gleichstellungspreis (2500 Euro).