Ulm / CAROLIN STÜWE  Uhr
Die grüne Gentechnik in der Landwirtschaft bleibt umstritten. Die Wissenschaftlerin Angelika Hilbeck plädiert für eine ökologische Landwirtschaft.

Das erstaunt selbst eine international renommierte Wissenschaftlerin wie Dr. Angelika Hilbeck von der ETH Zürich: Spanien rät seinen Landwirten neuerdings davon ab, weiter gentechnisch veränderten Mais anzubauen. Man sei zu der Erkenntnis gekommen, dass sich die Erträge doch nicht erhöhen lassen und dass man auch keine Pestizide einspart. "Das sind ganz neue Töne aus Spanien", sagte die Agrarbiologin und Ökologin vor mehr als 100 Zuhörern in der Volkshochschule. Eingeladen hatten das Bündnis für eine agrogentechnikfreie Region Ulm und der Ulmer BUND.

Angelika Hilbecks wissenschaftliches Ziel ist eine kritische Auseinandersetzung mit der so genannten Agro-Gentechnik. Deshalb hieß ihr Vortragsthema auch "Grüne Gentechnik und Agrarökologie - Zielkonflikte und Kontroversen". Zwar stehe momentan überall der Klimawandel im Fokus. "Dabei ist die Artenvielfalt komplett im Argen." Einer der signifikantesten Treiber dieser Prozesse sei die industrielle Landwirtschaft. Diese Agro-Food-Landwirtschaft produziere keine Lebensmittel, sondern lediglich Rohstoffe. Die stellt sie dann für Wertschöpfungsketten, etwa die Tiermast, bereit oder zur Energiegewinnung wie Dieselkraftstoff.

Hinzu kommt: Dort in Nord- und Südamerika wachsen 99 Prozent aller global angebauten genveränderten Pflanzen wie Mais und die Sojabohne. Genverändert dahingehend, dass sie gegen die "Herbizid-Duschen" (Hilbeck) resistent sind. Das heißt, die Unkrautvernichtungsmittel vernichten alles Grüne, nur die Mais- oder Sojapflanze nicht.

Außerdem sind diese Nutzpflanzen durch die Genmanipulation resistent geworden gegen gewisse Insekten. Indes: Der Hauptschädling bleibt zwar weg, aber dann kommen die Sekundärschädlinge. Also müssen doch Pestizide eingesetzt werden. "Darüber aber spricht keiner", sagte die Referentin.

Gibt es eine Lösung für diesen Teufelskreislauf? Eine kleinbäuerliche und ökologisch orientierte Landwirtschaft könnte die Hungerkrisen in der Welt bewältigen und somit die Fluchtursachen der Menschen bekämpfen, lautet eine These der Agrarökologin. Dann läge der Fokus der Landwirtschaft auf Umweltschonung, gesunde Nahrungsmittel, Direktvermarktung sowie lokale kurze Wertschöpfungsketten.